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Lebens- und Schulerfahrungen eines pensionierten Pädagogen

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 19. September 2020

Han’s Klaffl, Kabarettist und ehemaliger Lehrer, begeistert das Neufahrner Publikum mit seinem Programm „Nachschlag – eh ich es vergesse…“

Was ist gut am Alter? Da muss Han’s Klaffl dann doch überlegen. Aber letztendlich fällt ihm noch was ein: die Evolution hat für Vergesslichkeit und Blasenschwäche gesorgt, und so kommt man auch im Alter zu der nötigen Vielfalt an Bewegung. Ein heiterer Einstieg in einen nicht immer nur lustigen Abend.

200 Gäste saßen mit dem erforderlichen Abstand in der Aula des Gymnasiums, als der Kabarettist und pensionierte Lehrer am 17. September sein viertes Programm „Nachschlag – eh‘ ich es vergesse...“ in Neufahrn präsentierte. Er schlug einen weiten Bogen in seine persönliche Vergangenheit als Schüler und entdeckte große Unterschiede zum Alltag heutiger Kinder. Musste man in seiner Kindheit mangels eines Fernsehers Bücher lesen, spielten die Kinder seiner Generation allein und unbeaufsichtigt im Wald, so sorgen sich nun Helikopter-Eltern ständig um ihren Nachwuchs. Und mancher Schüler leidet heute, wie Klaffl konstatiert, an „Schulintoleranz“ und „Lehrerphobie“ und hat dafür auch sogleich das passende Globuli zur Hand. „Früher hieß es, ‚Eltern haften für ihre Kinder‘, heute haften die Eltern an ihren Kindern.“

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Han’s Klaffl - ernste und heitere Hintergedanken eines ehemaligen Lehrers, präsentiert mit und ohne Musik im Neufahrner Gymnasium

„Déjà-vu“ könnte der Untertitel seines Programms lauten. Halbe Sätze reichen aus und man weiß, was er sagen will. Erwähnt er die Ablehnung der Flüchtlinge, die damals ins Dorf kamen und sagt danach „und heute…,“ hört man, dass in den 50er Jahren die Kinder über Judenwitze lachten, ohne sie zu verstehen, hatte man manche Aufgabe zu erledigen bis „zur Vergasung“ - da bleibt einem zuweilen vor Betroffenheit das Lachen im Halse stecken.

Die Entscheidung für den Lehrerberuf verdankt er nicht etwa einem besonders guten, sondern einem schlechten Pädagogen, von der Mutter als „Respektsperson“ bezeichnet, über die man sich nicht beschwert, auch wenn er droht "ich hau dich zu Gulasch!". Eine Respektsperson zu sein, erschien dem jungen Hans als erstrebenswertes Berufsziel, auch wenn sich der Lehreralltag später mitunter gewaltig von den Erwartungen unterschied. 

Einen kräftigen Seitenhieb bekommt die Bildungspolitik ab, wenn er sich daran macht, das Schulsystem zu erklären. Volksschule wird Grundschule, Hauptschule wird Mittelschule, Mittelschule wird Realschule, verdeutlicht mit dem Bild einer Autobahn mit leerer rechter Spur, weil alle auf der mittleren und linken Spur fahren wollen, die bald überfüllt sind. Was macht die Politik? Entfernt die leere rechte Spur, baut dafür eine weitere Überholspur an, und man braucht nicht viel Fantasie, um zu wissen, wie es weitergeht.

Kopfnicken und zustimmende Geräusche lassen vermuten, dass sich - wie gewohnt bei seinen Programmen - zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer im Saal befinden. Aber auch Nichtpädagogen lachen aus vollem Hals bei den unsinnigen Rechenaufgaben "mit Realitätsbezug", die er dem Publikum stellt und bei deren Beantwortung er streng ermahnt: „ganzer Satz!“ Musik darf bei einem ehemaligen Musiklehrer natürlich nicht fehlen, und so begleitet er seine witzigen und/oder ironischen Lieder höchst gekonnt auf dem Kontrabass oder am Flügel.

Han’s Klaffl kokettierte an diesem Abend zwar mit Alter und Vergesslichkeit. Doch bei ihm muss man diesbezüglich keine Befürchtungen haben. Wegen Corona gab es keine Pause, er stand fast zwei Stunden Programm locker durch. Respekt! Das Publikum war begeistert und bedankte sich mit viel Beifall und lauten Bravo-Rufen.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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