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Klassische Musik – weder verstaubt noch verflixt

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 06. Juni 2016

Ein heiterer Abend mit Pianist und Entertainer Felix Reuter

Hat Johann Sebastian Bach den Jazz erfunden? Wie hört sich Mozarts „Kleine Nachtmusik“ als Rock ‘n Roll an? Weiß eigentlich jemand, dass Beethoven bei Bach geklaut hat? Das fragt man sich wohl eher selten. In seinem Programm „Die verflixte Klassik“ beantwortet Felix Reuter diese und noch viele andere ungestellte Fragen und zeigt völlig neue und höchst amüsante Wege auf, um in die klassische Musik einzutauchen. Mit einem Feuerwerk an Musik unterhielt er am 4. Juni in der Aula des OMG ein begeistertes Publikum.

Überzeugend beweist der Pianist und Entertainer aus Weimar, dass man problemlos viele Stücke spielen kann, auch wenn man nur die weißen Tasten beherrscht. Respektlos nähert er sich den großen Werken der Musikliteratur und erfindet seine eigene Variation dazu. „Das kenn ich doch“ denkt man sich, und findet sich plötzlich in einem ganz anderen Stück wieder.

Mit amüsanten Anekdoten und Geschichten eröffnet er einen erfrischend anderen Blick auf berühmte Komponisten und ihre Werke. Dass Mozart erst mal nur für die linke Hand komponiert hat, ist ebenso überraschend wie die Entstehungsgeschichte von Dvoraks „Die Moldau“. Eigentlich ganz unspektakulär als „Alle meine Entchen“ ersonnen, spielte der Komponist die Melodie, der Originalität halber, in Moll - „heißt ja auch ‚Mol(l)-Dau und nicht Dur-Dau“ – und wurde damit berühmt.

Mit großer Fingerfertigkeit demonstriert er unüberhörbar, wer bei wem abgekupfert hat. Da überrascht es auch niemand mehr, dass klassische Musik sogar in manchem Werbe-Jingle zu hören ist.

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Klassische Musik, witzig erklärt und brillant gespielt von Felix Reuter

Nach der Pause gibt es „Wunschkonzert“. Kontakt mit dem Publikum mag er sowieso und so ergibt sich ein kleines Frage-und-Antwort-Spiel, in dessen Verlauf er ohne Ausnahme von jedem der gewünschten Komponisten etwas zum Besten geben kann, egal ob Brahms, Debussy, Stockhausen oder Gershwin. Doch nicht nur das, er weiß auch zu jedem Namen und Werk Hintersinniges zu erzählen. „Liszt hat gespielt bis der Flügel glühte!“ Das liegt wohl an der Musik, denn auch aus dem Neufahrner Flügel steigt bei Reuters Liszt-Interpretation plötzlich Rauch auf.

Höchst hilfreich sind seine Empfehlungen, unverhofftem Besuch die Bitte nach Klavierspiel zu erfüllen. Seine Vorschläge: „Spielen Sie nur auf den schwarzen Tasten“ oder gar „Nehmen Sie, was Sie kriegen können!“ – Was, wie er überzeugend vorführt, Hand, Arm oder sogar Kopf bedeuten kann.

Hinreißend und charmant unterhält Felix Reuter das Publikum mit heiteren Anekdoten und vor allem mit grandiosem Klavierspiel. Manchmal wird ihm allerdings die Klaviatur zu kurz und er hätte für seine Interpretation gern rechts außen noch etwas mehr Klavier.

Die verflixte Klassik wird an diesem Abend zum humorvollen Hörgenuss, wofür sich die Gäste mit anhaltendem Applaus bedanken und sich eine Zugabe nach der anderen erklatschen.

An einer weiteren, ganz anderen, Darbietung dürfen sich die rund 90 Zuhörerinnen und Zuhörer im Rahmen dieses Abends erfreuen: Abgewiesen von der Tanzpartnerin, keine andere gefunden? Die Jungs der Tanzgruppe des OMG wissen sich zu helfen und lassen in ihrer witzigen Tanzdarbietung gekonnt die (aufblasbaren) Puppen tanzen.

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Die Jungs vom OMG lassen die Puppen tanzen.

Die Bewirtung wurde auch bei dieser Veranstaltung in bewährter Weise vom Lions Club Neufahrn übernommen. Der Erlös geht an die Tafel Hallbergmoos, die nach wie vor dringend Spenden für die Finanzierung eines Kühlfahrzeugs benötigt.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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