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Lesegenuss unter freiem Himmel

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 12. Juli 2019

StadtLesen macht zum zweiten Mal Station in Neufahrn

Neufahrn hat gevotet und wurde gewählt. Nein, es ging nicht um die hohe Politik, sondern um reines Vergnügen. Nach 2018 wurde Neufahrn heuer zum zweiten Mal als einer von 30 Orten, darunter immerhin Städte wie Berlin, Heidelberg, Köln und Fürth, für das Projekt StadtLesen ausgewählt.

Seit nunmehr elf Jahren gibt es StadtLesen, ein Projekt der Innovationswerkstatt Salzburg. Mit rund 3000 Büchern im Gepäck reisten die fünf Mitarbeiterinnen an und verwandelten den Marktplatz vom 4. bis 7. Juli in ein gemütliches Open-Air-Lesewohnzimmer. Liegestühle, Sitzsäcke und Hängematten boten bequeme Sitz- oder sogar Liegemöglichkeiten. Für ein interessantes Rahmenprogramm sorgte in bewährter Weise das Team der Gemeindebibliothek.

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Die Klasse 2c der Fürholzer Schule hat sich mit ihrem Plakat gut aufs StadtLesen vorbereitet.

Gleich zu Beginn gab es am Donnerstagabend das erste Highlight. Paul Maar - Generationen von Kindern kennen seine Geschichten rund um das Sams - las aus seinem neuen Buch „Schiefe Märchen und schräge Geschichten“. Freitag waren Kindergärten und Schulklassen zu Gast und die Kinder durften ausgiebig schmökern, denn Bilderbücher und spannende Geschichten fanden sich in großer Anzahl in den Büchertürmen.

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Spannendes und Wissenswertes – hier gibt’s genau die Bücher, die uns interessieren!

Samstag war „Integrationstag“. Margit Kübrich und Hildegund Koblitz hatten orientalische und andere Märchen dabei, Christine Ziegler las Auszüge aus ihrem spannenden Fantasy-Roman „Jaguarkrieger“, von Ulrich Radermacher gab es in seinem Regionalkrimi „Hundsbua“ Neues über Kommissar Alois Schön. Carmen Schnitzer und David Dotts brachten „Essays“ zu Gehör und Friedrich Kalpenstein erheiterte das Publikum mit Situationen, die jeder kennt, gesammelt in seinem Buch „Profipfuscher“.

Am Sonntag – Familientag – mussten Zuhörer und Autoren wegen des schlechten Wetters vorübergehend in die Bibliothek umziehen. Der Vormittag begann mit Kurzgeschichten zum Thema „Pures Leben“, verfasst und vorgelesen von Mitgliedern der Autorengruppe 630 cm2. Die Neufahrner Autorin Birgit Bohmann stellte ihr Kinderbuch „Elsa Eichhörnchen – Ich kann das allein“ vor, das ab Herbst im Buchhandel erhältlich sein wird.

Erfreulicherweise schien am Nachmittag wieder die Sonne und so konnte man sich im Liegestuhl oder in der Hängematte in aller Ruhe von Gisela Landesberger mit Auszügen aus dem liebenswerten Sommerroman „Ein Monat auf dem Land“ von J.L. Carr nach Yorkshire entführen lassen.

Auch zum Abschluss erwartete die Gäste noch einmal ein Highlight: Poetry Slam - kurze heitere oder besinnliche Texte, erdacht und mit viel Leidenschaft vorgetragen von vier jungen Künstlern. Lea Winkler klagte auf höchst unterhaltsame Weise über ihre geringe Körpergröße, Markus Berg unterhielt mit Wortspielereien über das „Wort“, Benedikt Maurer fragte „Bin ich naiv?“ und Eva Karl sinnierte im Oberpfälzer Dialekt über Sinn und Unsinn von Instagram. Das Publikum war begeistert und so kam auch Moderator Pascal Simon nicht ohne einen eigenen Beitrag davon. Als „Begleitmusik“ war immer wieder ein kräftiges Donnergrollen vernehmbar, doch zum Glück blieb der Regen aus.

So mancher Vorübergehende hielt während dieser Tage inne, ließ sich einfangen und aufhalten von der Stimme am Mikrofon oder einem Buch im Regal, suchte sich einen bequemen Sitz- oder Liegeplatz, und für kurze Zeit blieb der Alltag außen vor.

Was bleibt? Vielleicht die Erfahrung, wie spannend der Inhalt eines Buches sein kann, vielleicht die Wieder- oder Neuentdeckung der Lust am Lesen, vielleicht auch das wohlige Gefühl beim Zuhören, wenn jemand vorliest? Das Neufahrner Freiluft-Lesewohnzimmer war jeweils von morgens bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet, ehe es dann am Sonntagabend für dieses Jahr endgültig wieder geschlossen wurde, zumindest für dieses Jahr. Man darf hoffen, dass StadtLesen nicht zum letzten Mal in Neufahrn zu Gast war.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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