Fragen und Antworten – Heiko Schmidt (Neufahrner Echo) und Bürgermeister Franz Heilmeier im Gespräch.
Was war 2025? Wie geht es weiter?
Zum letzten Mal in seiner Amtszeit als Bürgermeister nahm sich Franz Heilmeier wieder Zeit für ein ausführliches Gespräch mit dem Neufahrner Echo. Er blickte dabei nicht nur auf das vergangene Jahr zurück, sondern schaute auch nach vorne – für die Gemeinde und auch für sich persönlich.
»Herr Heilmeier, wie in jedem Jahr unsere Frage zu Beginn: Wie haben Sie Weihnachten und den Jahreswechsel verbracht?
An Weihnachten waren wir in Leipzig bei unserer Tochter Lea. Leider war ich an Neujahr erkältet und habe deshalb beim Neujahrsschwimmen Teilnehmer und Gäste lediglich begrüßt, auf den Sprung in den Mühlsee jedoch verzichtet. Im nächsten Jahr hoffe ich aber, wieder dabei zu sein, dann allerdings nur noch privat.
» Was war im vergangenen Jahr besonders wichtig für Neufahrn?
Wir haben zahlreiche Großprojekte angeschoben, dafür vor allem viel Hintergrundarbeit und politische Weichenstellung für die Neubaugebiete Neufahrn-Ost und Neufahrn Nord-West sowie für die Grundschule 3 geleistet. Beim Baugebiet Neufahrn Ost geht es nach einigen Abstimmungen um die Baurechtsschaffung und dann zunächst um den Beginn der Erschließung. Bis das erste Haus stehen wird, werden deshalb schon noch drei bis vier Jahre vergehen. Wenn alles bebaut sein wird, werden dort rund 1800 neue Bürgerinnen und Bürger leben. Auf dieser Zahl beruht auch die Planung für die Ortsentwicklung in diesem Bereich, u.a. der Bau der neuen Grundschule. Weitere Projekte waren das Klimaschutzkonzept und die Wärmeplanung, auch das Geothermie-Projekt, wofür wir uns einer qualitativ hochwertigen regionalen Tiefenuntersuchung angeschlossen haben. Ein Fernwärmenetz ist in Neufahrn bereits in großen Teilen vorhanden, da sind dann, wenn es soweit sein sollte, nur noch Ergänzungen vorzunehmen. Kulturell stehen wir gut da. Das Mesnerhaus ist eine große Erfolgsgeschichte. Wir bieten einem sehr interessierten Publikum ein gutes kulturelles Angebot, vielen Kindern und Jugendlichen die vielfältigen instrumentalen Kurse unserer Musikschule und eine Vielzahl von Veranstaltungen der VHS an.
»Was ist Ihrer Meinung nach im vergangenen Jahr nicht so gut gelaufen?
Das ist vor allem der Ausstieg des Investors des Green Campus Neufahrn. Anfangs war es sehr vielversprechend und das Projekt war bereits relativ weit gediehen, aber durch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung haben wir wohl eine schlechte Zeit erwischt. Das bedaure ich sehr.
»Wie sehen Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage Neufahrns?
Was die Gewerbesteuer anbelangt, ist durch die vielen kleineren Betriebe die Gesamtentwicklung robust, insbesondere verglichen mit dem Niveau der früheren Jahre. Die allgemeine finanzielle Entwicklung ist dennoch so, dass die Steigerung der Ausgaben nicht Schritt hält mit der der Einnahmen. Große Posten sind vor allem die Kreisumlage und die Personalkosten. Gemeinderat und Verwaltung achten auf solides Wirtschaften. Freiwillige Leistungen für Vereine und sinnvolle strukturunterstützende Projekte wird es aber auch weiterhin geben.
» Welche Bauvorhaben stehen an?
Für die neue Grundschule gab es inzwischen einen Architektenwettbewerb mit sehr vielen Bewerbungen und ein wirklich gutes Siegermodell wurde ermittelt. Ziel ist weiterhin die Eröffnung 2030/2031.
»Wie ist die Lage bei den Kindertagesstätten?
Wenn wir alle genehmigten Plätze belegen könnten, hätten wir keine Wartelisten. Es gibt keine Raumprobleme, sondern es fehlt an einzelnen KiTas das Personal, trotz vieler freiwilliger Leistungen der Gemeinde.
» Was gibt es Neues beim Thema „Verkehr“?
Aufgrund der gemeinsamen Beschlüsse von Neufahrn und Eching wird heuer noch mit den Verbesserungen für den Radverkehr im Gewerbegebiet begonnen. Positiv ist die neue Busverbindung Petershausen-Massenhausen- Neufahrn. Damit ist nun auch Hetzenhausen angebunden. Die Brücke am Kurt-Kittel-Ring wird regelmäßig untersucht, ein Risiko besteht derzeit nicht, die Notwendigkeit der Sanierung jedoch schon. Der Zeitplan sieht die Sanierung für 2028/2029 vor. Das wird dann noch einmal ein großer finanzieller Brocken für die Gemeinde.
» Derzeit gibt es vieles, was Sie als Bürgermeister zum letzten Mal tun. Wie geht es Ihnen dabei?
Da ist von allem etwas. Wehmut und Dankbarkeit für die gute Zusammenarbeit mit so vielen anderen. Aber auch Erleichterung, denn das Amt ist schon sehr zeit- und energieintensiv. Familie, eigene Interessen und Hobbys geraten dabei an den Rand. Ich habe mich aber nie als Solist gesehen, sondern das Amt immer als Gemeinschaftsprojekt, das auf vielen Schultern ruht. Deshalb empfinde ich auch viel Dankbarkeit. Halt von allem etwas…
»Wie sehen Ihre Pläne aus?
Prinzipiell gehe ich in den Ruhestand! (lacht) Auf mich wartet die Freiheit, selbstbestimmter mit meiner Zeit umzugehen. Was aber nicht bedeuten soll, dass ich arbeits- oder beschäftigungslos sein werde.
» Was möchten Sie Ihrem Nachfolger ans Herz legen?
In Gemeinderat und Verwaltung wird respektvoll und sachorientiert gemeinsam gearbeitet. Es ist mir ein großes Anliegen, dass dies in diesem Stil weitergeführt wird. Gemeindeentwicklung ist ein Gemeinschaftswerk, Deshalb sollte das Amt mit Respekt und Dankbarkeit den anderen gegenüber ausgeübt werden. Neufahrn hat sich sehr gut entwickelt, deshalb sollte auch das Selbstbewusstsein unserer Gemeinde und seiner Ortschaften aufrechterhalten bleiben.
» Was wünschen Sie Neufahrn für die Zukunft
In den Vereinen und im Ehrenamt gibt es hoffentlich auch weiterhin Menschen, die sich engagieren. Ein partnerschaftliches Verhältnis der Gemeindeverwaltung zu den Bürgerinnen und Bürgern halte ich ebenfalls für wichtig. Neufahrn bietet viel Lebenswertes, zusammenfassend kann man sagen: Wenn man es möchte, kann Neufahrn zu einer liebenswerten Heimat werden.
Das Interview mit Bürgermeister Heilmeier führten Heiko Schmidt und Maria Schultz.







