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Julia von Miller begeistert beim Neujahrskonzert

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 16. Januar 2017

Viel Beifall für ihr Programm „Was ihr wollt“

Wenn etwas dreimal stattfindet, dann gilt es bereits als Tradition. Das Neufahrner Publikum, das die Aula des Gymnasiums beim Neujahrskonzert am 14. Januar bis auf den letzten Platz füllte, war auch beim dritten Auftritt von Julia von Miller begeistert. Die temperamentvolle Sängerin, die in vielen Genres zuhause ist, zeigte sich an diesem Abend erneut als vielseitige Künstlerin, die hochprofessionell, aber dennoch mit großer Natürlichkeit auf der Bühne präsent ist. Im ersten Teil entführte sie die Gäste mit französischen Chansons und amerikanischen Songs in eine andere Welt. Sie wirbelte über die Bühne und bezauberte mit ihrer Stimme, die jedes Gefühl zum Ausdruck bringen kann. Die drei männlichen Mitglieder des Quartetts, Robert Probst am Klavier, Dieter Holesch an der Jazz-Gitarre und Ludwig Leininger am Kontrabass ließen allerdings keinen Zweifel daran, dass sie nicht nur Begleiter sind, sondern jeder von ihnen ein großartiger Solist ist. Angefangen beim „St. Louis-Blues“ aus dem Jahr 1914 bis zu deutschem Swing aus den Zwanziger und Dreißiger Jahren, der das Programm in der zweiten Hälfte des Abends bestimmte, brachten die vier ein breites Spektrum von mehr oder weniger bekannten Stücken zu Gehör. Julia von Miller führte mit viel Charme durch den Abend, wobei allerdings etwas weniger Tänzeln dem Vergnügen beim Zuschauen sicher keinen Abbruch getan hätte. Ihre unterhaltsame Moderation enthüllte interessante Details zu dem einen oder anderen Stück, so wusste sicher kaum jemand, dass bereits 1934 Peter Igelhoff sein Publikum mit der immer noch aktuellen Aufforderung „Ernähr dich mal von Gemüse“ zur Nahrungsumstellung aufrief. Julia von Millers Vielseitigkeit ist beeindruckend und ihre Darstellung authentisch. Das ließ sogar vergessen, dass man sich bei der Einladung zum traulichen „Tea for Two“ einen etwas intimeren Rahmen als die weitläufige Aula des Neufahrner Gymnasiums gewünscht hätte. Mühelos verwandelte sie sich mit ihrer Stimme in Lilian Harvey oder Claire Waldoff oder ließ den rauchigen Alt von Zarah Leander hören. Lasziv und leidenschaftlich räkelte sie sich bei „Besame mucho“ auf dem Hocker. Allerdings war es mit der Erotik schnell vorbei, als sie sich von dem Mann am Klavier wünschte „Lass mich einmal deine Carmen sein“ und sie – zum Vergnügen der Gäste - nur eine wütende, wortreiche spanische Suada erntete.

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Mit viel Temperament und Musikalität verzaubert Julia von Miller das Neufahrner Publikum.

Gab es am Tisch der Ehrengäste – Landrat Josef Hauner, Bürgermeister Franz Heilmeier, Dienststellenleiter Hermann Eschenbecher - gar eine kleine Verwirrung, als die Sängerin, wie einst Claire Waldoff, ausdrucksstark und mit viel Temperament forderte „Raus mit den Männern aus dem Landtag!“ und dafür kräftigen Beifall bekam? „Die Männer haben alle Berufe, sind Schutzmann und Philosoph…" klagte sie, "liebe Schwestern, es ist eine Schmach!“  Bürgermeister Heilmeier meinte augenzwinkernd „da haben wir mal kurz unseren zukünftigen Berufsweg überdacht“. Keine Frage, alle nahmen es mit dem nötigen Humor und die Herren hatten am Ende absolut nichts gegen ein gemeinsames Foto mit der charmanten Künstlerin einzuwenden.

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„Her mit den Herren…“: v.li: Bürgermeister Franz Heilmeier, Landrat Josef Hauner, Polizeidienststellenleiter Hermann Eschenbecher, vorne: Julia von Miller und Kulturreferentin Christa Kürzinger

Natürlich ging es nach dem stürmischen Beifall nicht ohne mehrere Zugaben ab, deren letzte auch gleich noch ein kleines Statement gegen allzu viel Perfektion war: „Ich bin so verschossen in deine Sommersprossen!“

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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