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Boogie, Blues und die bayerische Seele

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 18. Oktober 2015

Martin Schmitt reißt mit seinem Programm „Aufbassn“ das Neufahrner Publikum von den Stühlen.

Eine grundsätzliche Frage wird gleich zu Beginn geklärt: „Wer versteht kein Bayrisch?“ „Denn“, so erklärt er, „in keiner Sprache gibt es so schöne Dialoge“ und er demonstriert das sogleich in einem Zwiegespräch, das sich größtenteils aus Vokalen und Wörtern mit nur einer Silbe zusammensetzt. Und mit “Pack ma’s!“ beginnt ein Abend, der schon beim ersten Stück viele Füße mitwippen lässt.

Der Pianist, Liedermacher, und Kabarettist Martin Schmitt, Bayer aus tiefster Seele, unterhält das Publikum an diesem Samstagabend mit einem virtuosen Feuerwerk aus Musik und geistreicher Moderation. „Zwerchfellangriff mit schnellen Fingern“ meint ein Zuhörer beim Hinausgehen.

Boogie-Woogie, Blues und Jazz wechseln sich ab mit melancholischen Balladen. Er wünscht sich „Ich würd‘ gern rückwärts leben“ und singt über seinen Traum, eine eigene Fluglinie - „Schmittish Airways“ - zu besitzen. „Aufbassn“ empfiehlt er auch dringend in seinem Song „Der Marder war da“, die Ursache für viele kleine Löcher, ob nun im Bremsschlauch oder im Präservativ. Er erzählt von skurrilen Erlebnissen bei Auftritten und aus seiner Familie. „Ich liebe ihn ja“, sagt da die Oma vom Opa. „i mogn bloß ned.“. Wenn auch bei manchem Witz die Pointe vorhersehbar ist, bei anderen Wortspielen dauert es schon etwas länger, bis das Zehnerl fällt. Detailliert erklärt er, wie ein Jazzgesicht aussieht. Und es gelingt ihm, sich von einem Frauen- und einem Männerchor begleiten zu lassen. Das Publikum erwärmt sich zusehends und wippt, klatscht, schnipst und singt im Laufe des Abends zunehmend lauter mit, wenn er es fordert. Mit Geschichten und Gedichten aus seinem kleinen roten Buch „Aufbassn!“ lernt man ihn zudem als Autor und damit noch einmal von einer anderen Seite kennen.

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Musikkabarett vom Feinsten: Martin Schmitt mit seinem Programm „Aufbassn!“

Am meisten begeistert sind die Zuhörerinnen und Zuhörer jedoch von seiner musikalischen Virtuosität. Scheinbar mühelos machten sich seine Finger in atemberaubender Geschwindigkeit selbständig, während sein Blick ins Publikum schweift, unterstützt von seiner äußerst ausdrucksstarken Mimik. Da kommt es dann schon mal vor, dass er bei einem besonders langen Stück andeutet „hier gibt es immer Beifall“ und dabei noch mahnen kann „mit verschränkten Armen kann man nicht klatschen“.

„Nicht ganz unerwartet“ so gibt er zu, kommt es für ihn, dass sich das Publikum zwei Zugaben erklatscht. Als er sich dann aber mit blonder Perücke und Brille an den Flügel setzt und mit völlig unbewegtem Gesicht davon berichtet, dass er die „Sexbomb“ ist, bei der die Frauen kollabieren, gibt es kein Halten mehr und die Lachtränen fließen in Strömen.

In einem letzten leisen Abschiedslied singt er, dass ihm am Ende nur noch eins gefehlt habe. Das war ihm aber auch ohne diesen dezenten Hinweis sicher, nämlich begeisterte und lautstarke Standing Ovations.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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