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„Blaue Jungs“ – einst und jetzt

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 17. Februar 2017

Zeitzeugengespräch mit der Neufahrner Kultband

Es wurde ein Abend der Erinnerungen, als der Heimat- und Geschichtsverein am 16. Februar zum Zeitzeugengespräch mit ehemaligen Mitgliedern der „Blauen Jungs“ in den Gasthof Maisberger eingeladen hatte. 1957 hatten sich die sechs jungen Musiker zusammengefunden und sie spielten rund sieben Jahre lang regelmäßig in Neufahrn und Umgebung bei Faschingsbällen, Hochzeiten, Festen und anderen Veranstaltungen auf. Ihr Repertoire umfasste Schlager und Tanzstile der Fünfziger und Sechziger Jahre, egal ob Twist oder Rock‘n Roll, Boogie oder Cha-Cha-Cha, Hits von Peter Kraus oder Songs von Freddy Quinn, und natürlich Schmachtfetzen und Schieber. Spielten die Blauen Jungs, dann war das eine Garantie für heiße Faschingsbälle und volle Wirtshaussäle.

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Wenn die „Blauen Jungs“ auftraten, bebte bei den Neufahrner Faschingsbällen der Tanzboden. (Foto: privat)

Zeitzeugen, das waren an diesem Abend vier der ehemaligen Blauen Jungs: Erich Manderla, Josef Rudzki, Peter Schmitzer und Adi Olf. Sie erinnerten sich an ihre große Zeit, als sie oft von Auftritt zu Auftritt eilten und an manchem Sonntagmorgen erst nach Hause gingen, wenn andere schon auf dem Weg in die Kirche waren. Heute spielen Josef Rudzki und Peter Schmitzer auf ihren Trompeten nur noch bei besonderen Gelegenheiten, und Adi Olf hat seine Klarinette schon lange eingepackt. Adam Ripsam und andere Mitglieder der Kapelle sind inzwischen verstorben. Erich Manderla jedoch spielt nach wie vor oft und gerne auf seinem Akkordeon bei kleineren Festen, Familienfeiern und insbesondere in Seniorenheimen. Mit 15 Jahren war er damals der jüngste der Blauen Jungs, und nachdem das Jugendschutzgesetz zu jener Zeit noch streng überwacht wurde, kam er zuweilen bei überraschenden Polizeikontrollen arg in Bedrängnis.

Mit zahlreichen Bildern ließ Moderator Ernest Land die Vergangenheit wieder aufleben und mit den Fotos wurden viele Erinnerungen bei den vier Musikern wieder lebendig. „Do foit ma wos dazua ei!“ Und schon kam die nächste Anekdote. Die „Jungs“ erzählten von vielen gelungenen Auftritten und manch unangenehmer Begegnung mit fremden Fäusten. Sie berichteten, wie sie mit Prominenten, wie z.B. dem Roider Jackl oder den Volkssängern Maxl Graf und Erni Singerl gemeinsam aufgetreten sind. Und betonten immer wieder, wie bereichernd Musik und Gemeinschaft für ihr Leben waren.

Zeitzeugen waren an diesem Abend jedoch nicht nur die Musiker, sondern auch viele Gäste, die sich an Menschen und Ereignisse erinnern konnten. „Den kenn i a“, „do war i a dabei“, oder „war des jetzt der… oder der…?“

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Zeitzeugengespräch mit den „Blauen Jungs (v.re.) Josef Rudzki, Adi Olf, Erich Manderla, Peter Schmitzer und Moderator Ernest Lang (Mitte).

„Was ist hängen geblieben?“ fragte Ernest Lang die Blauen Jungs zum Abschluss. Da waren sie sich einig: dass sie viele Leute kennen gelernt haben, dass die Musik über manchen Schicksalsschlag hinweggeholfen hat, und – vor allem – die große Kameradschaft.

Ein heiterer und unterhaltsamer Abend mit vielfältigen Erinnerungen ging zu Ende. Zum Schluss spielte Erich Manderla noch einmal auf seinem Akkordeon. „La Paloma“ – da sangen viele mit. Und vielleicht verspürte der eine oder andere neben aller Fröhlichkeit auch ein bisschen Wehmut und die Sehnsucht nach vergangenen Jugendzeiten.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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