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Unsinniger Donnerstag, rußiger Freitag, schmalziger Samstag…

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 01. Februar 2018

BR-Redakteurin Evi Strehl erzählt von bayrischen Faschingsbräuchen

Das Nebenzimmer beim Gasthof Maisberger war besetzt bis auf den letzten Platz. Denn am 30. Januar stand ein ganz besonderer Vortrag auf dem Programm. Der Heimat- und Geschichtsverein konnte für diesen Abend Evi Strehl gewinnen, die dem Neufahrner Publikum viel Interessantes über alte und neuere Bräuche in der Faschingszeit erzählte. Die Oberpfälzerin Evi Strehl ist langjährige Redakteurin und Moderatorin beim Sender BR-Heimat und eine der bekanntesten Heimatpflegerinnen Bayerns. 2006 wurde sie für ihr großes Engagement für "zeitgemäße Heimat- und Brauchtumspflege" sogar mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Spießrecken und Wurschtsuppnfoarn als Faschingsbräuche - was versteckt sich denn nun dahinter? Beides sind sog. Heischebräuche, mit denen sich früher die armen Leute ihren Anteil an einer frisch geschlachteten Sau erbitten konnten:

„Wir ham gehört, ihr habt geschlacht‘,

und lauter schöne Würscht gemacht.

Wir bitten den Herrn und seine Frau,

gebt’s uns was von eurer Sau“.

Wurden beim Spießrecken vom Bauern Würste auf den hingestreckten Stecken gehängt - wobei Gerüchte von Sägespänen erzählen, mit denen der Wurstinhalt gestreckt wurde - so kam in den mitgebrachten Kochtopf die Wurstsuppe, in der, hatte man Glück, auch etwas Nahrhaftes schwamm.

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Ein Abend mit Evi Strehl und vielen Geschichten über Faschingsbräuche, heiteren Gstanzln und Liedern zum Mitsingen

Ernest Lang, Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins und Moderator des Abends, erzählte viel aus seinem eigenen Erleben, fungierte aber vor allem als Stichwortgeber und stellte viele Fragen, die Evi Strehl kompetent und mit viel Witz beantwortete. Und natürlich gab es dazu immer wieder Musik. Die Mintringer Musikanten spielten auf und Evi Strehl hatte Zither und Akkordeon dabei. Ernest Lang bekam ein ganz besonderes Instrument in die Hand gedrückt, er durfte mit einer Teufelsgeige lärmen. Alle Gäste sangen bei den Liedern begeistert mit und bei „es darf getanzt werden“ wagte sich auch ein Paar aufs Parkett.

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Evi Strehl vom Bayer. Rundfunk mit ihrem Akkordeon, begleitet von Moderator Ernest Lang mit der Teufelsgeige

Mit einer ganz besonderen musikalischen Darbietung überraschten die drei Bläser Norbert Langwieser, Bastian Urbansky und Philipp Eschlwech. Was sich überzeugend nach Alphorn anhörte, entpuppte sich als kunstvoll bemalte und zusammenmontierte Blumentöpfe, die mit meterlangen Gartenschläuchen an einem Mundstück befestigt waren. Über den Namen ihres einzigartigen Ensembles war sich das Trio noch nicht einig, Vorschläge aus dem Publikum waren „die Neufahrner Blumentopfbläser oder das „Alphorn-Trio Neufahrn“, es ist zu hoffen, dass man von ihnen noch mehr hören wird.

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Premierenauftritt der „Neufahrner Blumentopfbläser“ Norbert Langwieser, Bastian Urbansky und Philipp Eschlwech

Am Aschermittwoch ist bekanntlich alles vorbei. Aber auch das Faschingsende ist mit mancherlei Bräuchen verbunden. Nachdem das Publikum bereits zu Beginn das laute Weinen geübt hatte, war es in der Lage, den Fasching mit lautem Gejammer dann auch zu beerdigen. Dazu gibt es einen Faschingsbrauch, der nur für die Gäste eine lustige Angelegenheit ist, nicht aber für den Faschingsprinz, denn zum Abschied werden die Noagerl (= Bierreste) über dem Dahingeschiedenen ausgegossen. Und gut, dass die englische Queen nicht weiß, dass ihre Hymne dann zuweilen als Grabgesang herhalten muss, in diesem Fall jedoch mit dem anspruchsvollen Text „Blutwurscht und Sauerkraut…“

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Das Publikum ließ sich nicht lange bitten und sang kräftig mit.

Am Aschermittwoch wird nicht nur gefastet und Fisch gegessen, sondern da werden traditionell auch die Geldbeutel gewaschen, insbesondere Stadtoberhäupter erhoffen sich dadurch immerwährend gefüllte Stadtsäckel.

Viele Geschichten über Faschings- und Aschermittwochsbrauchtum, lustige Gstanzl und Lieder durfte das Publikum an diesem Abend hören und so mancher der Gäste konnte das eine oder andere Erlebnis dazu beitragen.

Mit einem gemeinsamen Lied ging nach rund zwei Stunden dieser heitere und interessante Abend zu Ende. Das bekannte Lied „Die Gedanken sind frei“ erklang mit neuem Text „Die Getränke sind frei“. Was aber - wie so oft - auch an diesem Abend leider nur ein frommer Wunsch geblieben sein dürfte.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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