Enorme Anstrengungen der Sozialstation ihrem Anliegen treu zu bleiben

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Helmut Hinterberger (stehend) will keinesfalls an den Leistungen für die Menschen sparen (Archivbild)

Tapfer durchhalten

Fragen wie „Geht es Ihnen gut?“oder „Was kann ich noch für sie tun?“ scheinen simpel, oft schnell dahingesagte Floskeln von Dienstleistern, die eigentlich keine Zeit für Antworten haben, die über ein einfaches „Ja“ und „Nein“ hinausgehen. Viele Pflegedienste arbeiten streng durchgetaktet, können nur das „Übliche“ leisten, was nach einen starren Katalog bei den Pflegekassen abrechenbar ist. Der betreute Mensch bleibt im besten Fall gewaschen und medizinisch versorgt zurück, wie es in ihm aussieht, ist nicht von Belang, darf es nicht sein, weil es das Zeitbudget nicht vorgibt. Auch für das Pflegepersonal wirken sich diese Arbeitsbedingungen belastend aus. Genau hier will Neufahrns Sozialstation ansetzen, hinhören und sich den Menschen intensiver widmen: „Jede Handlung hat einen rechnerischen Wert. Das ist natürlich für Leute, überwiegend Senioren, der „worst case“, wenn sie nur eine Grundversorgung und nichts anderes mehr haben“, stellt Beate Frommhold-Buhl, Sozialreferentin und Ausschussmitglied der Sozialstation, fest. Daher ist für die Sozialstation von Anfang an maßgebend, sich um die Betreuten nicht nur pflegerisch, sondern vor allem auch psychisch zu kümmern. „Es geht darum, aufmerksam zu sein, den Zustand der Leute mitzubekommen, also alles, was normal sein sollte“, so Frommhold-Buhl.

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Jeden Cent sparen, aber nicht auf Kosten der Menschen

Um dieses „Plus“ zu ermöglichen, helfen seit Jahren private Spenden: „Es ist immer wieder aufs Neue großartig, wie großzügig die Neufahrner sind und spenden“, betont Frommhold-Buhl. Doch durch die Coronakrise entsteht eine erhebliche finanzielle Lücke, da traditionelle Spendenaktionen nicht stattfinden können: „Wie das Adventsstandl“, erklärt Frommhold-Buhl das Dilemma. „Jedes Jahr nimmt es viel Geld für die Sozialstation ein, im fünfstelligen Bereich. Stammkunden wissen das schon und gehen jeden Abend hin, trinken ihren Glühwein, essen eine Bratwurstsemmel in dem freudigen Wissen, die Sozialstation zu unterstützen.“ Insgesamt sei das Geld „ohnehin deutlich” knapper. In der Pandemie bleiben viele Patienten zuhause, aus Angst mit anderen in Kontakt zu kommen, andere, weil Angehörige im Homeoffice arbeiten und die Pflege selbst übernehmen. „Das ist ja auch richtig so“, bekräftigt Helmut Hinterberger, Vorsitzender der Sozialstation: „Aber es trifft uns wirklich hart. Ausgleichszahlungen haben uns in einem gewissen Umfang über Wasser gehalten, trotzdem muss man anmerken, dass Spenden, gerade vom Adventsstandl oder auch andere, fehlen.“ Die Folgen für die Sozialstation sind einschneidend, verdeutlicht Hinterberger: „Wir haben eingespart. Dabei wollten wir auf alle Fälle vermeiden, Leistungen am Patienten wegzulassen und das ist uns gelungen.“ Statt eines Geschäftsführers in der Verwaltung übernimmt, der Vorstand des Vereins die Arbeit ehrenamtlich. „Außerdem sind angedachte Investitionen verschoben, wie die Umstellung unseres Fuhrparks auf Elektroautos oder eine Photovoltaikanlage auf dem Dach“, zählt Hinterberger die Maßnahmen auf.

„Aber es trifft uns wirklich hart. Ausgleichszahlungen haben uns in einem gewissen Umfang über Wasser gehalten, trotzdem muss man anmerken, dass Spenden, gerade vom Adventsstandl oder auch anderes, fehlen.“

Helmut Hinterberger, Vorsitzender Sozialstation Neufahrn

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Trotz aller Hürden weitermachen

Neben der schwierigen finanziellen Lage, sei der „organisatorische Mehraufwand immens“, meint Hinterberger. „Wir müssen unseren Mitarbeitern passende Arbeitsbedingungen bieten. Bei uns gibt es sehr viele alleinerziehende Mütter oder Frauen mit schulpflichtigen Kindern. Die sind einfach auf bestimmte Arbeitszeiten angewiesen.“ Durch Corona sei das deutlich verschärft: „Als die Kinder im Lockdown zuhause waren und es keine Betreuungsmöglichkeiten gab, war es sehr herausfordernd, zufriedenstellende Dienstpläne aufzustellen.“ Frommhold-Buhl fügt hinzu: „Sehr belastend ist bis jetzt, wenn die Kinder in der Schule einen positiven Fall haben, ein Kunde oder auch nur ein Anverwandter positiv ist, dann müssen alle in Quarantäne.“ Die Pandemie ziehe einen riesigen Rattenschwanz hinter sich her, bedauert Frommhold-Buhl: „Wir können im Senioren-Tagestreff (SenTa) nur weniger Menschen aufnehmen, das ist schade, denn die Leute und ihre Angehörigen sind daran gewöhnt.“ Es sei für Angehörige wichtig, „durchatmen“ zu können und für die Gäste der SenTa eine Ablenkung vom Alltag. Um den Betrieb in seiner jetzigen Form aufrechterhalten zu können, helfen die von Spendengeldern angeschaffte Luftfilter und strikte Hygienemaßnahmen. „Auf so eine lange Strecke wird es einfach verdammt anstrengend”, resümiert Frommhold-Buhl, daher sei der Einsatz der Mitarbeiter umso bemerkenswerter: „Die Mitarbeiter halten durch, reißen sich alle Beine aus und geben ihr Bestes. Das ist schon sehr tapfer“, lobet die Sozialreferentin. „Deshalb ist es so schade, dass wir mit den Mitarbeitern nicht einmal eine Weihnachtsfeier machen können.“ Bei allem Frust und den täglichen Sonderherausforderungen bleibt Helmut Hinterberger optimistisch: „Wenn es so weitergeht und der finanzielle Rettungsschirm funktioniert, werden wir den Anspruch unserer Leistungen und den Zusatzaufwand, weiterhin stemmen können, auch wenn das enormen Mehraufwand bedeutet.“

Wer die Sozialstation unterstützen möchte:
Spendenkonto
Sozialstation Neufahrn
VR-Bank Ismaning Hallbergmoos Neufahrn
DE 17 7009 3400 0006 4225 00
GENODEF 1ISV

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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