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„Ganz arg wichtig!“

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 29. September 2018

Heinrich del Core – der Schwabe mit den roten Schuhen

Den Abend beginnt er mit der Altersabfrage: ein jeder klatsche bei der Altersgruppe, der er sich zugehörig fühlt: „unter 20?“ (wenige), „zwischen 50 und 60?“ (viele) oder Senioren, „die finanzieren den Abend“.

Rund 300 Gäste kamen am 28. September in die Aula des Neufahrner Gymnasiums, um sich von Heinrich del Core mit seinem neuen Programm „Ganz arg wichtig“ unterhalten zu lassen, und das gelang ihm bestens. Der Künstler, der seine berufliche Laufbahn als Zahntechniker begann, steht seit vielen Jahren als Kabarettist auf der Bühne. Inzwischen auch aus Fernsehauftritten bekannt, kann der Schwabe mit den italienischen Wurzeln, dessen Erkennungszeichen die knallroten Schuhe sind, auf zahlreiche Auszeichnungen und Kleinkunstpreise verweisen.

Del Core - „mein Vater ist Italiener, meine Mutter Rottweiler“ - erzählt von seiner Heimatstadt Rottweil, die mit Besonderheiten wie der 236 m hohen Plattform punkten kann, von der aus man bis in die Schweiz sehen kann. „Doch wer will das schon?“ Oder von der geplanten 950 m langen Hängebrücke, bei der die Oma mit dem Rollator beim Start im Mai schon die Wintersachen mitnehmen sollte.

heinrich del core

Heinrich del Core, der italienische Schwabe mit den roten Schuhen, begeistert das Neufahrner Publikum mit „Ganz arg wichtig“.

Seine Geschichten sind aus dem Leben gegriffen – oder sie hören sich zumindest so an, als hätte er alles selbst erlebt. Da geht es darum, wie Männer sich Hitzewallungen vorstellen, deren Wirkung ihm auf Nachfrage eine Zuschauerin ausführlich erklärt. „Warum redet ihr denn nicht mit uns?“ fragt er die Frauen und erzählt, wie das im heimischen Schlafzimmer abläuft: „Fenster auf, Fenster zu, aufgedeckt, zugedeckt“. Das romantische Abendessen mit seiner Ehefrau endet über der Entscheidung zwischen Pizza und Spaghetti mit Meeresfrüchten in einer mittleren Ehekrise. Und der Auftritt in einer Kirche stellt ihn durch das religiöse Ambiente vor ungeahnte emotionale Probleme mit dem religiösen Ambiente.

„Running Gag“ ist der Thermomix, der ihn (und das Publikum) verfolgt. Es beginnt mit der Teilnahme an einer Thermomix-Party und endet damit, dass letztendlich seine sämtlichen Familienmitglieder diesen Wunderkochtopf besitzen.

Eigentlich, versichert er, mache er kein politisches Kabarett, doch zum Vergnügen der Gäste kann er sich einige Seitenhiebe auf aktuelle Ereignisse und mehr oder weniger prominente Personen nicht ganz verkneifen. „Eine Pointe ist wie ein Abführmittel“ – dass dieses Mittel wirkt, zumindest was die Lachmuskeln anbelangt, konnte das Publikum an diesem Abend ausgiebig erfahren. Alltagssituationen und eigene Erfahrungen beschreibt er treffend und mit viel heiterer Ironie, mit Charme und Sprachwitz. Simple Sätze erhalten nach einmal kurz Atmen ein Wort, einen Halbsatz als „Nachschlag“ und lassen die Zuschauer in schallendes Lachen ausbrechen.

Das Publikum war begeistert und klatschte laut und lange. Und es überraschte nicht, dass die Zugabe mit seinem früheren Beruf zu tun hatte. Als Patient im Zahnarztstuhl unternahm er erneut einen direkten Angriff auf das Zwerchfell.

Dass sein Dialekt auch in Bayern bestens ankommt und verstanden wird, daran bestand an diesem Abend kein Zweifel. So konnte dann auch seine abschließende Bemerkung ihre aufwühlende Wirkung voll entfalten: „Das Schwäbische hat doch was Erotisierendes!“

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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