Giggenhausens Theaterjugend: MiasanMiau beim Metzgerwirt

Kategorie: Aufführungen

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Der gestiefelte Kater trifft Monty Python

Miau, Miau – denn ich bin schlau!“ Nur einen Kater erbt der arme Müllersohn Michel, der dann auch noch ein paar Stiefel von ihm fordert. Michel schenkt sie dem Schnurrbartträger und gewinnt einen treuen und schlauen Gefährten, denn der fädelt geschickt eine Begegnung mit dem König und seiner Tochter ein. Dank des raffinierten Stubentigers erfahren die „Royals“ nichts von Michels wahrer Existenz und halten ihn für einen Mann adligen Bluts. Meister Samtpfote gelingt es schließlich, den mächtigen Zauberer zu überlisten. Der serviert sich selbst der hungrigen Miezekatze als leckeren Snack, indem er sich in eine Maus verwandelt. Dem Happy End steht nichts mehr im Weg, Michel darf die Prinzessin heiraten. Es ist eine Kurzversion des berühmten Märchens der Gebrüder Grimm. Wahrscheinlich kann es nicht jeder aus seinem Gedächtnis abrufen. Gleichzeitig wirft es vielleicht die Frage auf, warum ausgerechnet die Jugendlichen der Maibaumfreunde Giggenhausen die Geschichte für Kinder auf die Bühne im Wirtshaus Metzgerwirt bringen. Die Antwort ist leicht: Weil sie es können.

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Regie im siebten Theater-Himmel

Walter Thumann und Irmi Hierhager, die gemeinsam Regie führen, sind nach der Premierenvorstellung völlig „baff“: „Das war der Hammer. Wir hatten vorher schon Bedenken, wie unsere Darsteller reagieren und erstarren würden, wenn der Vorhang aufgeht und über 100 Leute dasitzen“, erinnert sich Walter Thumann und platzt nach eigener Aussage vor Stolz: „Das genaue Gegenteil war der Fall.  Alle waren super vor allem Ida als gestiefelter Kater, die mich völlig von den Socken gehauen hat.“  Insgesamt ist das rund eine Stunde lang dauernde Stück eine kleine Hommage an Monty Pythons „Ritter der Kokosnuss“. Für die Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren bedeutet es unbekanntes Terrain zu betreten: „Die kennen die Filme eher nicht mehr“, so Thumann im Vorfeld. Doch live auf der Bühne sitzt jeder Gag. „Du redst von Stiefeln und i suach a Arbad um zum Überlebn!“ beklagt sich Michel beim Kater oder die Wache des Königs kommentiert trocken: „Mi host ghaut, a Katz, de wos red`, bringt an Kine Hendl!“

 

Vom Peinlich-Modus zum Profi-Auftritt

„Du darfst auf der Bühne alles machen, das bist ja nicht du selbst, du spielst es nur“, lautet Walter Thumanns monatelanges Mantra. Während der Proben wiederholt er es beinahe gebetsmühlenartig, denn die Jugendlichen müssen einige „Peinlich“-Hürden, wie die Endgegner „weiße Strumpfhosen“ oder „verliebtes Händchenhalten“ vor Publikum überwinden. Doch irgendwo zwischen Generalprobe und erstem großen Auftritt scheint sich das Schamgefühl bei allen in Luft aufgelöst zu haben: die Darsteller erweisen sich als absolute Profis und glänzen hochkonzentriert mit viel Herz und Charme: „Sie haben es schauspielerisch so hingebracht, dass ich mir dachte: ‚Boah, Hut ab!‘ Der Kater hat die anderen mitgezogen“, lobt Thumann mitreißenden Auftritt der Nachwuchsschauspieler.

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Ein Kater mit Köpfchen

Für ein großes Ausrufezeichen bei den Anwesenden sorgt die Darstellung der zwölfjährigen Ida Hierhager als gestiefelter Kater. „Ich hatte schon länger Lust, Theater zu spielen, ich liebe Schauspielerei“, erklärt die Schülerin wenige Wochen zuvor. Ida geht in ihrer Rolle gänzlich auf. Zwischendurch interagiert sie scheinbar mühelos mit dem Publikum. „Die Ida hat das so gut gemacht, dass sie sogar in der Livesituation spontan anders reagiert hat. Beispielsweise sollte sie Kinder erschrecken. Sie sah bei der zweiten Aufführung dieselben in der gleichen Ecke sitzen und hat voher einfach die Bühnenseite gewechselt.“ Idas simple Erklärung: „Ich habe sie gleich erkannt und dachte, dass die das schon wussten, also habe ich die andere genommen, sonst hätte der Gag nicht geklappt.“

 

Vom Kater-Blues keine Spur: Die Jugend will wieder ins Rampenlicht

Wegen der ausverkauften Vorstellungen müssen sich bis zu zwölf Jugendliche zwischen ihren Auftritten hinter einen weißen Vorhang auf der Bühne quetschen und mucksmäuschenstill sein: „Ich habe ihnen gesagt, dass sie keinen Quatsch machen dürfen, weil man das vorne hören kann und sie haben sich vorbildhaft darangehalten“,  erzählt Thumann, der sogar Leute wegschicken muss, da das improvisierte Theater im Gasthaus aus allen Nähten platzt. Trotz aller Schwierigkeiten, die solch ein Projekt mit sich bringt, überlegt Thumann weiterzumachen; „Die Frage ist: Wie? Denn es waren drei Monate lang ein Fulltimejob die Jugendlichen und Eltern zu koordinieren, die Kostüme und die Bühne und so weiter. Aber wir wollen und müssen weitermachen!“ Das sei auch im Sinne des Vereins, der so Nachwuchs generieren könne: „Aber so viel ist klar: Dafür brauchen wir ein Team, das uns unterstützt. Das war jetzt ein erster Versuch, der wahnsinnig gut angekommen ist.“ Augenscheinlich nicht nur beim Publikum, sondern vor allem bei den mitspielenden Jugendlichen. „Für mich und Irmi war´s das Schönste, als sie sagten: „Schade, dass es vorbei ist. Was machen wir als nächstes?“ Jetzt schauen wir mal!“

Miau – sie trauen sich was: Stehend v.l.n.r: Alexander Huber, Irmi Hierhager (Regie), Maria Nadler, Katharina Muschalla, Sebastian Pallauf, Benedikt Huber, Isabella Huber, Elisabeth Heilmeier, Theresa Nadler mit Christian Fiedler (Licht und Technik), Walter Thumann (Regie). Sitzend v.l.n.r.: Ida Hierhager, Sophia Weissig, Andreas Ziegltrum. (Nicht auf dem Bild: Moritz und Annemarie Fackler)

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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