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Protestanten in Neufahrn – früher und heute

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 20. Oktober 2017

Zeitzeugengespräch mit Pfarrer Reinhold Henninger

In ihrem Zeitzeugengespräch wollten Ernest Lang, 1. Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins, und Reinhold Henninger, seit 23 Jahren evangelischer Pfarrer in Neufahrn, einen Blick auf die frühere und derzeitige Situation der evangelischen Kirchengemeinde in Neufahrn werfen.

Doch ehe das Zwiegespräch der beiden Referenten begann, nahm Ernest Lang das Publikum mit auf eine Reise in die Vergangenheit, als vor 500 Jahren mit Martin Luther die Geschichte der Reformation ihren Anfang nahm.

Die Oberbayern wurden erst später damit konfrontiert, als sich zwischen 1820 und 1830 etwa 200 protestantische Christen aus der Rheinpfalz in Oberallershausen niederließen. Zwei Aussiedlerfamilien kamen auch nach Neufahrn, und mit ihnen fing hier das evangelische Gemeindeleben an.

Mit einem Zeitsprung leitete Pfarrer Henninger zur jüngeren Geschichte der Protestanten im Landkreis Freising über.

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Pfarrer Reinhold Henninger im Zeitzeugengespräch über Vergangenheit und Gegenwart der evangelischen Kirchengemeinde in Neufahrn

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg ihre Zahl  durch die vielen Vertriebenen stark an und auch in Neufahrn entstand eine evangelische Gemeinde. Gottesdienste konnte man damals nur in behelfsmäßigen Andachtsräumen feiern, und so wuchs der Wunsch nach einer eigenen Kirche. 1952 gab es erste Pläne, bald konnte mit Zustimmung des Landeskirchenrats für 14.080 DM ein Grundstück erworben werden. Architekt Olaf Andreas Gulbransson, bekannt als der „Quartiermacher Gottes“ entwarf die Kirche in Form eines Zelts, zum Zeichen der Wanderung auf dem Weg des Lebens und zu Gott. Am Ostersonntag des Jahres 1961 wurde die Auferstehungskirche geweiht. War sie früher etwas abseits, so steht sie durch den Bau des Marktplatzes nun mitten im Ort und in einer direkten Achse zur katholischen Kirche.

Dies war für Pfarrer Henninger und Ernest Lang das Stichwort für ein Thema, das beide Pfarrgemeinden betrifft: die Ökumene. Lange vor Baubeginn kämpften katholische und evangelische Christen bereits gemeinsam gegen den Flughafen und viele Neufahrner erinnern sich noch an den damaligen evangelischen Pfarrer Ralf Guggenmoos, der im Flughafenabwehrkampf eine bedeutende Rolle gespielt hat.

Pfarrer Henninger konnte viele Gelegenheiten aufzählen, bei denen Ökumene heute im Ort gelebt wird, z.B. den gemeinsamen Gottesdienst zur Marktplatzeinweihung, die Einweihung der Stele zum Andenken an die Außenstelle des KZ Dachau und, eine der größten ökumenischen Veranstaltungen im Kirchenjahr, das Kinderbibelwochenende. Die Sozialstation ist ebenfalls ein bedeutsames Beispiel. Entstanden unter dem Dach des evangelischen Diakonievereins sind heute Gemeinde, katholische und evangelische Kirchengemeinde gemeinsam Träger der Sozialstation.

Ernest Lang wollte von Pfarrer Henninger aber auch noch etwas ganz anderes wissen: „Sollen sich Pfarrer politisch engagieren?“ Dazu hat Reinhold Henninger eine klare Meinung: „Ein Pfarrer darf sich nicht auf Parteipolitik einlassen. Aber er muss sich überlegen, wie verbinde ich die biblische Botschaft mit dem, was die Menschen im Alltag beschäftigt.“ Und er ergänzte: „Ein Pfarrer, eine Pfarrerin muss erkennen, wo ist die Grenze, wie weit kann ich gehen.“

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Ernest Lang, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, nimmt Abschied von Pfarrer Reinhold Henninger und Pfarrerin Irene Henninger

Ein spannender Abend, an dem sich die beiden Referenten geschickt die Bälle zuspielten, ging nach fast zwei Stunden zu Ende. Die Gäste, die am 17. Oktober das Nebenzimmer im Gasthof Maisberger bis fast auf den letzten Platz füllten, hatten viel Wissenswertes über die Geschichte der Protestanten in Neufahrn gehört. Aber man erfuhr nicht nur interessante Fakten und Daten, sondern auch so manche vergnügliche Anekdote. Und auch der eine oder andere ganz bestimmt nicht ernst gemeinte kleine Seitenhieb wurde zur Erheiterung des Publikums ausgeteilt.

Für Pfarrer Reinhold Henninger war diese Veranstaltung auch gleichzeitig ein Abschiedsabend, denn nach 23 Jahren geht seine Amtszeit in Neufahrn am 31. Oktober zu Ende.

Ernest Lang wies abschließend auf die nächsten Veranstaltungen des Heimat- und Geschichtsvereins hin: Am 28. November hält Dr. Sylvia Hahn einen Vortrag über Krippendarstellungen und am 2. Dezember wird mit einer ökumenischen Andacht in der Evangelischen Auferstehungskirche der Neufahrner Krippenweg eröffnet. Das traditionelle Adventskonzert im Franziskussaal findet am 10. Dezember statt.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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