Jugend besser als ihr Ruf

Kategorie: Kinder & Jugend

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V.l.n.r.: Jolanta Dederer, Ulrike Thalmeier und Natalie Berndl können freuen sich auf Jugendliche, sobald es wieder geht

Das Team des Jugendzentrums (JUZ) blickt auf ein herausforderndes Jahr

Alle vier Jahre beschäftigt sich eine Studie des Sinus-Instituts mit der Frage „Wie ticken Jugendliche?“. Im Corona-Jahr 2020 fühlen sie sich demnach vor allem in der Politik nicht ernst genommen, wünschen sich „gut abgesicherte Lebensverhältnisse“ und sind „genervt von den Einschränkungen, aber mitfühlend und verantwortungsbewusst“. „Die Selbstverständlichkeit, die sie an den Tag legen, wenn es um Maskenpflicht und Hygienemaßnahmen geht, davon können wir Erwachsene etwas abschauen“, bestätigt Ulrike Thalmeier, Sozialpädagogin und Leiterin des Jugendzentrums. „Sie denken über mögliche Risikogruppen zuhause nach, sind sich sehr wohl bewusst, dass sie sich in einem sozialen Netzwerk befinden, für das sie auch Verantwortung tragen. Oft heiß es: „Denen ist doch alles Wurst“. Nein, den Jugendlichen ist das gar nicht egal.“ Kollegin und Sozialpädagogin in der Mobilen Jugendarbeit, Natalie Berndl, empfindet es ähnlich: „Ich finde es bewundernswert, mit was für einer Tapferkeit sie das tragen. Es ist anders für Jugendliche als für Erwachsene, in deren Entwicklung es nicht mehr eine so große Rolle spielt, Kontakte zueinander zu haben.“ Dennoch müsse das Team jugendliche Einzelgänger im Blick haben in einer Zeit, die Nähe nur auf Distanz zulässt, sagt Diplom-Psychologin Jolanta Dederer, die ebenfalls in der Mobilen Jugendarbeit mit Teenagern zusammenkommt: „Generell sind sie sehr anpassungsfähig, aber es ist eine Herausforderung, Kontakt zu halten. Social Media hilft, aber kann ein echtes Treffen nicht ersetzen.“

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Das Handy ist nicht alles

Im Jahr, das bestimmt ist von Maske, Händewaschen, Schließungen, Teil-Öffnungen, ziehen sich viele Jugendliche zurück, fasst Ulrike „Uli“ Thalmeier die Zeit zusammen: „Wir hatten gerade eine Gruppe neuer 10- bis 13-Jähriger, die sich zu etablieren schienen, dann kam der erste Lockdown. Im Sommer lief das Ferienprogramm auf dem Volksfestplatz, ganz anders als sonst. Es hatte guten Zuspruch, denn es war draußen, sichtbar und Interessierte konnten spontan daran teilnehmen“, so die Sozialpädagogin. „Die Offene Jugendarbeit ab Herbst war aber sehr zurückhaltend, „bekannte“ Gesichter haben wir gar nicht gesehen.“ Ein bisschen anders sieht es in der Mobilen Jugendarbeit aus, berichtet Jolanta Dederer. „Unsere Anlaufstellen sind der Container und die Hütte, immer, Sommer kamen viele. Ich habe Abende mit Feuerschalen veranstaltet, es waren immer kleine Gruppen, das, was eben erlaubt war.“ Dabei beobachtet die erfahrene Mitarbeiterin „schöne und erstaunliche“ Momente. Die Heranwachsenden nutzen die gemeinsamen Stunden, sich kennenzulernen und auszutauschen: „Wir hatten überlegt, Spotify einzurichten, aber das haben sie gar nicht gebraucht. Die Hütte war ihr Rückzugsort, um Ruhe zu haben, sie haben es genossen, einen Platz in der Natur zu haben, manchmal auch ohne zu sprechen. „Wie chillig ist das!“, habe ich oft gehört. In diesen Momenten war nicht einmal das Handy vorhanden.“ Für viele Elternteile ist das sicher eine Aussage, die sie innehalten lässt, sind sie doch den Anblick ihrer Sprösslinge ganz anders gewöhnt.

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Bereit für alles

Wie die Jugendlichen die Corona-Schwerkost in Zukunft verdauen, ob sie unter Ängsten leiden oder dauerhaft Depressionen entstehen und wie sich das möglicherweise auf die Arbeit im JUZ auswirkt, ist für die die Expertinnen bisher ungewiss. „Ich habe das Gefühl, wenn es wieder anders ist und geht, freuen sie sich darüber und kehren schnell in ihren Alltag zurück und machen einfach weiter“, sagt Ulrike Thalmeier, verdeutlicht aber: „Mit und ohne Corona gibt es meines Erachtens Menschen, die sich schwerer mit Anpassung tun als andere. Sollte jemand in ein Loch fallen, sind wir hier sehr gut gerüstet, das ist unser Berufsverständnis.“ Das Team versucht in allen Bereichen, so gut es geht, den Kontakt aufrecht zu erhalten, der Gesprächsbedarf sei in jedem Fall groß, so Natalie Brendl: „Die Jugendlichen nehmen das vielleicht nicht so wahr, aber ihr Verhalten zeigt es, ich höre es von meinen Kollegen in der Schule. Wir machen viel Werbung für uns und hoffen, dass die Jugendlichen sich erinnern: Wir sind für sie da.“

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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