lesen-sie-auch-andere-ortszeitungen Oberdinger Kurier Logo echinger-echo haarer-echo herrschinger-spiegel mooskurier

Ein Verein schreibt Geschichte

Kategorie: Allgemeines Veröffentlicht: 15. April 2019

Zeitzeugen und Heimatverein lassen 100 Jahre TSV lebendig werden.

Als sich die 23 Gründungsväter am 23. März 1919 im Gasthaus „Zum Deutschen Kaiser“ (heute Hotel Gumberger) zusammenfanden, um den „Turnverein Neufahrn“ aus der Taufe zu heben, dachten sie sicher nicht im Traum daran, dass im Laufe der Jahre der größte Verein im Ort mit rund 1700 Mitgliedern daraus werden könnte.

Kaum ein Platz war mehr frei, als der Heimat- und Geschichtsverein am 9. April zu einem ganz besonderen Zeitzeugenabend einlud: „100 Jahre TSV Neufahrn“. Ernest Lang, 1. Vorsitzender des Heimatvereins, hatte mit Hans Lutz und Otto Bönisch zwei Gesprächspartner, die sich seit längerer Zeit intensiv mit der Vergangenheit des TSV beschäftigen und viel zu erzählen hatten. Mit Fotos von Dokumenten und Ereignissen wurde die Geschichte des Vereins lebendig und damit auch Ereignisse und Entwicklungen im Ort.

Die Gründungsversammlung legte als Vereinszweck die „Heranbildung der Jugend und Buschen zur körperlichen Ertüchtigung“ fest, aber auch die Förderung des gesellschaftlichen Lebens sollte nicht zu kurz kommen. „Sprechwart“, also 1. Vorsitzender, war der Neufahrner Albert Erlacher, der bis 1922 und von 1930 bis 1931 im Amt war. Wurde der monatliche Vereinsbeitrag bei der Gründung auf 50 Pfenning festgelegt, so änderte sich das mit zunehmender Geldentwertung und bald sollte der Beitrag dem Gegenwert einer Halben Bier entsprechen. Erst war der TV ein reiner Männerverein, aber ab Ende 1922 durften auch Damen Vereinsmitglied werden.

tsv zeitzeugen2

So sehen Sieger aus! Leichtathletikmannschaft mit Funktionären im Jahr 1931 (Foto: privat)

Bereits nach zwei Jahren krempelte man die Ärmel hoch und mit viel Eigeninitiative wurde eine Halle gebaut. Damals weit draußen auf freier Flur, wurde sie im Laufe der Jahrzehnte die Alte Halle, die sich durch Zunahme der Bevölkerung und rege Bautätigkeit irgendwann mitten im Ort befand. Die Alte Halle sollte für Jahrzehnte nicht nur aktive Sportler beherbergen, es gab Theateraufführungen und die Halle wurde zur Faschingshochburg für Neufahrn und Umgebung. Doch auch für politische Veranstaltungen wurde sie zu allen Zeiten ihres Bestehens genutzt.

Der Verein blieb nicht von politischen Einflüssen verschont. Als Beweis zeigten Otto Bönisch und Hans Lutz, dass sich sogar der Vereinsstempel veränderte. Die vier F („Frisch, fromm, fröhlich frei“) des alten Turnerwahlspruchs wurden 1941 durch den Adler mit dem Hakenkreuz ersetzt und der Verein nahm in einer Mitgliedsversammlung die vorgegebene „Einheitssatzung“ an.

Doch die Zeiten wurden zum Glück wieder anders. Nach der Abgabe der Erklärung zur „Entnazifizierung des Vereins“ konnte man sich wieder auf Sport und Geselligkeit konzentrieren. Der Turnverein Neufahrn wurde zum Turn- und Sportverein Neufahrn 1919 e.V. und mit steigender Einwohnerzahl stiegen auch die Mitgliederzahlen. Das Sportangebot wurde erweitert und aus den beiden Disziplinen bei Vereinsgründung – Geräteturnen und Faustball – waren 1969 bereits acht geworden.

Im Laufe der Jahre wurde die Alte Halle zu klein und so entschied sich die Vereinsführung zum Neubau. Am Käthe-Winkelmann-Platz hat der TSV seine neue Heimat gefunden, wo Halle und Vereinsheim im Oktober 1987 eingeweiht wurden. Für die inzwischen über 1700 Mitglieder, die in 17 Abteilungen Sport treiben, wird es allerdings auch dort bereits wieder zu eng.

tsv zeitzeugen1

Hans Lutz, Otto Bönisch und Ernest Lang lassen 100 Jahre Vereins- und Ortsgeschichte lebendig werden.

Hans Lutz, Otto Bönisch und Ernest Lang schlugen an diesem Abend einen weiten Bogen, als sie mit Bildern, Zitaten und heiteren Anekdoten die 100 Jahre Vereinsgeschichte Revue passieren ließen. Die meisten Zeitzeugen saßen jedoch im Publikum. Insbesondere bei den Bildern wurden viele Erinnerungen lebendig - „Da war ich dabei.“ - „Daran erinnere ich mich.“ - „Das war mein Vater“ (Großvater, Onkel...) oder gar „das bin doch ich!“ - und nicht wenigen wurde an diesem Abend aufs Neue bewusst, dass die Geschichte des TSV Neufahrn ganz eng auch mit der eigenen Lebensgeschichte verbunden ist.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok