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OMG Gymnasium Neufahrn: „Wir sind Oskar"

Kategorie: Kinder / Jugend Veröffentlicht: 23. Juli 2014

Große Feier zum 120-jährigen Geburtstag des Namenspatrons mit Ehrengast Dr. Hans- Joachim Vogel

(Text/Foto: sh) "Viel gäbe es zu sagen", meinte Rektor Franz Vogl in seiner Begrüßungsansprache zum 120-jährigen Geburtstag Oskar Maria Grafs, dem Namenspatron des Gymnasiums. Zeichengebend für das Motto der „Schule mit Courage und Schule gegen Rassismus" betonte er, wie gegenwartsbezogen auch heute noch die Ansichten und Zitate des Schriftstellers sind.

Geboren am 22.Juli 1894 in Berg am Starnberger See wuchs Oskar Graf als neuntes Kind in einer Bäckerfamilie auf. Ausschnitte aus seinem Leben, aufgeführt im Stück „Oskar der Graf" von der Theatergruppe des Gymnasiums, wurden im Zuge der Feier auf einer Videoleinwand eingespielt. Im Alter von 17 Jahren zog der Schriftsteller vom Starnberger See nach München, um den Misshandlungen seines älteren Bruders zu entgehen. Als Dichter und Dramaturg verdiente er dort sein Geld und legte sich erst später den zweiten Vornamen „Maria" zu. 1927 wurde er durch sein autobiographisches, selbst- und zeitkritisches Werk „Wir sind Gefangene" berühmt. „Verbrennt mich!", so sein bekanntes Zitat, als seine Bücher in der NS-Zeit nicht vernichtet werden sollten und er als möglicher Volksschriftsteller in dieser Zeit genutzt werden sollte. Die Verbrennung seiner Bücher fand schließlich 1934 im Innenhof der Münchner Universität statt und Oskar Maria Graf flüchtete ins Exil. Dort entstand auch sein späteres Werk „Das Leben meiner Mutter", das von Thomas Mann ausdrücklich als ein Stück deutscher Geschichte gelobt wurde.
Gerade sein Roman „Wir sind Gefangene" stand auch im Fokus der Feierlichkeiten am OMG Gymnasium. Grafs Bekenntnisse darin haben auch den Jugendlichen heute etwas zu sagen, so Schulleiter Franz Vogl. Sein besonderer Dank galt den 13 Schülern des derzeitigen P-Seminars unter Leitung von Frau Dagmar Reinold. Das Seminar hatte es sich im vergangenen Schuljahr zur Aufgabe gemacht, Oskar Maria Graf durch verschiedene Aktionen in das Schulleben zu integrieren und den Schülern näher zu bringen. Im Vorfeld wurde u.a. ein Fotowettbewerb für jede Klasse abgehalten, bei dem sich die einzelnen Schüler zu ihrer persönlichen Identifizierung mit Oskar Maria Graf äußern sollten. „Wichtigstes Projekt ist jedoch der heutige Tag", waren sich alle Seminarteilnehmer einig.
Franz Vogl freute sich sehr über die Anwesenheit seines Vorgängers Herbert Dombrowski, der eigens angereist war. Dieser hatte, unterstützt von dem damaligen bayerischen Kultusminister Hans Zehetmair, im Jahr 1995 die Namensverleihung des Oskar Maria Graf Gymnasiums in die Wege geleitet. Die Texte Oskar Maria Grafs regten auch heute noch zu Diskussionen im Schulleben an. Er sei ein Schriftsteller mit Ecken und Kanten gewesen und vor allem voller Mut. Nicht zuletzt durch seine Freundschaft zu Bertholt Brecht sind dessen Werke auch gegenwärtig regelmäßig Inhalt des Deutschunterrichts am OMG.

 


Höhepunkt der Veranstaltung war die Rede des ehemaligen Münchner Oberbürgermeisters Dr. Hans-Jochen Vogel. „Altersbedingt trete ich nur noch in Ausnahmefällen auf - und solch eine besondere Gelegenheit ist jetzt" so Vogel , der Oskar Maria Graf noch persönlich gekannt hatte und als damaliger Oberbürgermeister Münchens einen regelmäßigen Briefverkehr mit diesem in die USA unterhielt. Bis zum Jahr 1965 versuchte Vogel den Schriftsteller zu überreden, in dessen bayerische Heimat zurückzukehren. Aus gesundheitlichen Gründen war dies nicht möglich. Oskar Maria Graf starb 1967 in New York, wo er bis zuletzt immer wieder in bayerischer Lederhose zu sehen war. Seine Asche wurde 1968 nach Deutschland überführt und auf dem Bogenhausener Friedhof beigesetzt, was auch der Initiative von Dr. Hans-Jochen Vogel zu verdanken war. „Was kann man auch heute noch von Oskar Maria Graf lernen?" richtete sich Vogel an die Schüler im Auditorium. Man solle sich den Namenspatron mit seiner Heimatverbundenheit, seinem Mut und seinem Widerstand in der damaligen Zeit zum Beispiel nehmen. Vogels Appell an die Jugend von heute: nicht alles für selbstverständlich halten - Demokratie, Meinungsfreiheit. Deutsche Einheit, Frieden in Zentraleuropa - dies alles sei nur möglich geworden, weil man nach dem Krieg die entsprechenden Wege eingeschlagen habe. „Erhebt Widerspruch und seid mitverantwortlich, dass die Zeiten des NS-Regimes nicht wiederkehren. Und ich glaube, Oskar Maria Graf hätte es ähnlich gesagt", so beschloss Vogel seine Rede und erntete stehende Ovationen.
Abgerundet wurde die Veranstaltung in der Aula vom OMG-Orchester unter Dr. Nikolaus Drebinger, das am Ende noch „New York, New York" in Anlehnung an Grafs letzten Lebensort spielte.
Im Anschluss schritt man vor den Haupteingang des Gymnasiums, um die von Max Wagner erschaffene Bronzebüste Oskar Maria Grafs der Öffentlichkeit preiszugeben. Begleitet vom Streichensemble und unter Anwesenheit von Elternbeiräten und Politikern enthüllten Franz Vogl und Dr. Hans-Jochen Vogel die Statue, die dann von den örtlichen Pfarrern nach einer kurzen Andacht noch geweiht wurde.
„Leben, leben muss man, meine ich, leben und sonst nichts. So einfach klingt das, und keiner kann's!" - dieses Zitat Oskar Maria Grafs ist in die Rückwand des Schulanbaus „Zeppelin" gemeißelt und wird neben der nun errichteten Statue des Schriftstellers noch viele Jahrgänge des OMG Gymnasiums zu Diskussionen anregen.

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