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„Die Erinnerung hat kein Verfallsdatum.“

Kategorie: Kinder / Jugend Veröffentlicht: 17. Mai 2018

Zeitzeuge und Holocaust-Überlebender Abba Naor im OMG

Bereits zum fünften Mal war Abba Naor am 15. Mai im Neufahrner Gymnasium zu Gast, um den Schülerinnen und Schülern der 9. Jahrgangsstufe von OMG und Imma-Mack-Realschule Eching von den Ereignissen zu erzählen, die seine Jugend und auch sein ganzes weiteres Leben prägten.

Eine ganz normale Familie waren sie, Vater, Mutter und drei Buben. Sie lebten in Kaunas, einer Stadt in Litauen. Dort kam Abba Naor zur Welt und dort ging zur Schule. Doch die glückliche Kinderzeit war mit einem Schlag vorbei und es veränderte sich alles, als die jüdischen Mitbürger verfolgt, in Ghettos getrieben, ermordet wurden: „Es hat ganz klein angefangen…“

Tausende von Juden kamen ums Leben, darunter auch sein älterer Bruder, der nur etwas zum Essen auftreiben wollte und nicht mehr nachhause kam. „Wie konnte das geschehen?“ fragt Naor, „wir waren doch Litauer, hatten nur eine andere Religion, wie so viele andere auch.“ Eindringlich beschreibt er das Leben im Ghetto, die vielen Einschränkungen, die menschenunwürdigen Lebensbedingungen. Dorthin, man kann es kaum glauben, kamen SS-Angehörige, um jüdische Musiker spielen zu hören, darunter auch den jungen Abba, der eine gute Stimme hatte. „Ich sang für die SS“ nennt er deshalb das Buch, in dem er seine Lebens- und Leidensgeschichte aufgeschrieben hat.

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Abba Naor, Holocaust-Überlebender, erzählt die Geschichte seines Lebens.

Es ist sehr still in der Aula des OMG und die Jugendlichen hören mit großer Aufmerksamkeit zu, als Abba Naor vom Leben im Ghetto berichtet und von dem was folgte, die schrecklichen Erlebnisse in den KZs und den verschiedenen Außenlagern, die große Traurigkeit, als er durch Zufall seine Mutter mit dem kleinen Bruder auf dem Arm im KZ erblickt und in diesem Augenblick weiß, dass er sie zum letzten Mal sieht. Beide kamen in Auschwitz ums Leben.

Besonders realistisch werden die Ereignisse, wenn er Namen und genaue Daten nennt und dazu erschreckende Fotos oder Dokumente auf der großen Leinwand zu sehen sind. Dass er damals ungefähr so alt war wie sie heute, schafft für die Schülerinnen und Schüler, die vor ihm sitzen, eine ganz besondere Nähe. Doch Abba Naor belässt es nicht nur bei dem Schlimmen, er berichtet auch von furchtlosen Menschen, die Flüchtenden halfen oder den Gefangenen auf dem Todesmarsch ihr Los mit Essbarem erleichterten.

Zwischen den Sätzen macht er oft lange Pausen. Er bezieht aber auch die Schülerinnen und Schüler immer wieder ein, indem er ihnen Fragen stellt, die zwar erst etwas zögerlich, aber dann sehr bereitwillig beantwortet werden. Abba Naor versteht es zudem, die Anspannung zu durchbrechen, indem er sein Publikum durch eingestreute humorvolle Bemerkungen immer wieder mal zum Lachen bringt.

Nach seinem Vortrag dürfen die Schülerinnen und Schüler ihrerseits Fragen an ihn stellen. Bewegend und sehr persönlich sind seine Antworten und sie lassen erkennen, dass er die Hoffnung nicht verloren hat: „Ich glaube, die Jugend wird es nicht zulassen“, antwortet er, als eine Schülerin ihn fragt, ob er Angst habe, dass so etwas noch einmal passieren könnte.

Geschichtslehrerin Gisela Schauz, Florian Fischer, Schülersprecher am OMG, Florian Fürbass und Anna Wich von der Imma-Mack-Realschule Eching, hatten zum Abschluss ein ganz besonderes Geschenk für Abba Naor. Sie überreichten ihm ein Buch mit den Gedanken von Schülerinnen und Schülern zu seinem Vortrag im vergangenen Jahr.

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(v.li.) Gisela Schauz (Geschichtslehrerin), Abba Naor, Florian Fischer (OMG), Florian Fürbass und Anna Wich (Imma-Mack-Realschule Eching)

Seine 90 Jahre sieht man ihm kaum an, nur hin und wieder muss sich Abba Naor ein wenig abstützen. Doch seine Stimme ist klar und seine Worte sind eindringlich. Er ist einer der letzten lebenden Zeitzeugen und er sieht nach wie vor seine Aufgabe darin, den Jugendlichen von heute die Ereignisse des Holocaust nahe zu bringen. "Denn", wie Schulleiter Franz Vogl am Schluss den Jugendlichen zurief, „es darf nie wieder passieren!“

Für Sie berichtete Maia Schultz.

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