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Freche Texte contra bairische Stubnmusi

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 26. November 2018

Die Wellküren begeistern das Neufahrner Publikum.

Mord und Totschlag im schottischen Hochadel – interessante Details aus der Familiengeschichte der Wells kamen da ans Licht der Öffentlichkeit, als die Wellküren – Moni, Burgi und Bärbi Well - am 23. November in der vollbesetzten Aula des Neufahrner Gymnasium mit ihrem Programm „Abendlandler“ zu Gast waren.

Da wirft nach einem musikalischen Wettstreit der wohlbekannte Macbeth seinen Konkurrenten McWell in den berühmten See Loch Ness! Was einerseits die Geburtsstunde von „Well-Ness“ ist, andererseits auch der Grund, warum es die Wellküren immer so mit dem Englischen haben: „Wan tu sri, rodscher!“

Bärbi, Burgi und Moni begannen ihr Programm mit Stubnmusi, deren Ausübung sie den Anwesenden dringend empfahlen. Sie sei ihnen Hilfe in allen Lebenslagen, „sogar zur Empfängnisverhütung“ wie eine der Well-Schwestern verriet. Deshalb auch die Gründung von STUGIDA, „Stubenmusik gegen die Idiotisierung des Abendlandes“. Doch dann ist es vorübergehend aus mit den leisen Tönen und es geht zur Sache. „Leitkultur, AfD, der fränkische Faschingsprinz Söder, seine königliche Hoheit Horst, Dobrindt und Co“ – ein Mix, bei dem sich Moni, die jüngste und stimmgewaltigste der drei Schwestern, in einen lautstarken Wutausbruch hineinsteigern kann, der sich nur mit Hilfe der vorsorglich bereitgehaltenen Globuli von Schwester Bärbi stoppen lässt.

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Freche Texte und virtuose Musik - die Wellküren begeistern das Neufahrner Publikum

Dass ihre ursprünglichen Wurzeln in der Musik liegen, haben die drei mit ihrem „Abendlandler“ perfekt demonstriert. Das bekannte Volkslied „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“ endet mit einem letzten meisterhaften „Simsalabimbambasaladusaladim“ in einer Klangwolke.  Den Variationen - instrumental und vokal - der  A-Dur-Klaviersonate von Mozart, umgeschrieben für Hackbrett, hätte man noch viel länger zuhören wollen. Die Anzahl der Instrumente, die auf der Bühne stehen oder liegen, ist kaum überschaubar, die drei greifen abwechselnd zur Diatonischen, zu Harfe, Hackbrett und Gitarre, Posaune, Tuba und Saxofon. Und nicht zuletzt überraschen sie das Publikum mit virtuosem Spiel auf der Nonnentrompete, die angeblich erfunden wurde, weil Klosterschwestern früher keine Blasinstrumente spielen durften. Angekündigt als „zarter, angenehmer, sanfter Klang“, geht einem schon der erste Ton durch Mark und Bein. Trotzdem: „La Paloma“ hört sich darauf super an und nichts passt besser als „Spiel mir das Lied vom Tod“, mit dem die Nonnentrompete die einsamen Kontrahenten Söder und Seehofer im Staub des wilden Westens aufeinandertreffen lässt.

Die mehr als 300 Gäste amüsieren sich an diesem Abend königlich und sind mehr als bereit, mitzusingen und mitzuklatschen, nach dem Motto: „Lasst‘s es raus, de Emoschn!“

Temperamentvoll, frech und bissig, kritisch und politisch, hochprofessionell und perfekt musizierend, begeistern die drei Well-Schwestern das Neufahrner Publikum, das am Ende mit viel Klatschen, Trampeln und Bravo-Rufen nach Zugaben verlangt. Damit hatten die drei – Überraschung – doch glatt gerechnet und fragten kokett/verschämt „Waren Sie schon mal in mich verliebt?“. Der letzte Auftritt des Abends jedoch war überraschend sanft und berührend. Mit dem Lieblingslied der Eltern „Kimmt sche hoamli de Nacht“ entließen sie ein hingerissenes Publikum in den Abend.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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