Die Wedekinds – eine Liebe zwischen Himmel und Hölle

Kategorie: Veranstaltungen

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„Das wilde Leben der Wedekinds“ – ein Abend mit Julia von Miller und Anatol Regnier

Julia von Miller und Anatol Regnier lesen aus Briefen und Tagebüchern

Sie konnten nicht miteinander, aber ohne einander ging es auch nicht. Einen Abend lang ließen Julia von Miller und Anatol Regnier das Publikum in der voll besetzten Neufahrner Bibliothek an den Höhen und Tiefen der Liebesbeziehung zwischen Tilly und Frank Wedekind teilhaben. Es war nicht nur eine Lesung mit Musik, dieser Abend war auch geprägt von der persönlichen Erfahrung Anatol Regniers, denn die „wilden“ Wedekinds waren seine Großeltern. In Liedern, Gedichten, Auszügen aus Briefen, Dialogen und Erinnerungen von Zeitgenossen ließen Julia von Miller und Anatol Regnier diese beiden Menschen lebendig werden, die sich liebten – zumindest am Anfang – und sich gegenseitig das Leben zur Hölle machten,

Nach der ersten Begegnung der beiden wird der 19jährigen Tilly Newes der Kommentar des 22 Jahre älteren Frank Wedekind zugetragen: „Ich bin entzückt!“ Sie verliebt sich in ihn und schon bald folgt sie ihm nach Berlin, wo eine Beziehung beginnt, die für beide Himmel und Hölle bedeuten sollte. Der erste Selbstmordversuch Tillys – der Sprung in die Spree – veranlasst ihn, sie zu heiraten. 1906 wird Tochter Pamela geboren, 1909 zieht das Paar nach München, wo die zweite Tochter Kadidja zur Welt kommt.

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Tillys schauspielerische Karriere beschränkt sich darauf, dass sie im Laufe ihrer Ehe nur noch Rollen in Frank Wedekinds Stücken übernimmt. Die Beziehung ist geprägt von Auseinandersetzungen und Drohungen, durch ihre unterschiedliche Sicht auf Sexualität und Erotik und die krankhafte Eifersucht von Frank Wedekind, durch gegenseitige Demütigungen und Verletzungen. Doch dann finden sich in den Briefen überraschend immer wieder kleine Hinweise auf Versöhnung, Zärtlichkeit und Zuneigung.
Einem weiteren Selbstmordversuch Tillys, dieses Mal mit Tabletten, folgt 1917 ein längerer Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt.1919 ist sie endgültig entschlossen, sich scheiden zu lassen, doch durch den Tod Frank Wedekinds im März 1919 wird ihr diese Entscheidung abgenommen.

Mit viel Charme und Können ließen Julia von Miller und Anatol Regnier das Publikum an Beziehung und Ehe der Wedekinds Anteil nehmen. Es wurde zwar viel gelacht an diesem Abend, doch es war ein bittersüßes „Vergnügen“, zu hören, wie zwei Menschen sich gegenseitig zerstören.

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Bereits zum dritten Mal waren die beiden Künstler zu Gast in der Neufahrner Bücherei. Sie sind Profis, dennoch spürt man, dass sie mit viel Engagement und Herz bei der Sache sind. Das Publikum war begeistert und durfte sich über eine Zugabe freuen. Wie sehr man sie in Neufahrn inzwischen ins Herz geschlossen hat, zeigt die Reaktion mancher Gäste, die sich vor dem Hinausgehen nochmal ganz persönlich an sie wandten, um sich zu bedanken: „Es war ein so schöner Abend!“

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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