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Vom „gerechten Krieg“ zum „gerechten Frieden“

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 14. Juli 2014

Ökumenisches Friedensfestival setzt Zeichen

(Text/ Foto: ossi) Gott sei Dank waren die Planer des ökumenischen Neufahrner Friedensfestivals am vergangenen Samstag auf alles vorbereitet. Die Veranstaltung wurde vom Garten der evangelischen Gemeinde ins katholische Pfarrzentrum St. Franziskus verlegt. Petrus meinte es zwar gut und das Wetter hielt dem Grunde nach. Allerdings hätte der kleine Schauer am Nachmittag schon gereicht, die gesamte Technik unter Wasser zu setzen. Allein sieben Bands und Chöre hatten sich angekündigt, um die Veranstaltung mitzugestalten. Um dies nicht zu gefährden, entschied man sich für Plan B, was dem Zulauf aber,- ebenso wenig wie die Paralell-Veranstaltung am Marktplatz-, keinen Abbruch tat.

 

Mathias Grandl begrüßte die Besucher des Festivals mit dem Wunsch nach Frieden. Das Wichtigste sei aber, dass es am Tag des Festivals zu einem schönen Miteinander der Neufahrner komme, sowie dazu, dass „wir alle gemeinsam feiern, dass wir in Frieden leben können, und uns doch daran erinnern, wie zerbrechlich Frieden sein kann." Anlässlich des Ausbruchs des 1. Weltkrieges im Jahr 1914 vor 100 Jahren und des Ausbruchs des 2. Weltkrieges vor 75. Jahren sei es wichtig, immer wieder zum Frieden zu mahnen. „Wir erleben die längste Friedensperiode seit langem in Deutschland", so Grandl, „aber andernorts sieht die Welt ganz anders aus. Militärische Konflikte in der Ukraine, dem Irak und Syrien zeigen uns diese Zerbrechlichkeit."

Der evangelische Pfarrer Reinhold Henninger erinnerte ins seiner Begrüßung an den derzeit eskalierenden Konflikt im Gaza-Streifen, bei dem allein in den letzten Tagen bei Kämpfen bis zu zwölf Kinder ums Leben gekommen sein sollen. Umso erfreulicher sei der Wandel in der Diskussion von einem „gerechten Krieg" hin zu einem „gerechten Frieden". Mit dem ökumenischen Friedensfestival möchte man ein Zeichen setzen. Sein Dank ging nicht nur an die katholische Gemeinde für die Aufnahme im Pfarrsaal, sondern an das ganze Planungsteam für die tatkräftige Unterstützung, allen voran an Mathias Grandl, der an diesem Tag seinen Geburtstag feierte. Aber auch an Carola Schmidt vom evangelischen Kirchenvorstand und Pastoralreferentin Christina Brandl-Bommer, sowie Stefan Mair für die technische Umsetzung. „Frieden beginnt bei einem selber!", betonte Pfarrer Henninger und gab den Besuchern noch ein Bibelzitat aus dem Matthäus-Evangelium mit auf den Weg: "Selig die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen!"

Bürgermeister Franz Heilmeier dankte für das Engagement und brachte seine Anerkennung für die geleistete Arbeit zum Ausdruck. Für ihn sei es ureigener Auftrag der beiden christlichen Kirchen für Frieden zu werben. Das Festival sei deshalb nicht nur Fest, sondern Anlass zu Gedenken und Erinnerung. „Friedenschaffen beginnt schon bei der persönlichen Kultur, im Umgang miteinander, im Gespräch mit- aber auch übereinander, ganz im Alltäglichen!", so Heilmeier.

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Begrüßten die Teilnehmer des Friedensfestivals mit einer Friedenskerze (vl.n.r): der evangelische Pfarrer Reinhold Henninger, die katholischen Pastoralreferenten Christina Brandl-Bommer und Mathias Grandl, die kleine Priscilla und Bürgermeister Franz Heilmeier

 

Über eine Botschaft der besonderen Art freuten sich die Besucher: Der Liedermacher und „Friedensbewegte" Konstantin Wecker hat den Neufahrnern einen Gruß per Video zukommen lassen. Leider konnte nicht jeder die Grüße verstehen, da zum Bildausfall noch die schlechte Tonqualität hinzukam.

Umrahmt wurde das Festival nicht nur musikalisch. Die Mittelschule Neufahrn war ebenso mit einem Stand vertreten, wie Arbeitskreise der katholischen und evangelischen Gemeinde, Pax-Christi aus Freising und der Internationale Versöhnungsbund. In der Kirche St. Franziskus war die Ausstellung „Neufahrn und seine Ortsteile in den Weltkriegen", sowie die Filmvorführung „Damals...Unsere Heimat in der Zeit der Weltkriege" von Ernst Keller und Wilfried Winklmeier zu sehen. Diese dokumentierten nicht nur anschaulich das zeitliche Geschehen während der beiden großen Kriege, sondern machten durch den lokalen Bezug die Geschichte besonders greifbar und damit auch auf eine besondere Weise nachvollziehbar, ja fast „erlebbar".

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Die Ausstellung „Neufahrn und seine Ortsteile in den Weltkriegen" bot tiefe Einblicke in die Geschichte – mit lokalem Bezug

 

Ein Gleichgewicht zwischen Erinnerung und Mahnung auf der einen Seite und einem eigentlichen Festival-Charakter herzustellen ist den Machern wirklich gut gelungen. So bot etwa der „Raum der Stille" die Möglichkeit des persönlichen Rückzuges. Aber auch die extra auf der Empore des Pfarrsaals eingerichtete Bar mit Stehtischen bot Raum für Gespräche. Die ausreichende und abwechslungsreiche Verpflegung trug ihr übriges zum Gelingen des Friedensfestivals bei.

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Unterstützung aus Hallbergmoos: Andre Spindler und Pfarrerin Dr. Juliane Fischer sorgten für Verpflegungs-Nachschub

 

Angefangen bei den Lokalmatadoren "Duo Heartbeat" aus Neufahrn, über das Kinderchorprojekt „JuKids", den „Gospelchor Neufahrn" und dem „Modern Gospelchor Hallbergmoos" bis hin zu anderen Bands aus Neufahrn und Umgebung, wie „Windfall" und „The Circle's End" boten einen musikalischen Rahmen für jedermann. Letztere sorgten aufgrund des heimischen Fanblocks dafür, dass das eigentliche „Highlight" des Abends, nämlich die Gruppe „Paul Daly & Band" erst sehr spät zum Zuge kamen.

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Abwechslungsreiches Essen und abwechslungsreiche Musik – hier auf der Bühne das Duo „Heartbeat" – sorgten für gute Stimmung auf dem Festival

 

Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle auch die materielle Unterstützung, die das Projekt erfahren hat. Der Arbeitskreis „Feste und Feiern" des Pfarrgemeinderats von St. Franziskus hat den Erlös des Bayerischen Abends zur Verfügung gestellt und auch die Sparkasse Freising hat einen Zuschuss zu den Vorbereitungen gegeben. Daneben gab es einige Tage lang bei Neufahrner Geschäften und in den Pfarrbüros Festivalarmbänder zu erwerben. Sollte das Festival einen Gewinn abwerfen, so soll dieser einem Projekt in Syrien und einem Projekt für Friedensarbeit zu Gute kommen, teilte Pastoralreferent Mathias Grandl mit.

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