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Skelette, Gräber und Bajuwaren

Kategorie: Allgemeines Veröffentlicht: 02. März 2018

Frühmittelalterliche Grablegen in Fürholzen

Der Tote lag neben der Fürholzener Schule! Aber kein Mord, kein Krimi, denn schnell stellte sich heraus, dass er dort schon sehr, sehr lange lag. Im Juni 1952 wurde bei Drainagearbeiten neben dem Schulhaus in Fürholzen ein Skelett gefunden.

Das Landesamt für Denkmalpflege wurde informiert und bei näherer Untersuchung zeigte sich, dass es sich um die Überreste eines Mannes handelte, der vor etwa 1400 Jahren dort bestattet worden war. „Die noch erreichbaren Skelettteile wurden ausgegraben…“ schreibt der zuständige Beamte in seinem Grabungsbericht. Und die Vermutung lag nahe, dass es an dieser Stelle noch weitere Funde aus jener Zeit geben könnte.

Der Heimat- und Geschichtsverein Neufahrn hatte am 27. Februar zu einem Vortragsabend über die frühmittelalterlichen Grablegen in Fürholzen eingeladen und viele Interessierte kamen in den Gasthof Maisberger zu einem „Bairischen Abend ohne Musik“, wie ihn Alfred Ballauf, Referent des Abends, mit einem Schmunzeln bezeichnete.

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Vor vielen interessierten Zuhörern berichtet Alfred Ballauf, was es mit den frühmittelalterlichen Reihengräbern in Fürholzen auf sich hat.

In einem kurzen Abriss ging er jedoch erst einmal auf die Frühgeschichte der Bayern ein, die sich als Baiuvaren an einer Stelle niedergelassen hatten, die später den Namen Niwiwara (unschwer erkennbar als das heutige Neufahrn) bekam. Zahlreiche Funde bewiesen, dass die Gegend um Neufahrn bereits sehr früh von Kelten, Römern und Bajuwaren besiedelt war.

Alfred Ballauf ließ das Publikum auch einen Blick auf das damalige öffentliche Leben werfen. So kann man in der Lex Baiuvariorum lesen, wie einzelne Vergehen bestraft werden. Da steht z.B. „…wenn einer mit vergiftetem Pfeil einen anderen blutig schießt, der soll es mit 12 Schillingen büßen…“. Und: „… wenn er ihr die Kleider über die Knie hebt, der büße es mit 12 Schillingen…“

Das erste Grab in Fürholzen wurde am 19. Juni 1952 zwischen Kirche und Schule entdeckt. Bei der Untersuchung durch das Landesamt für Denkmalpflege stellte sich heraus, dass es sich bei dem Skelett um einen Mann handelte, der in der bajuwarischen Einwanderungszeit um etwa 600 n.Chr. dort in einem Reihengrab bestattet worden war. Der Schädel war allerdings durch Bauarbeiten beschädigt worden. „Als Beigabe fand man ein 74 cm langes Sax...“ heißt es im Grabungsbericht vom 25. Juni 1952. Dieser Fund war Anlass genug, bei zukünftigen Baumaßnahmen einen Archäologen hinzuzuziehen, in solchen Fällen eine Auflage des Landesamts für Denkmalpflege. Und tatsächlich wurden beim Bau des Gemeinschaftshauses in Fürholzen vier weitere Gräber aufgefunden und mit viel Sorgfalt freigelegt.

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Freigelegtes Grab aus dem 7. Jhd. n. Chr. in Fürholzen  Deutlich erkennbar das über den Leichnam gelegte Sax. Foto: privat

Mit zahlreichen Fotos und interessanten Details zeigte Alfred Ballauf, Mitglied des Archäologischen Vereins Freising, wie die Funde geborgen wurden. Nicht nur Archäologen waren dabei am Werk, die mit Schaufel und Pinsel kleinste Teile ans Licht holten. Auch eine „Knochenflüsterin“ - eine Anthropologin - war vor Ort und beschäftigte sich intensiv mit den Knochen. Alle Funde wurden nicht nur fotografisch festgehalten, sondern auch gezeichnet, um Details und Größenverhältnisse besser einordnen zu können.

Die Grabbeigaben ließen manchen Rückschluss auf den jeweiligen Menschen zu. Das schräg über die Hüfte gelegte Sax (eine Hiebwaffe) in Grab 2 wies auf einen „wehrfähigen Mann“ hin, dem auch ein Messer und eine Gürtelschnalle ins Grab gelegt wurden. In Grab 3 waren neben Sax und Gürtelschnalle sogar zwei Messer. Grab 4 war zwar leider durch eine frühere Baumaßnahme zerstört worden, allerdings fand man dort noch Reste eines Sargs. In Grab 5 war ebenfalls nur noch wenig vorhanden, hier lagen jedoch Ohrringe und Reste einer Halskette.

Was geschieht nun mit Funden und Fundstellen? Nachdem alles ausgegraben und geborgen war, wurde es sorgfältig verstaut und dem Landesamt für Denkmalpflege übergeben. Die Metallgegenstände werden näher untersucht und restauriert. Die Knochen jedoch werden bis auf weiteres dort ruhen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es in fernerer Zukunft andere Untersuchungsmethoden geben wird, mit denen man noch wesentlich mehr Details über Leben und Tod dieser Menschen herausfinden kann als es jetzt möglich ist. Aber auch die Grabstellen in Fürholzen sollen nicht vergessen werden. Im Rahmen des Dorfentwicklungsplans wird an den entsprechenden Stellen sichtbar gemacht und daran erinnert werden, wo vor vielen Jahrhunderten Menschen bestattet wurden.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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