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Offenes Atelier Neufahrn - Bürgermeister Heilmeier setzt auf Kultur

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 23. Juli 2019

Zum dritten Mal veranstaltete die Gemeinde Neufahrn am 6. und 7. Juli die Tage des „offenen Ateliers Neufahrn". Die Gemeinde wurde an diesem Wochenende zur großen Galerie und Kunstwerkstatt, ein Event, der an Bedeutung gewinnt. Neufahrn und die dazugehörenden Ortsteile Fürholzen, Giggenhausen, Massenhausen und Mintraching-Grüneck luden ihre Bürger und Bürgerinnen und alle Besucher ein, die Kunstschaffenden ihrer Stadt kennenzulernen. 22 Künstler in 13 Ateliers freuten sich über den Besuch.


Eine gute Gelegenheit, die Künstler authentisch in ihren Ateliers zu erleben oder ihnen während eines kreativen Arbeitsprozesses über die Schulter zu schauen. Die Vielfalt der gezeigten Werke und Objekte war enorm groß: Öl- und Acryl-Malerei, Aquarelle, Skulpturen, Zeichnungen, offenes Malen, Fotografie, Druckwerkstatt, Cartoons, Windspiele und sogar einen Mandala-Workshop für Groß und Klein gab es zu bestaunen.
Auch für Kunsteinsteiger lohnte der Besuch der Ateliers. Die neuesten Werke konnten bei der Entstehung begleitet und bereits vorhandene Werke bestaunt werden. Beim Bummeln durch die Ateliers ließ sich viel über die Arbeitstechniken und die verwendeten Materialien lernen, denn Kunst ist auch ein Handwerk mit vielfältigen Techniken. Interessante Gespräche mit den Künstlern entstehen – wann hat man schon die Möglichkeit, Kreativen so nah zu sein!
Sogar Bürgermeister Heilmeier wurde persönlich beim Atelierbesuch gesichtet. Er war sehr erfreut, dass dieses Jahr so viele Künstler wie nie ihre Türen geöffnet haben und den Bürgern einen Einblick in ihr Schaffen gewähren: „Diese beiden Tage zeigen, wie vielfältig die Kunst ist und wie abwechslungsreich die Kulturlandschaft in Neufahrn gestaltet ist. Jeder nutzt andere Farben und Techniken und für uns Besucher ist es spannend zu erfahren, wie ein Kunstwerk entsteht." Er unterstrich: „Die Tage des offenen Ateliers und die zahlreichen Ausstellungen in unserem Rathaus bestätigen den hohen Stellenwert, den Kultur in Neufahrn genießt."
So wurden ortsansässige Geschäfte oder gemeinnützige Einrichtungen zu Galerien. Fotograf Jürgen M. Seibold, ein gebürtiger Neufahrner, präsentierte einige seiner Werke im „open room" in der Raumausstattung Pils GmbH. Er stellte einen Überblick seiner Arbeiten der letzten beiden Jahre vor. Seibold beschäftigt sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit den Themen Natur, Raum und Leben. Sie werden seiner eigenen Vorstellung entsprechend interpretiert und umgesetzt.
Seine Fotos sind digital fotografiert, wirken aber oft fast wie gezeichnet oder gemalt. Er wählt seine Motive gezielt aus: „Das sind keine Schnappschüsse, die man einfach so im Vorbeigehen macht, sie sind wohl überlegt, dadurch kommt viel Energie rein!", so Seibold über seine Fotografien. Er dreht nur leicht an den Kontrasten, wie das früher in der Analogfotografie auch war: „Ich will keine Bildbearbeitung machen, ich möchte Fotos machen", erklärte er seine Arbeitsweise.

 

Offenes Atelier Neufahrn Fotograf Seibold Foto 1

Fotograf Jürgen M. Seibold, gebürtiger Neufahrner, beschäftigt sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit den Themen Natur, Raum und Leben


Tini Altmann, Utta Bauer, Christine Hepting und Eddy Kuchinka
präsentierten sich als Künstlergruppe „Farbenspiel" im Gesundheitszentrum der VHS am Marktplatz. Tini Altmann malt seit 15 Jahren. Frei, nach Fotos oder Skizzen. Es entstehen Collagen, Malereien mit Städten oder Blumenkompositionen. „Toll, dass uns die Gemeinde diese Plattform zur Verfügung stellt! Wir bekommen den Raum, wir bekommen die Stellwände, das ist wirklich super!", sagte die Hobbykünstlerin erfreut.

