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Sex and Crime in der Holzkiste

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 15. Oktober 2017

Puppentheater “Gugelhupf” gastiert mit der “Bettleroper”

Worum es an diesem Abend ging, erfuhr das Publikum gleich beim Auftrittslied in aller Deutlichkeit: „Bettler, Huren und anderes Geschmeiß…“

Die „Beggars Opera“ von John Gay und Johann Christoph Pepusch, 1728 in London uraufgeführt, kritisierte die damaligen politischen Verhältnissen und die Situation der armen Leute. Zudem machten sich die Verfasser bei der Gelegenheit auch über die beliebte italienische Oper lustig, deren Besuch sich die Armen nicht leisten konnten. In den 1920er Jahren griffen Bertold Brecht und Kurt Weil die Bettleroper als Grundlage für ihre „Dreigroschenoper“ auf.

Mit seinen eindrucksvollen Stabpuppen brachte Frieder Kräuter die Bettleroper – frei nach John Gay – am 13. Oktober in der Neufahrner Gemeindebibliothek auf die Bühne, die in diesem Fall aus einer Holzkiste besteht. Die Geschichte hält, was zu Beginn versprochen wird. Es geht um Diebstahl, Liebe und Verrat, um dreiste Räuber und Diebe, raffgierige Hehler, Huren mit imposanter Oberweite, aber auch um romantische junge Mädchen, die auf einen aalglatten Frauenverführer hereinfallen.

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Eindrucksvolle Stabpuppen, die Frieder Kräuter in seinem Puppentheater für Erwachsene zum Leben erweckt

Der Hehler Peachum erfährt, dass seine Tochter Polly in den raffinierten Macheath verliebt, ja sogar heimlich mit ihm verheiratet ist. Um ihn aus dem Weg zu räumen, werden hinterlistige Mittel eingesetzt. Zwei Dirnen mit hervorquellendem Riesenbusen und schwingenden Hüften verführen Macheath und verraten ihn an Peachum, der ihn verhaftet. Doch Lucy, eine seiner Geliebten, kann mit dem gestohlenen Schlüssel die Fesseln öffnen und ermöglicht ihm dadurch die Flucht. Die Väter von Polly und Lucy verbünden sich, um den Geflüchteten zu fangen, die beiden Frauen tun sich ebenfalls zusammen, um ihn zu retten. Nach einigen dramatischen Vorfällen hat Macheath am Ende jedoch den Kopf in der Schlinge und wird aufgehängt. Ohne Happy-End geht es allerdings nicht und eine weiße Taube bringt die Begnadigung durch den König. Macheath und seine beiden Liebchen fliegen unter Konfettiregen vereint davon in eine andere Welt.

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„Die Bettleroper“ – ein spannender Opernabend der anderen Art, dargeboten von Frieder Kräuter vom Puppentheater „Gugelhupf“

Handlung und Musik des dramatischen Geschehens spielen sich auf, hinter und unter der einfachen Holzkiste ab, die zur Bühne geworden ist. Das Orchester besteht aus Akkordeon, Mundharmonika, Trommel, Tamburin, Waschbrett und Kazoo (sich wie Blasen auf dem Kamm anhört), alles virtuos gespielt von Frieder Kräuter, der auch sämtliche Rollen in diesem Puppentheater für Erwachsene verkörpert. Die Musik lässt sich nicht so ganz genau einordnen, Oper, Folklore, Jazz - alles ist enthalten. Die Puppen agieren so überzeugend, dass man fast vergisst, dass ein Mensch dahinter steht, der sie bewegt, für sie spricht und singt. Das Publikum folgte dem Spiel mit so viel atemloser Aufmerksamkeit und Spannung, dass während der 70 Minuten dauernden Vorstellung kaum ein Laut zu hören war. Ein sehr unterhaltsamer Opernabend der anderen Art, der den Gästen erkennbar gut gefallen hat, wie am lang anhaltenden Beifall zu hören war.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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