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„Wenn der Blues kommt, sei bereit“

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 23. Januar 2016

Arnim Töpel - Pianist, Sänger und Autor - in der Neufahrner Bibliothek

Trotz Schnee und drohender Glatteisgefahr war die Gemeindebibliothek an diesem Abend so voll, dass die Stühle nicht reichten und sogar noch die Treppe als Sitzgelegenheit diente. Mit seinem neuen Programm „Nur für kurze Zeit“ bot der Sänger, Pianist und Autor Arnim Töpel einen heiter-besinnlicher Abend.

Abwechslungsreich und mit viel Gefühl spannte er einen großen Bogen, der so ziemlich alle Bereiche des menschlichen Lebens umfasste und neben der persönlichen Zukunftsplanung – „Wie, wo und mit wem wollen Sie alt werden?“ - auch die Endlichkeit nicht ausschloss.

 Die Sprache ist sein Element und dem pfälzischen Dialekt gehört seine Liebe. Mit sparsamem, aber umso wirkungsvollerem körperlichen Einsatz an E-Piano und E-Bass spielte und sang er seine Lieblingslieder, mit neuem – pfälzischem – Text und gelegentlicher Übersetzungshilfe. Das Pfälzische könne man, so empfahl er, fächerübergreifend im Schulunterricht einführen, und er hat sogleich Vorschläge zur Hand, wie die Fächer dann bezeichnet werden könnten.

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Arnim Töpel - Bluesdenker, Pianist, Sänger, Autor

Mit feiner Ironie schildert er allzu gut Bekanntes: Der Urlaub mit einer befreundeten Familie in einem gemeinsamen Ferienhaus, für ihn der Vorhof zur Hölle, die Einschulungen, die heute oft wie Bundespressekonferenzen verlaufen, oder seine Befürchtung, dass sich die Stammbäume von Patchwork-Familien in nicht allzu ferner Zukunft zur Heckenform auswachsen.

Nicht nur als Pianist und Sänger, sondern auch als Vorleser verstand er zu begeistern. Die Auszüge aus seinen Krimis „De Schorle Peda“ und Muffze Kopp“ verstand man zum Glück größtenteils ohne Übersetzung, und das Publikum lachte herzhaft über seinen Kommissar Günda, dessen neu erworbenes Smartphone so gar kein kein Pfälzisch versteht.

Es ist absolut kein Bruch, wenn er dann nach all der Heiterkeit einen Abschnitt aus Nikos Kazantzakis‘ Roman „Alexis Sorbas“ vorliest und dabei das Publikum so einfühlsam und so gekonnt in seinen Bann zieht, dass es das Klatschen vergisst.

Der Blues kam nach Neufahrn, nur für kurze Zeit, für diesen einen Abend. Die Gäste waren begeistert und belohnten den Künstler mit anhaltendem Applaus. Er bedankte sich mit einer Zugabe über den schwierigen Umgang mit Liebeserklärungen. Etwas zögerlich kam dabei das Publikum allerdings der Aufforderung zum Mitsingen nach, Pfälzisch lernt man halt nicht so schnell. Das war natürlich nicht unerwartet und für Arnim Töpel die Chance, Zuhörerinnen und Zuhörer mit einer letzten heiteren Bemerkung in den Abend zu entlassen.

„Neufahrn ist der einzige Ort in Bayern, wo ich spiele.“ Den Leuten hat’s gefallen und es bleibt zu hoffen, dass dies nicht seine letzte Reise aus der Pfalz hierher war.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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