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„A Courage, de kriagt ma net gschenkt…“

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 13. März 2016

Die Maibaumfreunde Giggenhausen e.V. begeistern mit ihrem neuen Stück „Glenn Miller und Sauschwanzl“

Obwohl das Stück im Jahr 1946 spielt, hätte es zeitgenössischer nicht sein können: eine mutige Frau muss sich und ihre Familie alleine durchbringen, eine Mutter will nicht wahrhaben, dass ihre Kinder bereits erwachsen sind, Flüchtlinge werden einquartiert und erscheinen lästig, zeigen sich dann aber als solidarische Mitbewohner.

Mit ihrem neuen Stück „Glenn Miller und Sauschwanzl“ von Christian Lex haben die Maibaumfreunde Giggenhausen e.V. einen Volltreffer gelandet. Die Geschichte spielt in Bayern, ein Jahr nach Kriegsende. Für Johanna Aicher ist es hart, ihre Lieben in den schwierigen Nachkriegsjahren zu ernähren, ihr Mann ist seit Jahren in Russland vermisst. Was bietet sich für die resolute Metzgersfrau besser an, als hin und wieder eine „schwarze Sau“ zu schlachten, bei deren Verarbeitung alle Familienmitglieder mithelfen müssen. Johannas Cousin - „das ist kein Mann, das ist Ernst-August“ - kann zwar kein Blut sehen und fällt in diesem Fall sofort in Ohnmacht, was aber keinen irritiert, bei der erforderlichen ersten Hilfe sitzt jeder Handgriff.

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Der Fleischbeschauer Jackl übersieht zum Glück die Wurst, er hat seine Augen ganz woanders.

Die verbotenen Aktivitäten im Schlachthaus müssen natürlich an den Kontrollen vorbei gehen, und so gibt es allerhand knifflige Situationen. Der örtliche Fleischbeschauer Jackl ist kein Problem, denn er hat ein Auge auf Johanna geworfen, zudem profitiert er gelegentlich auch von den Erzeugnissen aus der Wurstküche. Schwierig wird es, als sich die amerikanischen Besatzer einstellen, allen voran der Thanner Fred, der sich als ausgewanderter Kinderfreund von Johannas Tochter Hilde erweist.

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Die Helden ziehen sich zurück – und überlassen es den Frauen, die Probleme zu lösen.

Bei der Premiere am 12. März im überfüllten Saal des Metzgerwirts in Giggenhausen war die Begeisterung der Zuschauer groß und immer wieder gab es Zwischenapplaus. Die Handlung gab allerdings auch einiges an Dramatik her, die von den Schauspielern mit Bravour gemeistert wurde. Edda, die Flüchtlingsfrau aus Breslau, herrlich in ihrer rosa Unterwäsche und dem schlesisch gerollten „r“ versprach, versicherte, sie sei „verschwiegen wie ein Radio ohne Röhren“. Ernst-August, der Studienrat in Warteposition, tat zwar nichts, wusste im richtigen Moment jederzeit einen klugen Spruch. Die Begegnung mit den amerikanischen Soldaten veranlasste die Familie Aicher zu Sprachakrobatik: „Wir ham nothing zu verbergen!“

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Mit Glenn Miller lassen sich alle Grenzen überwinden.

Drei Monate wurde geprobt und das Ergebnis ist absolut überzeugend. Authentisch und glaubhaft dargestellt sind die Naivität und gleichzeitig die Hinterkünftigkeit der Personen, und die Freude am Spielen ist spürbar. Eine große Leistung, die umso höher einzuschätzen ist, weil manche der Darsteller am Premierenabend nicht nur mit Lampenfieber, sondern auch mit tatsächlichem Fieber zu kämpfen hatten.

Was hat das Stück mit Glenn Miller zu tun? Das zeigt sich, als Fred seine Hilde zu einem schwungvollen Swing einlädt, bei dem ihnen das Vergnügen am Tanzen am Gesicht anzusehen ist.

Und das Sauschwanzl? Nach einer herzbewegenden Abschiedsszene, bei der vielleicht sogar eine kleine Träne aus manch einem Auge rollte, durfte umgehend wieder herzhaft gelacht werden: eine Sau mit zwei Schwanzln, ja gibt’s denn sowas!

Begeisterter Beifall belohnte die Darsteller. Alle fünf Vorstellungen waren bereits vor der Premiere ausverkauft, so dass man sich entschloss, noch eine weitere Aufführung anzuhängen.

Captain Arch Duke verabschiedete sich in einer Szene formvollendet mit Handkuss von Johanna Aicher. Seine Abschiedsworte passen, in etwas anderer Reihenfolge, bestens für diesen köstlichen Theaterabend: Good Choice (das Stück), Good Luck (für die nächsten Projekte) und Good Bye (bis zum nächsten Jahr).

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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