Ein „echter“ Kriminaler und einer, der Krimis schreibt: Kriminalhauptkommissar a.D. Lothar Riemer und der Schriftsteller Peter Hohmann
Mord im Krimi contra echte Ermittlung
Warum der Krimi- und Fantasy-Autor Peter Hohmann sich angetan mit Motorradhelm und Nierenschutz vorstellte, der Kriminalhauptkommissar a.D. Lothar Riemer jedoch mit Sakko und Krawatte, darüber klärten die beiden Herren das Publikum gleich zu Beginn auf. Das hatte nämlich mit ihrer ersten Begegnung zu tun, bei der der „echte“ Kriminaler dem Krimi-Schriftsteller deutlich zu verstehen gab, dass ein Mordermittler nicht mit dem Motorrad angefahren kommt.
Lehrer, bezeichnet sich als „Geschichtenerzähler“. Seine über 30 Bücher sind vor allem Fantasy-Romane und er sagt dazu: „Ich erschaffe Welten, in denen Götter fallen, Maschinen denken und Mörder frei herumlaufen.“ Weniger fantasievoll ist Lothar Riemers Beruf. Nach der Ausbildung bei der Bundespolizei war er u.a. Sicherheitsbeamter an den deutschen Botschaften in Moskau und Kairo und als UN-Polizist für die Vereinten Nationen in Bosnien-Herzegowina. Bei der Kriminalpolizei in München wurde er Kommissar, er war für das Bundesland Berlin in Afghanistan und schließlich Polizeilehrer bei der Bereitschaftspolizei. Zwei völlig unterschiedliche Lebenswege zeigten sich also an diesem Abend dem Publikum in der vollbesetzten Neufahrner Bibliothek.
Peter Hohmann hatte extra für diesen Abend eine Geschichte verfasst, „Heimliche Briefe“, und die Gäste sollten herausfinden, ob eine Mordermittlung ihrer Meinung nach tatsächlich so abläuft wie darin beschrieben wurde. Lothar Riemer klärte anschließend auf, warum dieses oder jenes Verhalten ein No-Go ist. Natürlich hatte Peter Hohmann absichtlich Fehler in seine Erzählung eingebaut. Das Publikum beteiligte sich eifrig am Aufdecken des falschen Verhaltens, wobei zuweilen die vorgeschlagene Lösung auch nicht unbedingt der Realität entsprach. Großes Interesse fanden die Erklärungen, wie eine wirkliche Mordermittlung in der Regel abläuft, wie früher Täter gesucht und gefunden wurden (Fingerabdruck) und wie mit dem DNA-Abgleich ein Quantensprung bei den Ermittlungsmöglichkeiten stattfand. Auch die „Golden Hour“ kam zur Sprache, die bedeutungsvolle erste Stunde, die den Wettlauf gegen die Zeit bei der Suche nach einem Mörder/einer Mörderin darstellt.
„Wir haben kein Konzept“ verriet einer der beiden Protagonisten zu Beginn. Eine charmante Idee! Aber etwas mehr Struktur hätte diesem Abend sicher gutgetan. So waren zum Teil die Lesezeiten zu lange, so dass man nach einer Weile nicht mehr wusste, welches Detail man eigentlich ansprechen wollte. Beim Rausgehen war auch zu hören, dass manche gerne mehr über die Erlebnisse des echten Polizisten gehört hätte. Und vielleicht wartete der eine oder andere auch auf den Verwendungszweck der Leinwand, auf der nur vor Beginn der Veranstaltung einige Bilder zu sehen waren. Die Kriminalgeschichte von Peter Hohmann war leider etwas zu lang geraten und er schaffte es nicht, sie bis zum Ende vorzulesen. So blieb es dem Publikum verwehrt, den Namen des Mörders oder der Mörderin zu erfahren und es half kaum, dass Peter Hohmann meinte, „das finden Sie sicher selber raus.“ Wem nicht klar war, wer den Herrn in der Baugrube umgebracht hatte, dem blieb nur, die Geschichte auf der Homepage des Verfassers nachzulesen. Auch wer sich für die Erlebnisse des Kriminalhauptkommissars Lothar Riemer interessiert, wird im Internet fündig, dort gibt es einen Podcast, in dem er über seine Einsätze und andere Aspekte der Polizeiarbeit berichtet.
Es wurde viel gelacht an diesem Abend und man erfuhr das eine oder andere interessante Detail. Dem Publikum hat’s offensichtlich gefallen und auch die beiden Herren waren der Meinung, sie hätten viel Spaß gehabt. Was will man mehr!
Für Sie berichtete Maria Schultz.








