lesen-sie-auch-andere-ortszeitungen Oberdinger Kurier Logo echinger-echo haarer-echo herrschinger-spiegel mooskurier

Nichts für Anti-Alkoholiker

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 30. Januar 2020

Blues und schräge Geschichten mit Oliver Pötzsch und den Bukowski-Blues-Boys

War es das Thema oder waren es die Künstler, die 24. Januar so viele Gäste in die Neufahrner Bibliothek lockten, dass schon nach kurzem „Ausverkauft“ an der Tür zu lesen war? Oder gar die Aussicht auf ein Glas Wein, das im Eintrittspreis inbegriffen war?

„Lieder für die Leber“ sang Oliver Pötzsch, begleitet von den Bukowski-Blues-Boys. Sein Thema war der Alkohol, und – wen wundert’s – dazu hat er viel Unterhaltsames gefunden. Egal ob im viertausend Jahre alten Gilgamesch-Epos oder im 15. Jahrhundert, wenn sich Conrad Celtis über die rauen Gespräche beim Bier beklagt. Ob im 20. Jahrhundert Erich Mühsam ruft „Gebt mir Schnaps“, Joachim Ringelnatz über den Whisky sinniert oder Dorothy Parker ihr Gedicht über eine Trinkerin schreibt – zu allen Zeiten wurde über (mehr oder weniger) Hochprozentiges gedichtet, geschrieben, gesungen.

Pötzsch, Bestseller-Autor und Verfasser zahlreicher historischer Romane, griff tief in die Geschichte des Alkohols, er erzählte höchst unterhaltsam über Trinksitten im Mittelalter, als der regelmäßige Genuss großer Mengen Wein und Bier an der Tagesordnung war. „Alkohol und Politiker“ ist für ihn ein unerschöpfliches Thema und zu „Alkohol und Religion“ hat er eine Vision: „Das Paradies bedeutet Alkohol ohne Kater.“

poetzsch1

„Lieder für die Leber“ - Hochprozentiges, gelesen und gesungen von Oliver Pötzsch und gespielt von den Bukowski-Blues Boys

Dass der Blues hervorragend zu jedem alkoholischen Getränk passt, davon überzeugten die fünf Künstler an diesem Abend ohne jeden Zweifel. Gefühlvolle Songs von Frank Sinatra und Tom Waits, hingebungsvoll gesungen von Oliver Pötzsch, begleitet von Wolfgang Götz mit Klavier und Akkordeon, Martin Hupf am Bass und Benny Stanger am Schlagzeug, dazwischen atemberaubende Gitarren-Riffs gespielt von Matthias Kahlau, sorgten für eine gelungene Ergänzung zu den Texten.

Das Publikum, das die Bücherei an diesem Freitagabend bis zum letzten Sitzplatz auf der Treppe füllte, war sehr angetan. Die Mischung gefiel den Gästen und, wie eine Zuhörerin fand, „man merkt, es macht ihnen selber Spaß.“

„Ist Saufen schädlich?“ fragte Oliver Pötzsch gegen Ende des Abends. Um das herauszufinden, riet er zum Lesen von Studien, doch er hatte dazu auch eine Empfehlung parat: „Suchen Sie sich einfach diejenige heraus, die für Sie passt!“

Viel Beifall gab es zum Schluss und die Künstler bedankten sich mit einer Zugabe: „I don’t need no doctor.“ Den hatten an diesem heiteren und leicht schrägen Abend bestimmt weder Oliver Pötzsch noch die Bukowski-Blues-Boys nötig, und schon gar nicht das total begeisterte Publikum.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok