Sie wollen 1. Bürgermeister werden: Wolfram Braun (FW), Ozan Iyibas (CSU), Maximilian Heumann (SPD), Marc Bosch (BAB), Christian Meidinger (Grüne) und per Video Felix Bergauer (ÖDP).
Sechs Kandidaten stehen Rede und Antwort
Am 5. Februar standen die sechs Neufahrner Bürgermeisterkandidaten auf dem Prüfstand. Das Interesse war groß und mehr als 500 Gäste füllten die Aula des Gymnasiums – zumindest zu Beginn.
Der Abend forderte von allen Beteiligten Ausdauer und Standvermögen, sowohl vom Publikum als auch von den Kandidaten, die diese drei Stunden durchstehen mussten – in jeder Beziehung.
Auf der Bühne waren anwesend: Marc Bosch (BaB), Wolfram Braun (FW), Maximilian Heumann (SPD), Ozan Iyibas (CSU) und Christian Meidinger (Grüne). Felix Bergauer (ÖDP) nahm per Video teil. Bastian Amann (Tagblatt) moderierte die Veranstaltung.
Die Fragen gingen jeweils an alle Kandidaten. „Thema Rathaus, Bürgerfreundlichkeit, Service… Was würden Sie dafür tun?“ war die erste Frage. Christian Meidinger möchte das Personal zu freundlichem und hilfsbereitem Umgang motivieren. Wolfram Braun dagegen würde für ein höheres Tempo bei Entscheidungen sorgen. Die Erarbeitung eines Leitbilds sieht Felix Bergauer als hilfreich. Stärkere Öffentlichkeitsarbeit und eine Bürgersprechstunde schlägt Maximilian Heumann vor. Marc Bosch würde die Öffnungszeiten erweitern und vor allem „selber ein noch besseres Vorbild“ sein, und Ozan Iyibas hält menschlichen Umgang, jedoch mit Struktur, für angebracht.
Einig war man sich, dass die finanzielle Lage verbessert werden muss, wobei die Ausgangslage unterschiedlich gesehen wurde. Wer derzeit im Gemeinderat ist, schätzte in der Regel die Situation realistisch, d.h. als nicht so schlecht ein, zumindest im Vergleich mit den vergangenen Jahren, wohingegen andere offensichtlich die Zahlen nicht so genau verglichen hatten. Die Vorschläge waren: Sparen, unnötige Ausgaben wie z.B. Architektenwettbewerbe vermeiden (Braun), gemischte Gewerbebetriebe ansiedeln (Bergauer, Bosch), Marc Bosch weiß zudem, dass sich ständig neue Firmen in Neufahrn ansiedeln wollen. Denen würde er möglichst schnell, am besten gleich innerhalb einer Woche, zusagen. Wirtschaft fördern (Meidinger, Iyibas), wobei letzterer auch die im Ort vorhandenen Betriebe stärken und ein Gewerbeflächenmanagement einführen möchte.
Einwände äußerten seine Mitkandidaten allerdings gegen seinen Plan, Neufahrn zur Stadt zu erheben, um u.a. eine bessere Außenwirkung zu erzielen: Es kann nicht am Titel liegen, sondern an der Qualität (Meidinger), der Nutzen überwiegt nicht die Kosten (Bergauer), zum jetzigen Zeitpunkt ein ungeeignetes Thema (Heumann), bringt uns nichts, brauchen wir nicht (Bosch).
Kinderbetreuung – ein heißes Thema, zu dem es verschiedene Ideen gibt. Hier zeigte sich, dass sich der eine oder andere Kandidat vielleicht nicht so ganz darüber im Klaren ist, wo die Zuständigkeiten liegen. Vorgeschlagen wird: Eine Personalgewinnungsoffensive starten (Heumann), an der Stellschraube vom Gehalt drehen, die Träger in die Pflicht nehmen (Bosch), Konzeptmanagement (Iyibas). Christian Meidinger denkt an einen Wald- oder Bauernhofkindergarten, sagt allerdings nicht, wo er das Personal dafür finden will. Wolfram Braun möchte die Nachbarschaftshilfe mehr einbinden und Felix Bergauer rät, die beruflichen Einstiegshürden zu senken.
