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„Das wahre Leben ist doch anders!“

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 26. März 2017

Viel Beifall für Cornelia Gutermann-Bauer und das Turmalin-Theater

Sie solle sich sieben Männer zulegen, für jeden Wochentag einen, empfahl der Hausarzt der jungen Witwe, die sich über die Öde ihres täglichen Einerleis beklagt. „Aufstehen, waschen, Tee trinken…“ und das an jedem neuen Tag, lamentiert sie und schraubt sich immer tiefer hinein in die Leere und Sinnlosigkeit ihres derzeitigen Daseins. Da geschieht Unerwartetes, ein Fremder ist angekommen, dem ihr verstorbener Mann viel Geld schuldet, ein heftiger Wortwechsel entwickelt sich, der gar in gegenseitige Bedrohungen mündet.

Dass das wahre Leben – dem Titel entsprechend - dann aber doch ganz anders ist, zeigt sich in der unerwarteten Wendung am Ende des Stückes. Die Vorwürfe und Anschuldigungen führen zu einer überraschenden Annäherung zwischen den beiden und am Ende siegt die Liebe.

turmalintheater

Ausdrucksstark und berührend - Cornelia Gutermann-Bauer als junge Witwe in "Das wahre Leben ist doch anders!"

Das Publikum war zahlreicher als erwartet, sogar zusätzliche Stühle wurden gebraucht, weil mehr als 30 Gäste am 24. März in die Neufahrner Gemeindebibliothek gekommen waren, um die „rasante“ Liebeskomödie „Das wahre Leben ist doch anders“, frei nach Anton Tschechow, zu erleben. Einzige Darstellerin des Turmalin-Theaters ist die Schauspielerin Cornelia Gutermann-Bauer. Für Text und Regie zeichnet Günter Bauer verantwortlich, der auch für die Lichteffekte und Musikeinspielungen zuständig ist. Rasant war es allemal, Cornelia Gutermann-Bauer verkörperte beide Rollen überzeugend und temperamentvoll und zog mit ihrer ausdrucksstarken Darstellung das Publikum in ihren Bann. Sie verschaffte jeder ihrer beiden Figuren einen eigenen Platz, indem sie jeweils auf die andere Seite der Bühne sprang. Leider trübte gerade dies etwas den Genuss, denn durch den Positionswechsel verschwand sie für die Zuschauer auf den Randplätzen wechselweise hinter einer der linken oder der rechten Säule und damit aus deren Blickfeld.

Als „frei nach Tschechow“ war das Stück angekündigt. Unverkennbar frei, denn im Original - die Erzählung „Der Bär“ wurde 1888 geschrieben - kommen die Ausdrücke „cool“ und „wow“ ganz bestimmt nicht vor. Aber gerade diese mehr oder weniger versteckten witzigen Zwischentöne kontrastierten mit der dramatischen Mimik und der überdeutlichen Sprache, in der Konsonanten und Vokale fast ein Eigenleben zu führen schienen und ließen dadurch den Abend zu einem vergnüglichen Erlebnis werden.

Nach 80 spannungsgeladenen Minuten ging das Licht aus und das Publikum wurde für ein paar Augenblicke im Dunkeln gelassen. Wieder im Hellen, konnten Zuhörerinnen und Zuhörer ihre Begeisterung endlich mit anhaltendem Applaus zum Ausdruck bringen.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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