Kriminalfälle – Dichtung und Wahrheit

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Fachleute für Kriminalfälle: Martin Arz, Krimi-Autor, und Ludwig Waldinger, Erster Kriminalhauptkommissar, diskutieren über „Fiktion vs. Fakten“

Krimi-Duell mit Autor Martin Arz und Kriminalhauptkommissar Ludwig Waldinger

Wem kommt beim Lesen eines Kriminalromans oder bei einem TV-Krimi nicht gelegentlich in den Sinn: „Läuft das mit den Ermittlungen tatsächlich so ab?“ oder „Sind echte Kommissare auch so versiert und schnell?“ bzw. „…so inkompetent und ungeschickt?“

Martin Arz und Ludwig Waldinger sind Fachleute auf dem Gebiet der Kriminalität. Allerdings auf unterschiedlichen Gebieten: der eine denkt sich Krimis aus, der andere ist „echt“, nämlich Erster Kriminalhauptkommissar. Am 15. Oktober diskutierten sie in der Neufahrner Bibliothek über „Fiktion vs. Fakten“.

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Zu Beginn ging es um spektakuläre Verbrechen aus der Münchner Kriminalgeschichte, die Martin Arz in seinem Buch „Todsicheres München“ gesammelt hat. Adele Spitzeder, eine clevere Dame, entfachte im 19. Jahrhundert den größten Münchner Finanzskandal, weil sie in kurzer Zeit Tausende von Bürgerinnen und Bürgern und sogar einige Gemeinden um viele Millionen Gulden geprellt und dadurch in den Ruin getrieben hatte. „Schneeballsystem“ nennt man ihre Methode heute und es ist, wie Ludwig Waldinger bestätigte, noch immer eine erfolgreiche Masche, um auf unredliche Weise an das Geld anderer Leute zu kommen.

Der Sexualmörder Johann Eichhorn vergewaltigte und tötete zwischen 1931 und 1939 in München und Umgebung mindestens sechs Frauen. Dies nahm Kommissar Ludwig Waldinger zum Anlass, sein Waffenarsenal herzuzeigen. Er hatte ein großes Sortiment an Messern mitgebracht und erklärte, welche Ausführungen man mit sich führen darf (wenige) und welche nicht (viele). Er warnte auch vor dem Besitz von Schusswaffen, sowohl echten als auch Attrappen oder Spielzeugwaffen.

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Jugendbanden – da denkt man eher an Chicago. Aber auch in München gab es eine gewaltbereite Bande von bis zu 86 Jugendlichen, die Bürgern und Geschäften das Leben schwer machte, die „Marienplatz-Rapper“, die zwischen 1987 und 1990 Straftaten unterschiedlichster Art verübten. Gefragt, was der Unterschied zwischen Bandenkriminalität und organisierter Kriminalität (OK) ist, erklärte Waldinger: „Während Banden eher unorganisiert sind, versteht man unter OK organisierte Gruppierungen, die systematisch kriminelle Ziele verfolgen. Als bekanntestes Beispiel nannte er die Mafia, deren Mitglieder auch in Bayern ihr Unwesen treiben, dies vor allem mit Geldwäsche.

Der zweite Teil des Abends war dann einem fiktiven Kriminalfall vorbehalten. Martin Arz las Ausschnitte aus seinem jüngsten Roman, in dem der Kriminaler Max Pfeffer einen Mord unterm „Münchner Gsindl“ aufklären muss und danach legte der „richtige“ Kommissar eine Liste aller sachlichen „Fehler“ auf den Tisch: Max Pfeffer handelt intuitiv, befragt Zeugen ohne Belehrung und hinterlässt Fingerabdrücke auf den Beweisstücken. Ludwig Waldinger stellte dem Ganzen u.a. gegenüber, dass heutzutage Ermittlungen auch mit Hilfe einer DNA-Analyse durchgeführt werden und außerdem in 20 europäischen Staaten Daten zusammengeführt und abgeglichen werden können.

Auch wenn er das Publikum mit vielen interessanten Fakten konfrontiert hatte, verriet der Hauptkommissar am Ende dieses unterhaltsamen und zugleich informativen Abends, dass auch er gern mal einen Krimi lese, auch wenn dessen Inhalt mit seiner tatsächlichen Arbeit nicht viel gemeinsam hat. Autor Martin Arz fragte daraufhin das amüsierte Publikum: „Möchtet ihr das alles in Amtsdeutsch lesen?“ Die Antwort gab er gleich selber: „Nein! Ich möchte unterhalten und kein Fachbuch schreiben!“

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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