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„So, meine lieben Freunde…“

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 21. Mai 2017

Andreas Giebel und sein Solo-Programm „Das Rauschen der Bäume“

Am Schluss bedankt er sich bei den Zuschauern, „dass Sie gekommen sind, aber noch mehr, dass Sie geblieben sind“. Und man meint fast, das (titelgebende) Rauschen der Bäume zu hören. Er erzählt und spielt nicht die großen Ereignisse im Leben, es sind eher die kleinen Begebenheiten, die das Gefühl hervorrufen „das kenn‘ ich doch“.

Vertraut bayrisch sind die meisten seiner Charaktere, schrullig, aber liebenswert, und fast jedem ist man selber schon mal begegnet. Fragen stellt er viele und beantwortet sie auch gleich. „War früher alles einfacher?“ Ja, natürlich, denn Mozart z.B. hatte noch keinen Strom, der ihn mit Radio und Fernsehen abgelenkt hätte und deshalb waren seine Kompositionen im Handumdrehen fertig.

Der Übergang ist fast unmerklich, wenn er von einem Schauplatz zum anderen, von einer Person zur nächsten wechselt. Als einziger Kassenpatient kann er vom Wartezimmer des Arztes ausgiebig aus dem Fenster auf „seinen“ Dingshamerplatz schauen, wo auch immer der sein mag und wo die Personen aus seinen Geschichten leben. Während der eine Arzt die Diagnose beim Händewaschen stellt, tastet ihn der andere ausgiebig ab, „des mog i ned!“. Und dann sitzt er auf der Bank neben dem Penner-Klaus und rät - „sog jetzt nix“ – was ihm der für Lieder vorsingt. Der Besitzer vom Zeitungskiosk reißt immer die gleichen abgedroschenen Witze, wie den von der Zeitung, aus der das Blut fließt, wenn man sie schräg hält. Giebel spielt mit großem Körpereinsatz, da müssen auch schon mal Tisch und Stuhl als Sofa herhalten, wenn er demonstriert, wie es ihm als Akt-Modell des Künstlers geht, der nur Punkte malt. Haushälterin Anna aus Georgien, die bei ihm zuhause ein strenges Putzregiment führt, schickt ihn zum Einkaufen, wo er sich – wer hat das nicht schon mal erlebt – heillos in den Gängen des großen Supermarkts verläuft.

Bald steht man mit ihm in der Schlange beim Einchecken am Flughafen. Da wäscht er sich dann über dem Papierkorb die Haare mit dem Shampoo-Rest, um sich von zu viel Flüssigkeit im Handgepäck zu befreien, „weggeworfen wird nix“. Enge Sitze im Flieger – nichts Neues. Doch man spürt fast selber die Verrenkungen, wenn er, selbst nicht unbedingt zierlich gebaut, eine einigermaßen erträgliche Sitzposition sucht.

andreas giebel 1

Andreas Giebel und das Leben rund um den Dingshamerplatz

Skurriles kann er berichten. Fragt man sich, wie es Prominente und Politiker aushalten, stundenlang bei Sendungen oder Sitzungen auszuharren, weiß Giebel, dass es hierfür die „Notdurft-Komparsen“ gibt, die den leeren Stuhl besetzen, wenn jemand schnell mal muss. Da findet dann einer wie er bei der Oscar-Verleihung gar schon mal minutenlang einen Platz neben Hugh Grant.

Zurück auf dem Dingshamerplatz sitzt er dann wieder gemütlich neben dem Penner-Klaus. Und als dieser träumerisch fragt: “Hörst du’s, das Rauschen der Bäume?“, da wissen beide, dass das endlich der Titel ist für den Roman, der nie geschrieben werden wird.

Heiter und gemütlich-bayerisch, mit kleinen Gemeinheiten, aber ohne schmerzhafte Spitzen, geht es zu an diesem Abend. „Man kennt ihn ja“, meint eine Zuschauerin.

Wenn Andreas Giebel glaubt, "dass der Bayer sich seine Überschwänglichkeit für die besonderen Momente aufhebt, auch wenn diese nicht stattfinden", so hat dies am 20. Mai nicht gestimmt. Von den rund 200 Gästen in der OMG-Aula gab es lang anhaltenden und (fast) überschwänglichen Applaus.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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