Was könnte „Ihr“ Projekt sein? Dies wäre die Chance gewesen, über Visionen zu sprechen, doch dies wurde leider nur in Ansätzen genutzt. Marc Bosch möchte, dass im Ort für jede Altersgruppe etwas vorhanden ist. Den Zusammenhalt der Gesellschaft fördern, in der auch die Jugend eine Stimme hat, stellt sich Ozan Iyibas vor. Günstiges Wohnen und ein Gewerbegebiet ähnlich wie der Green Campus wäre der Plan von Christian Meidinger. Bürgernähe und einen liebenswerten Ortskern sieht Felix Bergauer als sein Projekt, Wolfram Braun denkt dabei an Neufahrn-Ost und Maximilian Heumann würde eine Kommune schaffen, die alle mitnimmt und in der sich alle wohlfühlen.
Nach der Pause war das Publikum am Zug. Der Ansturm an Fragen blieb allerdings aus, es waren insgesamt keine zehn. Da der Moderator leider zuließ, dass jeweils alle sechs Kandidaten befragt wurden, dauerte dieser Programmpunkt sehr lang, obwohl man sich dabei oft lediglich in gegenseitiger Zustimmung übte.
Bei den Publikumsfragen ging es u.a. um die Verkehrssituation, um Neufahrn-Ost, um die Würdigung des Ehrenamts und um die Sicherstellung der Unterstützung der Nachbarschaftshilfe und was ist für Senioren angedacht, wie sieht es mit einem neuen Veranstaltungsort aus.
Hier hörte man teilweise Versprechungen und Zusagen, die der nächste Bürgermeister schwerlich einhalten kann, zum einen mangels Geld, zum anderen mangels amtlicher Kompetenz.
Manche Vorschläge auf die „Senioren-Frage“ dürften die derzeitigen Ruheständler wohl nicht mehr erleben: z.B. altersgerechtes Wohnen (Meidinger), ein zweites Heim (Braun). Fragezeichen warf der Vorschlag von Marc Bosch auf, er möchte nämlich „Etablissements“ einrichten. Dass es seit einigen Jahren ein „Seniorenbüro“ der Gemeinde mit verschiedenen Angeboten gibt, ist offensichtlich keinem der Kandidaten bekannt.
Einig war man sich auf dem Podium darüber, dass der Bau eines neuen Veranstaltungsorts in absehbarer Zeit aus finanziellen Gründen nicht möglich sein wird, Laut Maximilian Heumann ist das Thema jedoch „nicht beerdigt“. Marc Bosch schlug vor, mit „kleinem“ Geld auf dem freien Platz am Keltenweg eine kleine Multifunktionshalle zu errichten.
Auch der Hausherr meldete sich zu Wort. Schulleiter Dr. Bäumel beklagte die katastrophale Verkehrssituation am Keltenweg. Felix Bergauer empfahl, nur noch Lehrkräften die Fahrt bis zu den Parkplätzen an der Schule zu erlauben und Marc Bosch riet zum Einsatz von Schulweghelfern, die die Autos bereits am Volksfestparkplatz anhalten sollten.
Wie fand das Publikum diese Veranstaltung? Ein deutliches Meinungsbild zeigte sich, als nach der Pause ganze Stuhlreihen leer blieben. Nach Aussagen von Teilnehmern waren die Fragen des Moderators und demzufolge auch die Antworten der Kandidaten oft zu „weichgespült“. Außerdem fiel auf, dass es den Antworten mancher Kandidaten öfter mal an Hintergrundinformation mangelte.
Per Voting sollte am Schluss ermittelt werden, wer am meisten überzeugte. Es zeigte sich zwar, dass das Publikum sachliche Argumente und Bodenhaftung bei den Kandidaten mehr schätzte als deren Unterhaltungswert. Aber da die Internetverbindung nur eingeschränkt funktionierte und deshalb relativ wenige Stimmen abgegeben wurden, bleibt letztendlich allen nur übrig, sich auf die eigene Meinung zu verlassen.
Großes Interesse herrschte bei den Bürgerinnen und Bürgern bei der Podiumsdiskussion.
Letzte Frage an die Kandidaten:
»Ich bin die beste Wahl für Neufahrn, weil…
…ich möchte, dass Neufahrn ein Ort bleibt, an dem man gerne lebt.« Bergauer
…weil Neufahrn einen tollen Bürgermeister verdient hat.« Bosch
…ich als Quereinsteiger Dinge verändern kann.« Braun
…ich kommunalpolitische Erfahrung mitbringe und jung genug bin, um große Dinge umsetzen zu können. « Heumann
…ich Erfahrung mitbringe und das Herz am richtigen Fleck habe.« Iyibas
…ich alles, was in meiner Kraft steht, für Sie einsetzen möchte.« Meidinger
Für Sie berichtete Maria Schultz.









