Lieber „verrückt“ als „Depp“: Giggenhausens Jugend erobert die Bühne

Kategorie: Aufführungen

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Alexander Huber, Irmi Hierhager (Regie), Maria Nadler, Katharina Muschalla, Sebastian Pallauf, Benedikt Huber, Isabella Huber, Elisabeth Heilmeier, Theresa Nadler mit Christian Fiedler (Licht und Technik), Walter Thumann (Regie). Sitzend v. l.: Ida Hierhager, Sophia Weissig, Andreas Ziegltrum. (Nicht auf dem Bild: Moritz und Annemarie Fackler)

Märchen mit ’nem Sprung: Der gestiefelte Kater trifft Monty Python

„Du darfst auf der Bühne alles machen, das bist ja nicht du selbst, du spielst es nur“, versucht Walter Thumann zu beruhigen. Leichter gesagt als getan. Auf einer Bühne vor Publikum verliebt Händchen zu halten, kann für Teenager eine echte Herausforderung sein. Nur einen kurzen Moment lang grinsen der Müllersohn Michel (Andreas Ziegltrum) und die schöne Prinzessin (Sophia Weisser) ein wenig verlegen, bevor sie sich wieder auf ihre Rollen konzentrieren. Bis zur Premiere von „Der gestiefelte Kater“ im Metzgerwirt zu Giggenhausen ist es nicht mehr lange hin, entsprechend laufen die Proben auf Hochtouren: „Ich wollte das Stück ein wenig wie Alice im Wunderland machen“, erklärt Walter Thumann, der gemeinsam mit Irmi Hierhager Regie führt. Lediglich der Müllersohn und Katerbesitzer Michel sei einigermaßen normal: „Alle anderen haben irgendeinen Schlag. Die Kostüme sind bunt, es gibt Steckenpferde, es geht ein bisschen skurril und lustig zu und ich habe noch ein paar Lieder geschrieben, die eingespielt werden.“

Lieber Schauspielen statt TikToken
Insgesamt soll das rund eine Stunde lang dauernde Stück eine kleine Hommage an Monty Pythons „Ritter der Kokosnuss“ sein. Für die Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren heißt das ein eher unbekanntes Terrain zu betreten. „Die kennen das nicht mehr. Ich war nicht sicher, ob sie sich nicht denken: „Das ist schon a bissal blöd, des mach i ned“ Das war schon schwierig“. Das Alter berge bekanntermaßen Tücken, erzählt Thumann. „Es ist in jeden Fall anders als mit den Erwachsenen. Jugendliche haben ein wenig Angst davor, sich auch mal „zum Deppen“ machen zu müssen.“ Irmi Hierhager stimmt zu und verdeutlicht die „Sprachbarrieren“ zwischen den Generationen: „In der Probe hieß es irgendwann: „Da darfst du ausschauen wie ein Depp“. Das geht überhaupt nicht. Wir mussten lernen anders zu formulieren.“ Okay sei: „Du darfst ein bisschen verrückt ausschauen wie Alice im Wunderland.“

Zwischen Mathe und Märchen: Mutprobe Rampenlicht
Eine, die sich bemerkenswert traut, ist Ida Hierhager. Die 12-Jährige zeigt ihr schauspielerisches Talent und spielt mit viel Witz und Leidenschaft den gestiefelten Kater. „Ich hatte schon länger Lust Theater zu spielen, ich liebe Schauspielerei“, beantwortet Ida zwischen ihren Auftritten souverän die Interviewfragen: „Ich habe viel Text und muss neben dem Spiel mit den Kindern im Publikum reden.“ Das sei wegen der spontanen Reaktionen der Kinder gar nicht „so einfach“, bekennt Ida und verrät: „Ich bereite mich gedanklich darauf vor, will aber vor allem improvisieren und versuche in alle Richtungen zu denken.“ Schauspielkollege Andreas Ziegltrum weiß genau, wovon Ida spricht: „Es ist wirklich viel Text und wenn man dann vor Publikum steht, ist man aufgeregt. Aber das bekomme ich schon hin.“ Der 13-Jährige habe Spaß am Spiel in der „schönen Gemeinschaft“, außerdem sei es eine Abwechslung zur Schule. Seine Zukunft auf dem Brettern, die die Welt bedeuten, sieht er allerdings nicht: „Ich bin gut in der Schule und kann noch nicht genau sagen, wohin ich will. Klar, öfter mitzuspielen schon, aber es soll eher ein Hobby bleiben.“

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Erfolg auf „Beschwerde“
In Giggenhausen hat das Laientheater Tradition, zumindest bei den Erwachsenen und Kindern: „Bis zur vierten Klasse gibt es alles vom St. Martin- bis zum Krippenspiel, aber nichts für die Jugendlichen. Die haben sich seit Jahren beschwert und Walter hatte das Stück in petto“, sagt Irmi Hierhager. „Wir hatten das jahrelang im Kopf, allerdings ist das mit dem Erwachsenentheater bereits viel Aufwand, etwas Zusätzliches zu machen schien zu schwierig“, meint Thurmann. „Andererseits geht’s ja darum, die Jugend dann zu packen, wenn sie Lust darauf haben, und sie waren von Beginn an begeistert und wollten unbedingt mitmachen, deshalb machen wie es jetzt.“

Mit Souffleuse im Rücken und Mut im Herzen: Das große Debüt
Alle Schauspieler feiern in wenigen Wochen nicht nur die Premiere des Stücks, sondern auch ihren ersten Bühnenauftritt. „Wir sind ein wenig nervös, allerdings sagen wir auch, dass es nicht perfekt sein muss“, stellt Walter Thurmann klar. „Ich will auch nicht oberlehrerhaft, sondern eher locker sein. Trotzdem braucht es eine gewisse Strenge. Das ist ein bisschen tricky. Aber unterm Strich trauen sich alle, machen mit und sie haben eine Souffleuse.“ Wenn es gut laufe, wollen sich Irmi Hierhager und Walter Thimann überlegen, künftig regelmäßig Teenager auf die Bühne zu bringen. Beide sind sich einig: „Der Aufwand ist zwar brutal, aber es lohnt sich und es macht unglaublich Spaß. Schauen wir mal, wie die Resonanz ist.“

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Vorverkauf ab sofort!
Aufführungen am 10., 11. und 12. Juli 2026.

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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