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Kein "Tschüss" zum Abschied

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 20. September 2014

Kein „Tschüss" zum Abschied

„Da Huawa, da Meier und I" – blau weißes Musikkabarett der Extraklasse

(Text/Foto: sh) Rund waren die Würfel an diesem Abend in der Aula des Oskar-Maria-Graf-Gymnasiums, wo sonst die hohe Kunst der Geometrie tagtäglich unterrichtet wird. Kunst der ganz anderen Art durften die knapp 500 Zuschauer des Saals mit „Da Huawa, da Meier und I" genießen. Das oberpfälzisch/niederbayerische Trio präsentierte sein derzeitiges Programm „D'Würfel san rund" ironisch, frech und hochmusikalisch.
„Bereits zum dritten Mal dürfen wir die Band hier in Neufahrn begrüßen", freute sich Kulturreferentin Christa Kürzinger-Probst in ihrer Eröffnungsrede, „in Neufahrn rührt sich allerhand" meinte sie in Ankündigung des ausstehenden Kulturprogramms der Gemeinde.

 

„I bin da Huawa" – so stellte sich Christian Maier vor, der den Großteil der Lieder geschrieben und komponiert hat. Als Niederbayer ist er in der Unterzahl, da Matthias Meier („da Meier") und Siegi Mühlbauer („I bin da I") beide aus der Oberpfalz stammen. Innerhalb der Band entstehen durchaus dialektische Unterschiede – die drei nehmen sich gerne gegenseitig auf die Schippe und sich selbst im allgemeinen auch nicht immer so ernst. Gestärkt mit der ersten Runde Flaschenbier erlebte das Publikum fast das gesamte Repertoire der aktuellen CD. Musikalisch durchaus experimentierfreudig wechselte vor allem Matthias Meier von Blockflöte über Trompete zum Horn oder unterhielt mit seinem von Bass bis Tenor reichenden Stimmrepertoire. Schlagzeugprofi Siegi Mühlbauer packte zwischendurch auch die „Ziach" oder das Hackbrett aus. Christian Maier spielte den Abend über zahlreiche (Elektronik-) gitarren, eine davon unübersehbar mit Logo des TSV 1860 München...
Energiekrise und Ökoboom (in „Energie Mix"), Casting Shows („Sternenkinder"), der Niedergang des Agentenberufs durch Cyberworms in Facebook („Spitzlbua") – vieles brachte das Trio zur Sprache. „Die Dumma san und bleib´n die ganz normalen Leut", bei der Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken. „Aber die jungen Leut´ mit ihre Smartphones kriag´n des scho hi", so Christian Maier, „zu uns hat ma früher a scho g´sagt, dass aus uns nix wird" und wandte sich immer wieder an die jüngsten, gerade sechs Jahre alten Zuschauer. Denn „a Schmoiz in da Birn" ist nie verkehrt.
„Hauptsach´ dass uns guad geht, da könn´ ma jammern" so der Text in „Jammerlappen" – gemeint sind diejenigen, die an allem etwas auszusetzen haben. Darauffolgend ein Seitenhieb auf das deutsche Gesundheitssystem; Zahnbehandlungen werden mehr und mehr in Osteuropa durchgeführt („Zahnweh"). „Der Mensch ist ein Tier" so das Resumée von „Da Esl´l, S'Pony und da Frosch" – die Nummer erfolgte mit gehäkelten Tiermützen.
Zur Pause verließ das Trio (Christian Maier stets in Wollsocken) die Bühne, das Publikum wurde vom Lions Club verköstigt, dessen Einnahmen den Jugendlichen in Neufahrn zugute kommen.
Interaktionen mit dem Publikum gab es immer wieder, gegen Schluss schunkelten doch noch alle Zuschauer bei „Bittscheen sog net" mit und ein jeder nahm sich vor, ab sofort auf das bayerische Verabschiedungs-Unwort „Tschüss" zu verzichten. „Des tuat ma weh" so Christian Maier, denn ohne Wurzel kann der größte Baum net steh'n und dieses Wort gehört definitiv nicht zu den bayerischen Wurzeln.
Ironisch war das Programm, jedoch ohne Geschimpfe und Sarkasmus. Sozialkritische Themen gab es in einer breiten Palette; angesichts des Werteverfalls in der heutigen Gesellschaft wurde den Zuschauern ein Spiegel vorgehalten.
Nach zwei Zugaben des knapp dreistündigen Programms wurde an dessen Ende der Titel erklärt. „Warum san die Würfel rund?" Längst vorbei die Zeiten, wo man ehrlich „Eins, zwei drei" zählte; Politiker und Lobbyisten ließen nur allzu gerne mal eine Zahl aus für den eigenen Vorteil. „Schwarz is bunt", „Schief is grad" – wir leben in einer scheinheiligen Welt, Lügen sind an der Tagesordnung, Respekt vor allem was lebt, geht verloren zugunsten des eigenen Profits.
Ein bisschen ernst und besinnlich die Schlussakkorde vom „Huawa" - „mir schmeckt das ganz normale Leb´n" sang er in „D´Würfl san rund", bevor sich das Trio mit einen zünftigen „Servus" von der Bühne verabschiedete. Wohl kaum ein Zuschauer, der auf dem Nachhauseweg nicht der Überzeugung war: „Recht ham´s, da Huawa, da Meier und da I".

Da Huawa Da Meier und I 4  Da san´s: (v.l.) Matthias Meier, Siegi Mühlbauer und Christian Maier

Da Huawa Da Meier und I 7„Weissbier-Rasta" – Da Meier in seinem Element

Da Huawa Da Meier und I 5Pausenverköstigung durch den Lions Club

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