Vordenken, nachdenken, selber denken

Kategorie: Kultur

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„Denk-mal-geschützt!“ – Kabarettistin Josefine Gartner mit ihrem aktuellen Programm

Kabarettistin Josefine Gartner präsentiert ihr aktuelles Programm

Dass Nachdenken eigentlich eine sehr komfortable Angelegenheit ist, bewies Josefine Gartner am 18. März in der Neufahrner Gemeindebücherei, „denn zum Nachdenken gehört doch immer jemand, der schon mal vordenkt“, so die – nachvollziehbare – Logik der Kabarettistin. Vor- und nachgedacht hat sie viel und entstanden ist dabei ihr neues Solo-Programm „Denk-mal-geschützt“, mit dem sie als Josefine/Franz/Hilde seit Oktober 2021 auftritt.

Ehe sie jedoch mit dem eigentlichen Thema des Abends begann, ging sie eindringlich auf die aktuelle Lage zum Thema Krieg in der Ukraine ein. Den Übergang zum Kabarett-Programm zu finden, war nicht leicht, doch sie schaffte es gut und nahm im ersten Teil des Abends das Publikum mit auf eine weite Gedankenreise. In atemberaubendem Tempo wickelte sie dabei zahlreiche Themen ab, die derzeit die Welt, Deutschland und den einzelnen Menschen bewegen. Darunter befanden sich u.a.: Fußball, Katar, Olympische Spiele, Klimakrise, Scheuer, Spahn, Laschet, die katholische Kirche, zwei Päpste, Merkel, Scholz, Ampel-Koalition, Wahlen, Corona, Querdenker… Fast zu viel für eine einzelne Frau. Deshalb hatte sie wohl auch ihren Nachbarn Franz, sozusagen als Quotenmann, mitgebracht. Franz ist tolerant (aber die Frauen sollten gefälligst dort bleiben, wo sie hingehören) und gebildet (liest er doch seit 50 Jahren tagtäglich die Bild-Zeitung).

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Nachbar Franz, voll gebildet dank regelmäßiger Lektüre der BILD-Zeitung

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Nach der Pause trat dann bauchtanzend ihr zweites Alter Ego auf, nämlich ihre herrlich schräge Schwester Hilde. Ein eher schlichtes Gemüt, doch gut informiert, denn sie weiß, dass die Japaner Shisha essen, sie sinniert über den Wasserfußabdruck einer „Advocado“ und hat hochfliegende Pläne, wie sie als Influencerin erfolgreich Lebenshilfe vermitteln könnte.

Später kam Josefine Gartner dann auf die verzwickten Verwicklungen im Finanzwesen zu sprechen. Besonders angetan hatten es ihr die Machenschaften der „Big Four“, der vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Sie verglich die Vorgänge in der Finanzwelt mit der Hohen Schule auf einem „gut eingerittenen“ Pferd. Mit diesem Thema hatte sie sich ebenfalls aufs Pferd gewagt und sich dabei leider ein wenig vergaloppiert, als Zuschauerin/Zuschauer konnte man in der Fülle der Sätze leicht mal den Überblick verlieren.

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Josefines flotte Schwester Hilde rät zur Entspannung beim Bauchtanz

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Seit 2002 steht Josefine Gartner mit ihren Programmen auf zahlreichen Bühnen. Mehrfach wurde sie für Preise nominiert, zweimal wurde sie ausgezeichnet, nämlich 2006 mit dem Tassilo-Kulturpreis der SZ und 2017 mit dem ersten Preis beim Rösrather Kabarettfestival.

Witzig, schlagfertig und ironisch, dazu ein großer Schatz an Zitaten, alles in unverfälschtem (Erdinger) Dialekt – es gab viel zu lachen. Manchmal allerdings blieb einem das Lachen im Halse stecken, vielleicht auch deshalb, weil man sich nicht sicher sein konnte, ob etwas ironisch gemeint war oder ob man sich eher betroffen fühlen sollte.
Insgesamt ein heiterer Abend mit besinnlichen Momenten, den Josefine Gartner mit einer zungenbrecherisch-wortreichen Meditation über die Frage „was Menschen wählen würden, wenn demnächst Wahlen wären…“ beendete. Ihr guter Rat (nicht nur) zum Schluss: „vordenken – schlucken – nochedenga!“ (= „nachdenken“ für Nichtbayern)!
Das Publikum bedankte sich mit herzlichem Beifall.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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