Der Raub des September-Maibaums

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Triumph: Massenhausener und Allershausener Burschen klauen gemeinsam den „September-Maibaum“ von Leonhardsbuch

Massenhausener und Allerhausener Burschen erfolgreich – Protokoll einer logistischen Meisterleistung

Die unangenehme Kühle und Feuchte der beginnenden Nacht können den 50 Einsatzkräften der Burschenschaften Massenhausen und Allershausen nichts anhaben. Unbeirrt lauern die wild Entschlossenen im Schutz der Dunkelheit und fixieren das Ziel ihrer Operation „Maibaum“ in Leonhardsbuch, einem kleinen und idyllischen Gemeindeteil von Allershausen. Dort im hellen Licht legen Männer und Frauen der Maibaum- und Dorfgemeinschaft am Objekt der Begierde, ihrem rund 30 Meter langen Prachtexemplar, gemütlich letzte Hand an. In wenigen Tagen wollen sie den Stamm nach mehr als 1,5 Jahre Corona-Auszeit als „September-Maibaum“ aufstellen. „Wir haben damit einfach nicht gerechnet, dass das jetzt im Herbst jemand mitbekommt“, gibt Thomas Sedlmair von der Maibaum-und Dorfgemeinschaft ein wenig zerknirscht zu.

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Die Vorbereitung

Es ist „Super-Späher“ Simon Heiger, der das Vorhaben im Dorf der Ahnungslosen und allzu Vertrauensseligen nur wenige Tage zuvor entdeckt und umgehend die eigenen Reihen informiert: „Wir haben schnell festgestellt, dass wir einen Maibaum-Klau alleine nicht stemmen können“, erklärt Maximilian Klotz, Kassier und Festvorstand des Burschenvereins Massenhausen. Mitverschwörer Lukas Schuhbauer, erster Vorstand der Burschenschaft Allershausen, nickt grinsend: „Andreas Kammerloher hat Bescheid bekommen, dass die Massenhausner etwas machen wollen und Hilfe brauchen: „Passt, da machen wir mit“, haben wir gedacht und waren am Start.“ Stützpunkt des Unternehmens ist ein Gelände in Ast bei Kranzberg. „Hier haben wir unseren Plan ausgetüftelt“, berichtet Klotz von der, mit nahezu militärischer Präzision, geplanten Vorgehensweise. „Wir besorgten benötigtes Equipment und haben das unbekannte Gelände gescoutet.“ Dabei entdecken die tatkräftigen Spione einen Unimog, der den schnellen Zugriff und Abtransport erschwert. „Beim Andreas ist ein Unimog und da haben wir ausprobiert, wie man die Bremse mit Druckluft öffnen kann“, so Schuhbauer, der in seiner Burschenlaufbahn jetzt auf zwei erfolgreiche Maibaumklau-Einsätze zurückblicken kann. Nur wenige Stunden vor Aufbruch scheint das Unterfangen kurzfristig doch zu scheitern: „Sie hatten die Schilder drangeschraubt und da dachten wir: „Das wird nichts“, es ist Ehrensache nichts kaputt zu machen“, erzählt Maximilian Klotz und lächelt schelmisch. „Wenn sie sie dran gelassen hätten, hätten wir die Aktion wahrscheinlich abgebrochen. Aber die haben bloß getestet, wo die Schilder hinkommen sollen und dann sind sie gegangen.“

„Auf der Brücke um 4.45 Uhr haben wir dann gesagt: „OK passt, mia san safe!“

Lukas Schuhbauer, Erster Vorstand Burschenschaft Allershausen

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Die Aktion

So gibt um 2 Uhr Schuhbauer, der wegen seiner Erfahrung die Koordination übernimmt, „Team Unimog“ den Auftrag, vorzurücken. Was aber beim Übungs-Gefährt noch unkompliziert und schnell funktioniert, entpuppt sich für die Technik-Crew als unlösbare Aufgabe. „Es war ein anderes Modell. Nach etwa 90 Minuten haben wir alle Leute geholt, um ihn 4 Meter auf die Seite zu schieben“, erklärt „Kommandant“ Schuhbauer. Es ist 3.30 Uhr, als die Massenhausener und Allershausener vereint die Ärmel hochkrempeln und den tonnenschweren Stamm mit bloßem Muskelschmalz „lupfen“. Frei nach der Devise: „Wer laut schnauft oder ächzt, verliert“, schleppen die Burschen ihre Beute mucksmäuschenstill vom schlafenden und arglosen Leonhardsbuch, eine Stunde bist zu einem Feldweg, wo ein Bulldog wartet: „Auf der Brücke um 4.45 Uhr haben wir dann gesagt: „OK passt, mia san safe!“ Dann haben wir die Aktion mit einem Bier begossen, als die Zeitungsausträgerin von Leonhardsbuch vorbei kam und uns gratulierte“, erinnert sich Lukas Schuhbauer triumphierend. Die Frühaufsteherin alarmiert um 5.37 Uhr per Messenger-Dienst die „Opfer“: „Dann war erst einmal Durcheinander, das Herz rutschte in die Hose“, bekennt Marion Spicker, erster Vorstand der Maibaum- und Dorfgemeinschaft Leonhardsbuch. „Klar ist die Ehre ein wenig gekränkt, aber es ist endlich wieder etwas los, das bringt einfach Spaß und die Leute zusammen. Ich muss jedoch sagen: Während einer Frauenwache wäre das nicht passiert.“ Die wehren Angreifer schon mal mit Gabel ab, wenn es sein müsse, meint Spicker: „Wenn die Männer beim Schafkopfen hocken, gehen die nicht raus. Trotzdem muss ich ehrlich sein, gestern war einfach keiner da. „Maibaum ist es ja nicht, es ist ein Septemberbaum“, ich dachte nicht, dass so etwas passiert.“

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Die großmütigen Opfer: Maibaum- und Ortsgemeinschaft Leonhardsbuch

Die Verhandlung

Entsprechend bereitwillig geht die „Geschädigte“ in die Gespräche, die in einem Messenger-Dienst unter den Massenhausenern und Allerhausenern bayrisch unmissverständlich formuliert sind: „Um 6e kemmans zum baam zum verhandeln, die Forderung: Festl extra für uns mit insgesamt 60 Personen von uns, 400L Bier, 50kg Spoorsau.“ Dafür erklären sich die „Sieger“ für den Rücktransport des „Diebesguts“ in einwandfreien Zustand bereit, ebenfalls sachlich bayrisch verfasst: „Mia wern beim zruck bringa vo da Blas Musik eingespielt. Zruck bringa derman Heind ad nocht.“ Mit einem gut gekühlten Bierchen in der Hand laufen die Beratungen entsprechend gelöst, bis feststeht: 200 Liter flüssiges Lebensmittel und als Extra-Schmankerl das Spanferkel. „Den Maibaumklau feiern wir dann mit allen Beteiligten, auch den Opfern, gemeinsam“, freut sich Maximilian Klotz.

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Die Erfolgsspitze (v.l.n.r.) Lukas Schuhbauer, „Koordinator“ und Erster Vorstand Burschenschaft Allershausen, Technik-Spezialist Andreas Kammerloher, Top-Spion Simon Heiger und Organisator Maximilian Klotz, Kassier und Festvorstand des Burschenvereins Massenhausen

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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