 

Offenes Atelier Neufahrn Künstlergruppe Farbenspiel Foto 1b

Die Künstlergruppe „Farbenspiel" aus Neufahrn: Tini Altmann, Eddy Kuchinka, Utta Bauer, Christine Hepting (v. li. nach re.)

 

Eddy Kuchinka hat neben der Malerei ein zweites Hobby: exklusiver Angelbau nach eigenen Wünschen, was aber durchaus in die künstlerische Richtung geht. Einige der Ruten, mit bunten Fäden gestaltet, wurden in der Ausstellung präsentiert. Kuchinkas teuerste Angel liegt über 600€. Sie ist dreiteilig und hat einen speziellen Blank, mit Kork, nur der Ringsatz kostet schon 180€: „Ich mache Unikate, wenn jemand kommt und sagt, ich möchte eine Angel mit diesen Komponenten, dieser Länge, dieser Wurfweite und dieser Stärke, dann ist es interessant, ansonsten kann man einfach in den Laden gehen", erzählte er. Im Fischerbund Dachau, einem ganz kleinen Verein mit 40 Anglern, gibt er Angelbaukurse für Jugendliche und stellt Baukits her.

Offenes Atelier Neufahrn Künstlergruppe Farbenspiel Foto 2b

Eddy Kuchinka hat zwei künstlerische Hobbies: Er malt und baut exklusive Angeln nach eigenen Wünschen, alles Unikate.


Die Künstlergruppe belegte weiterhin Kurse bei der ehemaligen Schulfreundin Miriam, die als Künstlerin in Fürholzen von ihrer Kunst lebt. Miriam Lindermeier, mit Künstlername Miriam DaSilva, der Name ihres chilenischen Vaters, betreibt in ihrem Privathaus ein großes Atelier. Sie unterrichtet dort und gibt Malkurse, im Sommer gerne mal im offenen Holzstadl neben dem idyllischen Hausgarten. DaSilva malt mit Acryl und Aquarell und beschäftigt sich seit 25 Jahren mit Kunst, seit 2007 gibt sie Unterricht: „Ich habe mich schon immer mit Farbe beschäftigt, als gelernte Raumausstatterin lernt man technisches Zeichnen und die Farbenlehre hat man sowieso", berichtete die Kunstmalerin über ihren Werdegang. Sie hat die Malerei autodidaktisch in Kursen, Seminaren und bei Professoren erlernt: „Irgendwann findet man seinen Stil, seinen Weg und ganz wichtig, üben, zeichnen, auch Aktzeichnen bringt sehr viel. Als Künstler musst du das Auge schulen, man sagt, Schauen und Sehen lernen!"

Offenes Atelier Künstlerin Miriam DaSilva Foto 1d

Die Künstlerin Miriam DaSilva lebt und arbeitet in ihrem Atelier in Fürholzen

 

Wieder zurück in Neufahrn ging es zur Druckwerkstatt von Erika Adolph und Rudolf Rosenhauer. Die frühere Schriftenmalerin – „Ich habe das ganze Hofbräuhaus in Freising beschriftet" – arbeitet mit Prägedruck an einer uralten Radierpresse, die vor der Verschrottung bewahrt wurde: „Wir haben die alte Presse sozusagen gerettet!", sagte sie lachend. Das hat sich gelohnt. Die künstlerischen Ergebnisse können sich sehen lassen und werden im Bücherladen der Tochter ‚„VERENA liest" am Neufahrner Marktplatz mit gutem Erfolg und hoher Nachfrage verkauft. Sie fertigt ausgefallene Grußkarten auf hochwertigem Büttenpapier mit Blumen aus ihrem Garten an: „Der Garten gibt viel her, das hier sind Binsen, frisch gepflückt, sie werden direkt in die Presse gelegt. Auf feuchtem Papier gedruckt, wird die Struktur der Pflanze sehr schön sichtbar", erklärte die Künstlerin ihre Herangehensweise.

Ordner A Offenes Atelier Neufahrn Foto 2

Kunstecke: Erika Adolph und Rudolf Rosenhauer zeigen gemeinsam ihre Werke aus der alten Radierpresse


Auch Stoffdruck auf alten Leinen fertigt sie an: „Das hier ist 50 Jahre altes Leinen, ich habe es auf Ebay entdeckt", sagte sie lachend.
Die offenen Ateliertage waren wie immer voller Überraschung!

Für Sie berichtete Petra Springer.

 

Anm. d. Red.: Im Bericht wurden nur einige Künstler hervorgehoben und mit Zitaten erwähnt. Leider war es uns aus Platzgründen nicht möglich, über alle Künstler zu berichten.

 

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