Deutsche Meisterschaft Schützen: Vier Starter aus Massenhausen

Kategorie: Vereine

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Deutsche Meisterschaft Schützen Hannover: Die qualifizierten Schützen Gertraud Thumann, Roland Schmid, Wolfgang Büchl und Hubert Bösl vor ihrem Start bei der DM in Hannover.

Gehören schon jetzt zu Deutschlands Top-Schützen: v.l.n.r. Wolfgang Büchl , Roland Schmid, Gertraud Thumann und Hubert Bösl.

Warum in Hannover bald bayerisch gesprochen wird

Schulterbreit stehen ihre Füße fest auf dem Boden. Jeweils ein Arm ruht ausgestreckt auf einer Auflagenkonstruktion, ihr Blick ist scharf über Kimme und Korn auf die Zielscheibe gerichtet. Konzentriert kontrollieren sie ihren Atem und steuern ihren Puls, bevor sie schießen. Gertraud Thumann, Roland Schmid, Wolfgang Büchl – alles Mitglieder im Schützenverein Eintracht Giggenhausen – und Hubert Bösl von den Isar- Schützen Mintraching haben ihr Ziel fest im Visier. Sie haben sich in der Seniorenklasse qualifiziert und treten bei der Deutschen Meisterschaft (DM) im Kleinkaliber Auflage vom 1. bis 4. Oktober im Landesleistungszentrum (LLZ) in Hannover an.

Für den Schützengau Massenhausen ist die Teilnahme der vier Schützen ein starkes Signal – damit schreibt die Truppe lokale Sportgeschichte. Mit ruhiger Hand gegen massenhafte Konkurrenz Was außerhalb der feurigen Sportart kaum jemand weiß: Wer es im Seniorenbereich zur DM schafft, zählt auf nationaler Ebene zur Schützen-Elite, denn die Leistungsdichte ist extrem hoch. In Deutschland sammeln sich unter dem Dach verschiedener Verbände etwa 14.000 Vereine. Allein Bayern zählt rund 4.400 mit mehr als 100.000 Schützen nur im Bereich ab 51 Jahren. Etwa ein Viertel aller Sportschützen sind Frauen. Das Verhältnis spiegelt auch die kleine, zielgenaue Delegation aus dem Münchner Outback und dem Schützengau Massenhausen wider. „Ungefähr kann man sagen, dass so plus/minus 60 Schützen je Klasse zur DM eingeladen werden. So gut muss man halt schießen. Das bedeutet, dass man unter die besten 60 deutschlandweit gekommen ist“, erklärt Wolfgang Büchl, Jahrgang 1971.

Im Club der gereiften Meister „Mei, erstmal muss man sich schon daran gewöhnen, dass man irgendwann auf der Startkarte einen Senior draufstehen hat“, meint Hubert Bösl, Jahrgang 1970, augenzwinkernd. Der 1. Schützenmeister der Isar- Schützen Mintraching freut sich sehr auf das Event. Gewonnen habe jeder der vier Schützen ohnehin schon, meint er gut gelaunt: „Also, wenn wir es zum Stand in Hannover schaffen, zählen wir zu den besten 60. Selbst wenn wir nichts reißen – schlechter kann ich dann nicht mehr werden.“ Normalerweise dominieren eher Mitglieder von Großvereinen die Deutsche Meisterschaft, die mit deutlich besseren Trainingsbedingungen aufwarten.

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Bombenfest und scharf geladen Ganz ähnlich, frei nach dem olympischen Motto „Dabei sein ist alles“, sieht es auch Gertraud Thumann (Jahrgang 1970): „Allein, dass ich mich qualifiziert habe, ist schon ein Erfolg, darüber bin ich ganz glücklich.“ Thumann schießt bereits seit 42 Jahren um Ringe, allerdings erst seit drei Jahren in der Disziplin Pistole Auflage. Dennoch hat die Frau mit der ruhigen Hand und dem scharfen Auge im Vorfeld nicht mit dem Erfolg gerechnet und musste mit einer echten Geheimwaffe nachrüsten: „Ich habe mir extra für die Meisterschaft g’scheite Schuhe gekauft. Die nehmen sonst die Gewichtheber, das war ein Tipp, die sorgen für einen festen Stand“, verrät Thumann lachend, die nicht einmal eine eigene Waffe besitzt: „Ich schieße mit einer Vereinswaffe.“

Harte Konzentrationsarbeit: Ausruhen vor dem Schuss Der Bayerische Meister, Vizemeister und mehrfache Bezirksund Gaumeister Roland Schmid (Jahrgang 1967) komplettiert das Quartett. Er erklärt den Trugschluss für Außenstehende, es sei einfacher zu schießen, wenn der Arm aufliegt: „Das Ruhighalten ist besonders herausfordernd, das Handgelenk hat noch immer ein paar Bewegungsmöglichkeiten. Wenn man freihändig schießt, gleicht der Körper Bewegung intuitiv aus und es reicht, den Zehner nur anzukratzen. Bei Auflage gibt es Zehntelwertung, das heißt, du musst deutlich genauer zielen.“ Nervosität sei der größte Feind: „Wenn der Puls geht, dann merke ich das auch an der Pistole, da kannst du schnell um ein Zehntel verreißen. Du musst komplett und zentriert ins Schwarze treffen.“

Zwischen Konkurrenz in Uniform und Tücke mit der Technik Schmid betont das hohe Niveau bei Meisterschaften: „Auch wenn das alles Amateursportler sind, gibt es schon viele, die deutlich mehr als wir trainieren. Beispielsweise gibt es dort viele aus den Reihen der Polizei, des Zolls oder der Bundeswehr. Die werden auch freigestellt, um üben zu können. Das ist natürlich heftig, mit ihnen mitzuhalten.“ Vor allem in einer riesigen Anlage mit 100 Ständen und viel Publikum. „Da wird gleichzeitig in verschiedenen Disziplinen geschossen. Dann kommt plötzlich die Ansage: ‚Noch fünf Minuten‘, das reißt dich aus der Konzentration raus“, so Schmid, der auch schon mit Pannen zurechtkommen musste: „Man macht 40 Schuss, freihändig. Nach 32 Schuss sagte mir die Aufsicht, ich müsse den Stand wegen eines defekten Apparats wechseln. Die letzten acht Schuss habe ich an einem anderen gemacht. Grad fertig, war der von der Standaufsicht wieder da, um mich zur Waffenkontrolle zu bringen. Sie prüfen alles, wie das Gewicht der Waffe, sehr genau.“ Bayerischer Charme trifft Fadenkreuz Die vier reisen sicherlich eher als Underdogs zur Deutschen Meisterschaft und müssen sich gegen viele Schützen mit deutlich besseren Bedingungen beweisen. Im besten Fall erlebt der Norden ein kleines weißblaues „Dorf- Wunder“ und die eingeschworene Gemeinschaft mischt die nationale Elite auf. Wir drücken die Daumen!

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Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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