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„Liebe für alle – Hass für keinen“

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 15. Juni 2014

Ahmadiyya Muslim Gemeinde Neufahrn feiert Wiedereröffnung der Moschee

(Foto/ Text: ossi) Die Ahmadiyya Muslim Jamaat gibt es in Neufahrn eigentlich schon sehr lange. Auch eine Moschee gibt es seit 1986. Aber ein Minarett macht eine Moschee erst so richtig zu einer Moschee. Diesen Umstand feierten die Gläubigen nicht nur ausgiebig, auch hoher Besuch hatte sich angekündigt.

 

Im Rahmen eines Festaktes hatte die Ahmadiyya Muslim Gemeinde am Pfingstmontag ins Oskar-Maria-Graf-Gymnasium (OMG) geladen. Gekommen waren nicht nur zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft. Höhepunkt für die Mitglieder war sicherlich der Besuch des geistlichen Führers der Religionsgemeinschaft. Kalif Hadrat Mirza Masroor Ahmad ist der fünfte Nachfolger des Begründers und das Weltoberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat. Eigenen Angaben zufolge gibt es mehrere zehn Millionen Anhänger in mehr als 200 Ländern weltweit.

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Erstrahlt in neuem Glanz und mit neuem Minarett: Die Al Mahdi-Moschee in der Massenhausener Straße in Neufahrn

 

Die Ahmadiyya ist eine islamische Sondergemeinschaft, die von Mirza Ghulam Ahmad in den 1880er Jahren in Britisch-Indien gegründet wurde. Ab 1889 leisteten ihm die Anhänger den Treueid. Die sich als Reformbewegung des Islams verstehende Religionsgemeinschaft hält an den islamischen Rechtsquellen – Koran, Sunna und Hadith – fest, wobei zusätzlich die Schriften und Offenbarungen von Mirza Ghulam Ahmad eine erhebliche Bedeutung haben.

Von Seiten der meisten anderen Muslime wird die Ahmadiyya-Lehre dagegen als Ketzerei betrachtet und abgelehnt, da es nach deren Verständnis nach Mohammed keinen Propheten mehr geben kann. In islamischen Ländern wird die religiöse Gemeinde und deren Aktivitäten daher entsprechend bekämpft, was zu Beschränkungen und Verfolgung in diesen Ländern führte.

„Die Ahmadiyya Muslim Jamaat möchte die ursprünglichen, friedlichen und fortschrittlichen Lehren des Islam von den Verkrustungen und Irrungen in der heutigen Zeit befreien. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat glaubt an die im Grundgesetz verankerten Menschenrechte und tritt für die Meinungs- und Religionsfreiheit ein. Wir lehnen jegliche Gewalt im Namen von Religion ab", heißt es in der Einladung zum Festakt, „mit ihren gelebten Prinzipien wie Friedfertigkeit, Reformorientierung, Transparenz, Offenheit, Dialog, sowie gesellschaftlicher und sozialer Einsatz bereichern die Ahmadiyya Muslim Jamaat seit über 90 Jahren die Bundesrepublik". Tatsächlich wurde ihr als erste muslimische Gemeinde der Status einer „Körperschaft des öffentlichen Rechts" verliehen.

Während die Ahmadiyya Muslim Gemeinde ihr Handeln unter das Leitmotiv „Liebe für alle – Hass für keinen" stellt, wurde sie ausgerechnet von einem kleinen versprengten Haufen der rechtsextremen Gruppierung „Die Freiheit" auf dem Parkplatz vor dem OMG empfangen. „Unverzichtbarer Bestandteil einer freiheitlichen Gesellschaft ist das Recht auf Freiheit zur und Freiheit von Religion", kann man auf deren Homepage lesen. Die Freiheit einerseits zu propagieren, andererseits gegen diese in billigster Art und Weise zu agitieren,- dieser „Auftritt" hatte damit doch etwas leicht Schizophrenes.

Jeder der geladenen Gäste konnte sich dann aber von der großzügigen Gastfreundschaft selbst überzeugen. In seinem Grußwort betonte Neufahrns Bürgermeister Franz Heilmeier, dass die Demonstration vor der Tür nicht Ausdruck der Willkommenskultur der Neufahrner Bürgerinnen und Bürger sei, was er in einem gemeinsamen Statement mit dem katholischen und evangelischen Pfarrer im Vorfeld bereits zum Ausdruck gebracht habe.

Auch Landrat Josef Hauner bestätigte, dass mit der Ahmadiyya Muslim Gemeinde Menschen in Neufahrn wohnen, „die Brücken bauen wollen!".

Ex-Bürgermeister Rainer Schneider, in dessen Amtszeit die Baugenehmigung erfolgte, konnte festhalten, dass „nach anfänglichem Abtasten eine echte Freundschaft entstanden sei."

„Toleranz, Respekt und Freundschaft müssen immer wieder neu gelebt werden", betonte Erich Irlstorfer, „Neufahrn liegt im Herzen Altbayerns und die Ahmadiyya Muslim Gemeinde ist ein Teil dieses Neufahrns."

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Zur Einweihung der Moschee kam auch das geistliche Weltoberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat: Kalif Hadrat Mirza Masroor Ahmad

 

Seine Heiligkeit,- wie er von seinen Anhängern ehrfurchtsvoll genannt wird -, Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad bedankte sich für diesen warmen Empfang. „Oberstes Gebot sei der Dienst an Gott. Gottesdienst leiste aber insbesondere der, der auch den einzelnen Menschen hilft!", stellte er zu Beginn seiner Rede sein Selbstverständnis des Glaubens vor. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat habe daher viele Dienste ins Leben gerufen. „Wir tun diesen Dienst am Menschen überall, überall gleich; es ist unsere Pflicht."

Die interreligiöse Verständigung liege ihm besonders am Herzen. Zum 100-jährigen Jubiläum seiner Gemeinde in London seien Vertreter Israels ebenso anwesend gewesen wie Christen, und Hindus. Auch mehr als 1.000 Menschen außerhalb der Gemeinde seien zu Gast gewesen. Dies sei ein Ausdruck dafür, „dass wir als Menschen alle Geschwister sind."

Der Kalif bedankte sich für das Angebot, eine Gegendemonstration zu den Unverbesserlichen vor der Tür zu organisieren. Seine Antwort wäre es gewesen, die Jugend seiner Gemeinde aufzurufen, das Banner mit den Worten „Liebe für alle – Hass für keinen" vor der Moschee aufzuhängen. Fast schon mahnend fügte er hinzu: „Wir begegnen unseren Gegnern mit Demut, nicht mit Hochmut!"

Natürlich dankte er allen Unterstützern, die es ermöglicht haben, das Minarett zu errichten. Der Dank richtete sich insbesondere an die Gemeinde und vor allem an die Nachbarn. Die Moschee sei natürlich zunächst der Ort „Gott anzubeten". Aber sie sei auch der Ausgangspunkt, den Menschen zu dienen, zu helfen und von Leid zu befreien.

Seine Definition von „Integration" sei gar nicht so schwer: „Dort, wo man sich niederlässt, dieses Land soll man lieben. Man muss sich einbringen und für dieses Land arbeiten!" Die Religion sei dagegen „privater Natur", die „Achtung der menschlichen Würde aber Verpflichtung aller", schloss das religiöse Oberhaupt seinen kurzen Vortrag und lud nach einem kurzen Gebet zum gemeinsamen Essen.

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Keine Berührungsängste: so sieht gelungene Integration und eine gute Nachbarschaft aus

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