A scheene Leich, a Kuchlmensch und der Anni sei Mo!

Kategorie: Kultur & Bildung

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Bairisch – Dialekt oder Sprache? Ein heiterer Abend mit Hans Kratzer.

Hans Kratzer und das Besondere am bairischen Dialekt

Gweichte und Gwoide sollte man als erste begrüßen, danach kommen dann die Gwappelten. Das mag schon in den Ohren mancher in Bayern geborener fremd klingen, um wieviel unverständlicher ist es wohl dann für jene, die des Bairischen nicht mächtig sind. Hans Kratzer, der am 24. März vom Heimat- und Geschichtsverein für einen Abend rund um den bairischen Dialekt eingeladen war, klärte das Publikum jedoch umgehend auf. Gweichte sind Geweihte, in der Regel der Pfarrer, Gwoide, das sind die gewählten Gemeindevertreter, allen voran der Bürgermeister. Und die Gwappelten? Da gibt es verschiedene Deutungen, u.a. sind damit die gut Betuchten gemeint.

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Das Nebenzimmer im Gasthof Maisberger war, wie immer bei den Veranstaltungen des Neufahrner Heimatvereins, gesteckt voll. Das Thema des Abends hieß „Der Dialekt als Umgangssprache“. Hans Kratzer, Autor zahlreicher Bücher über Dialekt und bayrisches Brauchtum und ausgezeichnet mit dem Bayerischen Verdienstorden für seine Verdienste um Kultur und Sprache, hatte sich für diese zwei Stunden viel vorgenommen.

Bayern – das sind die Menschen und das ist das Land. Gesprochen wird hier jedoch bairisch. Anhand einer Fülle von Beispielen berichtete Hans Kratzer über die Besonderheiten des Bairischen und dessen ganz spezielle Grammatik, beides lässt sich nicht immer logisch erklären. Warum z.B. sagt man „oans, zwoa, drei“, wo es beim Weiterzählen folgerichtig doch „droa“ heißen müsste? Warum hört man „da Anni sei Mo“ und nicht „ihr Mo“? Oder wieso die doppelte Verneinung: „I hob koa Geld net“? Warum heißt es in Bayern „der Radio“ und nicht „das Radio“? Oft ordnet allein der Artikel dem Substantiv eine bestimmte Bedeutung zu. So ist z.B. „der Mensch“ eine nicht näher definierte Person. „Das Mensch“ jedoch bezieht sich auf eine Frau oder ein Mädchen, oft auch auf weibliche Dienstboten („das Kuchl-Mensch“), wobei es, im entsprechenden Zusammenhang verwendet, auch zu einer eindeutig negativen Benennung werden kann.

Viele Begriffe sind doppeldeutig. Eines von Kratzers Beispielen war „a Leich“. Das kann ein Dahingeschiedener sein. Erzählt einer aber, dass es „a scheene Leich‘“ war, so hat das nichts mit dem Aussehen des Toten zu tun, sondern ist vielmehr die Beschreibung von Beerdigung und Leichenschmaus. Bairische Schimpfwörter sind beileibe nicht immer eine Beleidigung, sondern können höchstes Lob und Anerkennung zum Ausdruck bringen: „So a Hund, so a vareckta!“

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„Manche Wörter sind Denkmäler und deshalb schützenswert, doch manchmal verschwinden sie plötzlich“ sagt Hans Kratzer, „sind sie weg, darf, ja, soll man sie gelegentlich wiederbeleben.“ An diesem Abend durfte sich das Publikum über viele dieser kleinen Denkmäler freuen. Die Gäste beteiligten sich eifrig am Interpretieren und steuerten vielfach eigenes Wissen bei. Dass das Ganze eine ausgesprochen heitere Angelegenheit war, bei der viel und herzhaft gelacht wurde, versteht sich dabei von selbst.

Musikalisch umrahmt wurde der Abend von Manuela und Johannes Dill und Jakob Kiening. Die drei trugen mit Akkordeon, Uropas Flügelhorn und Trompete bestens zur guten Stimmung bei.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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