lesen-sie-auch-andere-ortszeitungen Oberdinger Kurier Logo echinger-echo haarer-echo herrschinger-spiegel mooskurier

Dramatische Tage im April 1945

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 11. März 2015

Ein bewegender Vortrag von Ernest Lang über das Kriegsende in Neufahrn

(Text/Foto: mas) Mit den Worten „Ich mach’s“ – so wird erzählt – erklärte sich Hans Huber, ein mutiger Neufahrner, bereit, den amerikanischen Panzern, die aus der Richtung Eching anrückten, mit der weißen Fahne entgegen zu gehen. Dramatische Jahre lagen hinter den Einwohnern des Dorfes Neufahrn, das am Kriegsende etwa 1500 Einwohner zählte. Doch auch mit der Kapitulation waren die schwierigen Zeiten noch lange nicht vorbei.

In seinem beeindruckenden und bewegenden Vortrag brachte Ernest Lang einem äußerst interessierten Publikum die letzten Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs und die Zeit danach nahe. Die überwältigend große Anzahl von mehr als 150 Interessierten fand im Nebenzimmer des Bahnwirts Neufahrn kaum Platz, manche mussten sogar auf „Hörplätze“ ausweichen. Für manche war es wohl eine Reise zurück in die eigene Kindheit, sie hatten die Zeit vor Kriegsende und danach selbst erlebt. Erfreulicherweise fanden sich jedoch auch viele junge Zuhörer.

Mit vielen Details, Daten und oft sogar genauen Uhrzeiten zeichnete Ernest Lang ein eindrucksvolles Bild von den dramatischen Ereignissen der letzten Kriegstage und der Nachkriegszeit. Er ließ einzelne Personen vor dem Publikum lebendig werden: mutige Zeitgenossen, aber auch Menschen, die damals eine zwiespältige, oft auch zwielichtige Rolle gespielt hatten. Die kampflose Übergabe des Ortes an die Amerikaner war einigen furchtlosen Männern zu verdanken, während die letzten SS-Leute aus dem Ort flüchteten.

500 Häftlinge, die am südlichen Ortsrand in einem Außenlager des KZ Dachau inhaftiert waren, polnische Zwangsarbeiter, Lager mit französischen und russischen Kriegsgefangenen veränderten das Gesicht der Gemeinde.

Obwohl Neufahrn weniger Schäden aufwies als z.B. Freising, war der Krieg hier doch sehr präsent. Nicht nur durch den Absturz eines amerikanischen Flugzeugs, bei dem der Pilot ums Leben kam, Tiefflieger in Neufahrn und schließlich die Besetzung des Dorfes durch die Amerikaner waren die Neufahrner betroffen. Viele Söhne aus Neufahrner Familien waren gefallen, vermisst oder in Kriegsgefangenschaft geraten.

Unzählige Gespräche mit Menschen, die persönliche Erinnerungen an diese Jahre hatten, viele Berichte und schriftliche Unterlagen ergaben ein Bild dieser Zeit, das jedoch viele Lücken aufweist. So sind über manche Ereignisse und Zeiträume lediglich Vermutungen möglich. Eine große Hilfe sind die kirchlichen Aufzeichnungen, denn in Verkünd- und Matrikelbüchern findet sich glücklicherweise so mancher Hinweis mit Namen und genauer Zeitangabe.

Zum Abschluss seines Vortrages zeigte Ernest Lang Luftaufnahmen der Amerikaner vom 20. April 1945, die die damaligen örtlichen Verhältnisse deutlich vor Augen führten. Dies rief bei dem einen oder anderen Kindheitserinnerungen hervor und lebhafte Gespräche entwickelten sich an manchem Tisch. Zeitzeugen aus dem Ort erzählten über ihre ganz persönlichen Eindrücke, wie z.B. der Flugzeugabsturz ganz in der Nähe eines Hauses. „Der Pilot war verbrannt, er hatte einen Ehering am Finger. Das werde ich nie vergessen“.

Auch Pfarrer Otto Steinberger, 2. Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Neufahrn, konnte eigene Eindrücke sowohl an die Zeit der Besatzung als auch vom Tag der Kapitulation schildern. „Es war ein schöner Tag. Nicht nur weil es ein wunderbarer Frühlingstag war, sondern weil nun alles vorbei war.“

Kriegsende

Pfarrer Otto Steinberger und Ernest Lang lassen vor mehr als 150 Zuhörern ein Bild der Gemeinde Neufahrn in den letzten Kriegstagen erstehen.

Sein Resümee am Ende der Veranstaltung: „Das kleine Dorf ist groß geworden und die Spuren des Krieges sind heute noch interessant. Man hätte es damals aufschreiben sollen, keiner hat’s gemacht.“ Und er appellierte an die Familien, die noch etwas über diese Zeit wissen: „Setzt euch hin und schreibt es auf!“

Der Heimat- und Geschichtsverein Neufahrn lädt zu einer weiteren Veranstaltung über Krieg und Kriegsende ein, in der es insbesondere um den Ortsteil Mintraching gehen wird. Dieser Vortrag wird gehalten von Walter Ort, und zwar am 28. April im ehemaligen Schulhaus in Mintraching.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok