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„In Japan küsst man nicht“

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 01. Mai 2018

Sigrid Sommer und Monika Lößl erzählen Reisegeschichten.

Obwohl der laue Frühsommerabend eher zum Biergartenbesuch einlud, kamen doch mehr als 30 Interessierte am 27. April in die Gemeindebibliothek, um sich mit den Erzählerinnen Sigrid Sommer und Monika Lößl auf spannende Reisen zu begeben.

Die beiden Erzählkünstlerinnen sind in Neufahrn keine Unbekannten. Dieses Mal hatten sie, passend zur nahenden Urlaubszeit, ihr Programm „Wenn einer eine Reise tut…“ im Gepäck. Zurücklehnen und Zuhören war also angesagt.

Gleich zu Beginn geht es mit dem Zug nach Genua, wo die junge Engländerin Olivia nebst Zofe bei Tante Margret dem unangenehmen Heiratskandidaten Mr. Gomez zu entkommen versucht. Dass die beiden Damen in einem menschenleeren italienischen Dorfbahnhof stranden, die eine furchtsam, die andere hocherfreut und aufgeregt, ehe Tantchens temperamentvoller und gutaussehender Chauffeur sie abholt, lässt ahnen, dass es für Olivia und Mr. Gomez keine gemeinsame Zukunft geben wird.

Lediglich ein blondes Haar bleibt dem jungen Japaner Haiko als Erinnerung an die hemmungslose Schwedin Ingeborga, die sich leidenschaftlich und unkonventionell über alle japanischen Anstandsregeln hinweggesetzt hat. Beinahe, aber zum Glück nur beinahe, hätte sie ihn zur totalen Pflichtvergessenheit verleitet.

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Gut gelaunte „Reiseführer": Sigrid Sommer und Monika Lößl, musikalisch begleitet von Hands’n’Voices (Charly Lehner und Arthur Görges), erzählen Geschichten aus fernen Ländern und vergangenen Zeiten.

Ein Forschungsprojekt in Madagaskar sollte die Karriere des jungen Zoologen Dr. B. krönen. Aufregende Entdeckungen, ein höchst interessanter Verlauf des Projekts und unheimliche Vorgänge führen zu einem überraschenden Ergebnis mit vertauschten Rollen.

Ali, der arabische Schafhirte, lebt am Ufer des Euphrat und sehnt sich nach einer Ehefrau. Doch schöne Frauen sind teuer und seine Mittel begrenzt. Umso überraschender, als sich nach der vergeblichen Brautschau dann doch noch die Traumfrau, zwar mit einem kleinen Makel, aber dafür preiswert, einstellt. Am Ende erfährt man jedoch, wie eine kluge Ehefrau ihren untreuen Man mit sich selber betrügt, weil Liebe die einen sehend, die anderen aber blind machen kann.

Und zu guter Letzt ging die Reise noch weit zurück in die Vergangenheit. In einer sehr interessanten Version der ersten Begegnung von Adam und Eva zeigt sich, wie unterschiedlich die beiden bereits damals mit Lust und Begierde umgingen – Ursache eines noch heute bestehenden Missverständnisses zwischen Mann und Frau.

Requisiten oder gar ein Mikrofon brauchen die beiden Erzählerinnen nicht. Allein durch den Einsatz von Stimme und Mimik und durch sparsame aber ausdrucksvolle Körpersprache schaffen sie es, auch den banalsten Ereignissen in ihren Erzählungen Spannung zu verleihen und das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Das hörte an diesem Abend so aufmerksam zu, wäre die berühmte Stecknadel heruntergefallen, man hätte sie bestimmt gehört.

Wohltuend nostalgisch entführten Hands’n’Voices alias Charly Lehner und Arthur Görges die Gäste mit Gitarre, E-Bass, Mundharmonika und Stimme zwischen den einzelnen Geschichten in die Zeiten von Joan Baez und Simon & Garfunkel.

Nach mehr als zwei Stunden Programm bedankte sich das begeisterte Publikum mit anhaltendem Applaus bei den vier Künstlern. Bleibt zu hoffen, dass sie nicht das letzte Mal im „Neufahrner Leseschiff“ zu Gast waren.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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