Zeitzeugen-Abend des Heimat- und Geschichtsvereins

Kategorie: Kultur & Bildung

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1961 Weihe der Auferstehungskirche in Neufahrn, re: Friedrich Schubring-Giese sen. (Foto: NE)

Im Gespräch mit Friedrich Schubring-Giese jun.

Beim Zeitzeugen-Abend des Heimatvereins am 19. Mai stand dieses Mal eine Persönlichkeit im Mittelpunkt, die vielleicht nicht allzu vielen Neufahrner Bürgerinnen und Bürgern bekannt sein mag, die aber dennoch insbesondere in den ersten Jahren nach dem Krieg Zeichen im Ortsgeschehen setzte: Friedrich Schubring-Giese sen.

Als Gesprächspartner hatte sich sein Sohn Friedrich jun. zur Verfügung gestellt. „Eigentlich heißen wir Giese“ erklärte er gleich zu Beginn. Der Doppelname ist das Resultat der Adoption eines Vorfahren durch eine Tante, beide Namen wurden zu einem zusammengefügt, der in der Familie in dieser Form an die nächsten Generationen weitergegeben wird.

Die Familie Schubring-Giese stammt aus Hinterpommern, Friedrich sen. war Soldat und hatte es bis in den Rang eines Majors geschafft. „Der Major“ – dieser Titel blieb ihm, als er längst schon wieder im zivilen Leben angekommen war.

Nach dem Kriegsende und einigen Umwegen verschlug es ihn nach Neufahrn und einige Zeit später war die Familie wieder vereint. In einem Haus in der Nähe der Alten Halle kamen sie unter und hielten sich mit Gemüseanbau, Hühnerhaltung und einem Schwein namens Max über Wasser. Die Anfangszeit war schwierig, doch man fand bald Freunde. Friedrich sen. war geschickt und immer auf der Suche nach Lösungen, es wird erzählt, dass er aus dem Aluminium eines Flugzeugwracks elektrische Kocher gebaut und diese dann verkauft hatte.

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Schon bald engagierte er sich in der örtlichen Politik. Selbst ein Flüchtling, nahm er die Sorgen der Geflüchteten ernst und sorgte als deren Obmann u.a. für die Schaffung von Möglichkeiten, dass sich die Flüchtlingsfamilien durch den Anbau von eigenem Gemüse selbst ernähren konnten. 1947 war er beratend im ersten Gemeinderat, damals noch ohne Stimmrecht, doch bereits 1948 war er ordentliches Gemeinderats-Mitglied. Als ehemaliger Berufsoffizier war er zielorientiert, er setzte Akzente und brachte von außen Impulse in das damals sehr bäuerlich geprägte Gremium ein.

Er wurde Mitglied des Kreistags und unterstützte Käthe Winkelmann, sowohl 1956 beim Einzug in den Gemeinderat als auch 1964 im Wahlkampf um das Amt der Bürgermeisterin.

Auch in der evangelischen Kirchengemeinde zeigte er sich als Triebfeder. Durch seine Freundschaft mit dem katholischen Neufahrner Pfarrer Jungmann ergab sich die Möglichkeit, dass der evangelische Sonntagsgottesdienst in der katholischen Kirche gefeiert werden konnte. Als Mitglied des Kirchenrats setzte er sich für den Neubau der Auferstehungskirche ein, die 1961 fertiggestellt und eingeweiht wurde, und natürlich war er stolz darauf, dass sein Sohn der erste Konfirmand in der neuen Kirche war.

Am Moosmühlenweg erwarb er ein großes Grundstück, das auch heute noch im Besitz der Familie ist. Sein Engagement sorgte für die Verbesserung von Wasserversorgung und Kanalisation in dem Neubaugebiet und mit viel Eigenleistung baute er ein Haus für seine Familie.

Bedingt durch den zunehmenden Erfolg im Beruf verlor sich im Lauf der Jahre allerdings seine politische Spur. Friedrich Schubring-Giese sen. verstarb 1996 im Alter von 87 Jahren.

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Sein Sohn Friedrich jun. wuchs in Neufahrn auf und lebte später mit Ehefrau Viktoria und den drei Kindern erst im Neufahrner Süden und dann ebenfalls am Moosmühlenweg. 1987 stand aufgrund seiner erfolgreichen Berufskarriere der erste Umzug an, dem noch verschiedene weitere folgten. Doch auch „der Fritz“ hat Spuren in Neufahrn hinterlassen. So organisierte er u.a. in der Alten Halle „legendäre Volleyballspiele“, er baute eine Handballmannschaft auf und warb als Student Anzeigen für den „MONAT“.

Seit 14 Jahren genießt er den Ruhestand in Grünwald und im Zweitwohnsitz auf Rügen. Die Wurzeln der Familie sind in Neufahrn jedoch nicht ganz gekappt. Es gibt noch persönliche Verbindungen, „auch meine Zahnärztin ist in Neufahrn“ und nicht zuletzt ist eine große Grabstelle auf dem Neufahrner Friedhof die letzte Ruhestätte seiner Eltern und Großeltern.

Als Dankeschön gab es am Schluss nicht nur viel Beifall, sondern auch eine Tasche voller Neufahrner Spezialitäten, darunter Kartoffeln, Bier, Marmelade, und Pralinen – alles „made in Neufahrn“, dazu die Broschüre „Zu Unrecht vergessen“ über Persönlichkeiten der Zeitgeschichte in Neufahrn.

Zahlreiche ehemalige Nachbarn, Freunde und Weggefährten der Schubrings waren an diesem Abend in den Gasthof Maisberger gekommen. Es gab herzliche Wiedersehens-Szenen und nach dem offiziellen Teil war ausgiebig Gelegenheit zum gemütlichen Austausch.

Als Dankeschön gab es Neufahrner Schmankerl.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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