Reinhold und Richard Lindermeier – Staatsehrenpreis für zwei Brüder aus Fürholzen

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Die Brüder lassen nichts anbrennen: Richard (links) und Reinhold (Mitte) Lindermeier erhalten den Staatsehrenpreis aus den Händen von Bayerns Staatsministerin Michaela Kaniber.

Es sind nur wenige Meter durch dichtes Grün und üppige Pflanzen bis zum Gartenhäuschen. Beim Öffnen der Tür dringt sofort die Geruchsmelange der in Kisten gestapelten, säuberlich sortierten, Birnen, Quitten und Äpfeln in die Nase. Dazu die auffällige Alkoholnote, die sich deutlich an einer weiteren verschlossenen Tür verstärkt und beim Öffnen derer beinahe die Sinne vernebelt. In dem kleinen, fensterlosen Raum stehen Fässer, deren blubbernde Geräusche den Gärungsprozess geheimnisvoller Ingredienzien verkünden. „Das ist mein Hobby“, erklärt „Unruheständler“ Reinhold Lindermeier, der seit 12 Jahren mit seinem Bruder Richard Edelbrände und Geiste kreiert. „Das Ganze war eine Schnapsidee, die wir umgesetzt und verfeinert haben“, blinzelt der 64-Jährige gut gelaunt. Nicht selten führen Geistesblitze zum großen Erfolg. Mit viel Gespür und feinen Gaumen brennen die Lindermeiers nach ihren ersten Versuchen nur zwei Jahre später prämiertes Hochprozentiges und räumen seither regelmäßig Preise und Medaillen ab. Ein vorläufiger Höhepunkt ist aber der vor kurzem verliehene Staatsehrenpreis für die Besten, aus den Händen von Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. „Das ist schon etwas ganz Herausragendes“, freut sich Reinhold Lindermeier. „Als IT-ler war ich Quereinsteiger“, erzählt der Selfmade-Man. „Eine gebrauchte Anlage war die Basis.“ Dazu ein einwöchiger Brennkurs an der Universität Hohenheim. „Die Theorie ist gut, lernen aber tut man erst in der Praxis. Man muss eigene Fehler machen“, verrät Lindermeier.

„Inzwischen achten immer mehr Leute auf Qualität. Sie wollen genießen, auch einen guten Brand oder Geist.“

Reinhold Lindermeier

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Mit dem Staatsehrenpreis ausgezeichnet: die Edelbrände der Lindermeiers. Auf dem Foto Reinhold Lindermeier.

Genuss vom Feinsten

Ob Zwetschgen-, Holunder- oder Vogelbeerbrand: die Endprodukte der beiden sind eine völlig andere Liga als „Nicht lang schnacken, Kopf in Nacken“-Rachenputzer. „Ein Klarer nach dem Essen ist ok“, so der Schnapsbrenner. „Inzwischen achten aber immer mehr Leute auf Qualität. Sie wollen genießen, auch einen guten Brand oder Geist.“ Lindermeier weiht in die Geheimnisse des wahren Genusses ein: „Ein Brand muss Zimmertemperatur haben, das „Stamperl“ ist tabu, es muss ein Grappa- oder spezielles Glas sein.“ Zum „Warm-up“ diene das erste kleine Schlückchen: „40 oder 42 Prozent sind ja schließlich nicht ganz ohne für die Mundhöhle, der zweite Schluck ist dann der richtige“, zwinkert Lindermeier. Vor zwei Jahren gelingt den Brüdern ein spezieller Coup. Auf Anfrage des Kompetenzzentrum für Ernährung in Freising (Kern) erfinden sie den Münchner Kümmelgeist in Rekordzeit neu. „Mein Bruder ist gelernter Kochmeister und kennt sich mit Gewürzen super aus. Schon das erste Rezept passte.“ Und zwar so gut, dass die Jury auch diesen Brand auszeichnet. In Zukunft möchte sich Reinhold Lindermeier mit alten Obstsorten auseinandersetzen: „So etwas wie Mistel, Kornelkirsche oder Wildbirnen.“ Jeder, der über so eine Fruchtart verfüge, könne sich gerne melden, sagt Lindermeier und meint verschmitzt: „Dann schauen wir, wie wir zusammenkommen, die Entlohnung ist edel und hochprozentig.“

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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