Helfen statt trainieren

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Rund 50 Freiwillige des FC Neufahrn bieten Einkaufsservice für Risikogruppen

Normalerweise steht der Trainer einer Mannschaft am Spielfeldrand und gibt taktische Anweisungen. Im besten Fall winkt er lässig entspannt, oft jedoch schreit er wild gestikulierend, während sich das Gesicht dunkelrot färbt. Jetzt, in der erzwungenen Corona-Spielpause, gibt es statt strategischer Pläne, wie das Runde ins Eckige zu kicken sei, Einkaufslisten. Denn die Rückrunde der Saison findet bis auf weiteres in Supermärkten, Apotheken und der Post statt. 50 Kicker der ersten und zweiten Mannschaft, des Damenteams, der Jugend und Trainer des FC Neufahrn greifen in den Regalen verschiedener Geschäfte für die zu, die durch das Coronavirus gefährdet sind. „Wir dürfen gerade nicht trainieren, das ist also Zeit, die wir haben und nutzen können, um andere zu unterstützen. Helfen statt trainieren“, erklärt Danilo Zimmermann, Trainer der Damen-Elf.

Das Hilfsangebot des Vereins richte sich insbesondere an Menschen, die ein paar mehr Kerzen auf der Geburtstagstorte auspusten können oder Vorerkrankungen haben: „Ich habe das bei Facebook von einem Verein in Niederbayern gesehen und wollte das gerne für Neufahrn übernehmen“, so Zimmermann. „Wir dachten, dass es schön wäre, wenn der FC Neufahrn etwas für die Bürger im Ort macht“, schließt sich Michael Zielinski, Spieler der zweiten Herrenmannschaft an. Eine Idee, die sofort viele Vereinsmitglieder mitreißt: „Daher ist das keine Aktion von einzelnen, sondern eine des FC Neufahrn“, betonen Danilo Zimmermann und Michael Zielinski übereinstimmend.

„Wir sind ein Neufahrner Verein und wollen hier im Ort helfen.“

Danilo Zimmermann, Trainer Damen FC Neufahrn

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Bitte melden
Seit ein paar Tagen läuft der Service langsam an. „Wir hatten beispielsweise den Anruf einer Dame aus Südbayern, deren 96-jährige Mutter hier lebt. Sie hatte einen Einkaufsservice, der aber momentan wegfällt“, gibt Zimmermann einen konkreten Einblick in die pragmatische Hilfe. „Den übernehmen wir jetzt, die Tochter überweist uns die Summe.“ Bisher seien die Helfer noch längst nicht ausgelastet, weiß Zimmermann: „Es hat sich noch nicht herumgesprochen.“ Zwar berichten Medien über unzählige Hilfsangebote in ganz Deutschland, dennoch wissen viele Schutzbedürftige oft nichts von den Angeboten vor Ort oder an wen sie sich wenden können: „Das größte Problem sieht der Verein darin, dass Vieles über Facebook- Gruppen oder andere soziale Medien läuft“, erläutert Zielinski. „Aber die Menschen, die wir ansprechen wollen, sind da oft nicht vertreten, deswegen wollten wir andere Wege gehen.“ Schnell sind sich die Beteiligten einig und verteilen Aushänge und fordern zur Mundpropaganda auf, damit es die Menschen erreicht, für die der Service gedacht ist. Hinzu kämen viele, die den Service zwar gut finden, aber „abwarten Hilfen in Anspruch zu nehmen“, ist sich Zielinski sicher: „Sie fragen im Verwandtenkreis, auch wenn sie einige Tage auf das Benötigte warten müssen.“ Etwas, das der Verein ändern möchte: „Genau für die Menschen haben wir das gemacht“, spricht Zielinski und ruft auf: „Bitte melden Sie sich bei uns. Wir müssen jetzt zusammenhalten und wollen sehr gerne helfen.“

Zeit, da zu sein
Für den Fußballclub ist das Engagement in dieser schwierigen Zeit Ehrensache. „Wir sind ein Neufahrner Verein und wollen hier im Ort helfen“, meint Zimmermann: „Die Menschen, die jetzt schwach sind, haben einiges in ihrem Leben getan und geleistet und ich finde, dass die jüngere Generation jetzt einfach gefordert ist.“ Bürgermeister Franz Heilmeier zeigt sich angetan von der Einstellung: „Ich freue mich sehr, dass der FC Neufahrn die Aktion „Helfen statt trainieren“ ins Leben gerufen hat. Viele der Fußballerinnen und Fußballer, die normalerweise in diesen Wochen in die Rückrunde der Saison 2019/20 gestartet wären, engagieren sich für ihre Mitmenschen durch Besorgungen und Erledigung. Tolle junge Leute!

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Einfach und unkompliziert
Die Vorgehensweise ist denkbar einfach. In der Zentrale laufen die telefonischen Bestellungen oder Aufträge (Telefonnummer 0160 5905300) zusammen. „Einfach anrufen, es darf auch gerne für Kleinigkeiten sein. Wir bündeln das“, so Zielinski. Genauso ist es möglich, eine Einkaufsliste per E-Mail an helfer@fcneufahrn.com zu schicken: „Bis zu einem Einkaufsbetrag von 50 Euro strecken die jeweiligen Helfer das Geld vor. Bevor wir das Essen an der Tür abgeben, rufen wir an, nennen den Betrag und bekommen das Geld in einem Kuvert, so vermeiden wir jeglichen Körperkontakt“, verdeutlicht Zimmermann das Vorgehen. „Jede Summe darüber hinaus machen wir gegen Vorkasse.“ Wichtig ist auch: den Auftraggebern entstehen keine weiteren Kosten, bisher ist der Service für Neufahrn und Mintraching angedacht.

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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