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„Schee langsam fang ma o…“

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 19. Februar 2019

Kein Platz blieb frei beim Offenen Wirtshaussingen mit Ernst Schusser

Dass so viele zum Offenen Wirtshaussingen kommen, hat die Verantwortlichen des Heimat- und Geschichtsvereins dann doch überrascht. Rund 160 Gäste füllten am 14. Februar die Nebenzimmer des Gasthofs Maisberger, und wer ein bisschen später kam, musste sich irgendwo dazwischen quetschen.

Los ging es mit dem traditionellen Anfangslied der Volkssänger: „Schee langsam fang ma o mitanand…“ und da sangen gleich alle kräftig mit. Ernst Schusser, Volksmusikpfleger im Bezirk Oberbayern und erfahrener Wirtshaus- und Bänkelsänger, hatte ein abwechslungsreiches Programm an leicht singbaren Stücken mitgebracht. Auf seiner Ziach spielte er die Lieder an, begleitet von Eva Bruckner auf der Gitarre. Kurz mal die Melodie vorgesungen, und schon waren alle dabei.

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Alle singen mit, wenn Ernst Schusser mit seiner Ziach durch die Reihen geht.

Liederheft und Notenblätter brauchte man eigentlich nur für den Text. Die Melodien waren meist bekannt, entweder hatte man sie schon gesungen oder zumindest irgendwo schon mal gehört. Die hochdramatischen Balladen und Moritaten und die passenden Erklärungen von Ernst Schusser dazu waren nicht nur etwas für die Stimme, sondern auch für die Lachmuskeln. Wer ist der Fürst der Wälder, der in der schauerlich schönen Ballade besungen wird? Spätestens nach der ersten Strophe wusste jeder, dass es da um einen Volkshelden, nämlich den Boarischen Hiasl ging. Ein „fast geistliches“ Lied war die tragische Geschichte vom Gasanstaltsdirektor, der mit seinem Gasanstaltsinspektor direkt zum Petrus flog. Fast geistlich wegen dem feierlichen „Halleluja!“ am Schluss! Die Geschichte von der Brombeerpflückerin erschien lediglich auf den ersten Blick unbekannt, spätestens bei der letzten Strophe wusste man’s: „Denn im Wald da sind die Räuber…“

Mit heiteren Kommentaren führte Ernst Schusser die einzelnen Lieder ein und würzte die Pausen mit lustigen Anekdoten aus seinem Musikerleben. Es gab kurze Abstecher in die Musiktheorie – „de Notn, des san de schwarzn Dipferl“- und in die Freiheit des Sängers - „Da Nachbar singt ganz anders, do ko i a singa wia i mog.“ - Damit sich die Stimmbänder wieder entspannen konnten und auch die Kommunikation zwischen den Gästen nicht zu kurz kam, gab es zum Glück auch immer wieder Ratschpausen – erholsam sicher auch für diejenigen, die des Bayrischen nicht ganz so mächtig sind.

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Ernest Lang unterhält das Publikum mit heiteren Kommentaren zu den Liedern, Balladen und zur bayrischen Geschichte.

Zwischendurch erzählte Ernest Lang, Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins, Geschichten, die zu den Liedern passten oder kuriose Zusammenhänge aufdeckten. Nicht umsonst stand der Abend unter dem Motto „Derf i s Deandl liabn?“, denn es war ja der der Tag des Hl. Valentin, Patron der Liebenden. Und man erfuhr nicht nur manches Interessante über den Heiligen, sondern auch über manche Liebesgeschichte, wie z.B. jene von Ludwig I. und der berühmt-berüchtigten Tänzerin Lola Montez.

Je weiter der Abend fortschritt, desto lockerer und kräftiger wurde gesungen. Acht Strophen über die Münchner Fronleichnamsprozession – kein Problem. Den Takt mitklopfen – funktioniert perfekt. Und wenn der Vater mit der Mutter auf das Volksfest geht, dann kreisen beim „„fiderallalla“ anweisungsgemäß alle Zeigefinger fleißig in der Luft.

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Wenn Bewegung zu den Liedern angesagt ist. macht jeder mit.

Nach zwei fröhlichen Stunden, die wie im Flug vergingen, wurde der Bogen zum Anfangslied geschlagen: „Schee langsam hear ma auf mitanand…

Nach dem Abend mit den Blauen Jungs vor zwei Jahren und dem Faschingsabend mit Evi Strehl im vergangenen Jahr ist dem Heimatverein mit der Einladung von Ernst Schusser erneut ein bayrisch-unterhaltsamer Volltreffer gelungen. Schee war’s…

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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