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Hinreißende Songs, virtuos interpretiert

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 24. April 2016

Table for Two begeistert das Neufahrner Publikum

Vier Herren in weißem Hemd und schwarzem Anzug kommen auf die Bühne und greifen zu ihren Instrumenten – mit diesem seriösen Auftritt fängt ein hinreißender Abend an, der mit virtuoser Musikalität und Witz das Publikum begeistern wird.

Bereits der erste Song lässt die Zuhörer schmunzeln. „I was standing at the station“ singt Frontman Harry Kulzer, Schlagzeuger Thomas Froschmaier unterlegt die bayerische Übersetzung „I steh am Bahnhof…“ und die traurige Ballade mündet in „no more crying“, also „Schwamm drüber“.

Schon bald sind die Jacketts ausgezogen, die Ärmel aufgekrempelt, die Hemden durchgeschwitzt. Kein Wunder, bei dem vollen Körpereinsatz, den insbesondere Harry Kulzer mit bewundernswerter Energie am Klavier hinlegt. 144 Lieder haben sie in ihrem Repertoire, ausnahmslos aus eigener Feder - Blues und Jazz, Rock und Pop. Der direkte Kontakt mit dem Publikum zieht sich durch den ganzen Abend, Musikwünsche werden abgefragt: „Was Flottes? Was Langsames?“ Sie spielen auf Zuruf, erfüllen alle Wünsche. Die Insider wissen die Nummern der Stücke, Nr. 14? Nr. 120? Da wird kurz in den Notenstapeln gesucht und dann gespielt. Oder aber die Künstler entscheiden spontan, was gerade passen könnte. So entsteht ein Programm, das unwiederholbar ist. Nicht überraschend, dass ihnen manche Fans zu den Konzerten nachreisen, um so viel wie möglich mitzubekommen.

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Nach fast drei Stunden Programm und mehreren durchgeschwitzten Hemden noch immer bester Laune

Harry Kulzer unterhält die Gäste mit persönlichen Erlebnissen und den Entstehungsgeschichten einzelner Songs. Ob sie wahr sind? Egal, wenn nicht, sind sie gut erfunden. Thomas Froschmaier, sonst am Schlagzeug, klagt mit französischem Akzent ins Mikrofon, dass ihm die Frauen nur an die Wäsche wollen, wo ihm doch – leicht zweideutig – nur nach einem ist, „ich spiel so gern die große Trommel, mal mit Stöckchen, mal mit Bommel“.

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Thomas Froschmaier spielt „so gern die große Trommel, mal mit Stöckchen, mal mit Bommel“

Der Wunsch nach etwas Flottem wird mit Nr. 69 erfüllt, beim „Piano Breakdown“, laut Kulzer höllisch schnell, höllisch schwer und „könnte fast in Las Vegas gesungen worden sein“, spielt er den Flügel fast in Grund und Boden. Und mit der Ballade „Chicago am Ostbahnhof“ entsteht vor Augen und Ohren des Publikums eine Reminiszenz an die Zeit, als München noch wild und ungestüm gewesen sein soll.table 3

Harry Kulzer bringt den Flügel an seine Grenzen.

Auch nach fast 30 Jahren ist diese Gruppe nach wie vor temperamentvoll und voller Überraschungen. Vielseitig sind sie alle vier. Harry Kulzer (Gesang, Piano, Ukulele , Mundharmonika und Akkordeon), Wolfgang Opitz (Gesang, Saxofon, Querflöte), Thomas Froschmaier (Schlagzeug und Sänger mit französischem Zungenschlag), und Chris Lakotta (Kontrabass und Gesang) sieht man die Freude am Musizieren und Agieren deutlich an und die Harmonie ist nicht nur in der Musik erkennbar, wenn sie sich musikalisch und verbal die Bälle zuspielen. table 7

Virtuoser Umgang mit Saxofon und Querflöte: Wolfgang Opitz

Kein Wunder, dass sie mit Bravour das „harte Pflaster Neufahrn“ mit Professionalität, Originalität und viel Charme bezwungen haben. Nach fast drei Stunden Programm wollte sich das Publikum noch immer nicht mit einem Ende abfinden.

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Chris Lakotta: Fingerakrobatik auf dem Kontrabass

Eine letzte Zugabe (von vielen) wird erklatscht und die macht es dann deutlich: beim „Zebrian Lullaby“, Wiegenlied für Harrys Schmuse-Zebra und ohrwurmverdächtig, geht das Licht aus und die vier spielen den Schluss im Dunkeln.

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Am Samstag 4. Juni kommt Felix Reuter mit seinem Programm „Die verflixte Klassik“ ins OMG. Eine ungewöhnliche und erfrischende Begegnung mit klassischer Musik und eine ganz besondere Tanzeinlage sind es auf jeden Fall wert, sich diesen Termin jetzt schon zu notieren.

Für Sie berichtete Maria Schultz

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