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Folter und Mord, Raub und Plünderung

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 16. November 2018

Der Dreißigjährige Krieg in unserer Region

Dreißigjähriger Krieg, Prager Fenstersturz, Westfälischer Friede… - Erinnerungen an den Geschichtsunterricht in der Schule. Aber wie war das tatsächlich? Wie betroffen war unsere Region? Wie erging es den einfachen Bürgern? Es war ein Krieg, der eine blutige Spur durch Europa zog und Zerstörung, Leid, Hungersnöte und Seuchen hinterließ und in seinem Ausmaß alles übertraf, was vorher an kriegerischen Auseinandersetzungen bekannt war.

Am 13. November hatte der Heimat- und Geschichtsverein Neufahrn in den Gasthof Maisberger zu einem Vortragsabend über den Dreißigjährigen Krieg eingeladen. Das Interesse war überwältigend groß und viele zusätzliche Stühle waren nötig, um damit alle einen Sitzplatz finden konnten.

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Gebannt folgen Zuhörerinnen und Zuhörer den Schilderungen über Ursachen, Auswirkungen und Folgen des Dreißigjährigen Kriegs.

Im ersten Teil des Vortrags schilderte der Historiker Lukas Wollscheid die politische Lage in Europa zu Beginn des 17. Jahrhunderts und ging auf die Vorgänge ein, die zum Ausbruch des Krieges führten, der Europa dreißig Jahre lang in Angst und Schrecken versetzte. Der Prager Fenstersturz im Mai 1618, also vor genau 400 Jahren, war der unblutige Auftakt zu einem der blutigsten Kriege dieses Jahrhunderts, der mit dem Westfälischen Frieden im Oktober 1648 endete. Zurück blieben geplünderte und zerstörte Landstriche und Dörfer, die oft fast völlig entvölkert waren. Wer überlebt hatte, war oft unterernährt und hatte mit schwierigen Lebensbedingungen zu kämpfen, ein leichtes Opfer für den neuen Schrecken, der vor der Tür stand: die Pest, die 1634 auch in Freising wütete.

Brigitte Holzner, Volkskundlerin aus Mintraching, stellte im zweiten Teil des Abends regionale Bezüge her. Auch wenn die Suche nach Details aufwendig und mühselig war, fand sie es "faszinierend, wenn man die Wege in die Vergangenheit sucht“. Detailliert und anhand von Bildern beschrieb sie die manchmal verwirrende Suche nach Daten und Fakten auf vergilbten Listen und Zetteln, durch die dann auf einmal einzelne menschliche Schicksale lebendig wurden.

Die Ereignisse in Neufahrn und Mintraching bleiben größtenteils im Dunkeln, vor allem für die Zeit des Durchzugs der Schweden, da viele Unterlagen bei einem späteren Brand zerstört wurden. Die Matrikelbücher der Kirchen in Giggenhausen und Massenhausen sind jedoch eine Fundgrube für Informationen und lassen ahnen, dass es in den anderen Dörfern nicht viel anders aussah. Da liest man z.B. in einem Matrikelbuch-Auszug aus dem Jahr 1632 als Todesursachen „durch Schläge getötet“, „mit Kugeln getötet“, „im Feuer gebrannt“, „Mesner in der Kirche umgekommen“, deutliche Hinweise, dass es sich hier um Opfer von Folter und Plünderungen und das unheilvolle Wirken der Söldnerheere handelt, durch das oft ganze Familien ausgelöscht wurden.

Auch Freising blieb nicht verschont. Zu Zeiten, als Veit Adam von Gepeckh Fürstbischof war, zogen auch dort die Schweden durch die Stadt. Das war wohl so beunruhigend, dass der Fürstbischof gar dreimal eine Wallfahrt nach Neufahrn unternahm.

Es brauchte Jahrzehnte, bis sich die Region von den Kriegsfolgen erholte und es hat etwa 100 Jahre gedauert, bis die Bevölkerungszahl wieder auf einem ähnlichen Stand war wie vor den Kriegs- und Pestjahren.

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Brigitte Holzner und Lukas Wollscheid berichten mit vielen Details, wie sich der Dreißigjährige Krieg in unserer Region ausgewirkt hat.

Durch die zahlreichen Details, die Brigitte Holzner und Lukas Wollscheid an diesem Abend aufzeigten, wurden Zusammenhänge und Auswirkungen deutlich. Aber man erfuhr nicht nur die geschichtlichen Tatsachen. Die unsäglichen Leiden, die die Bevölkerung erdulden musste, kamen einem beim Zuhören erschreckend nahe. Und so sprach Ernest Lang mit seinem eindrucksvollen Schlusswort bestimmt vielen aus dem Herzen: „Wir können froh und dankbar sein für 73 Jahre ohne Krieg!“

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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