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Uferschwalben im Landkreis Freising

Kategorie: Allgemeines Veröffentlicht: 26. Juni 2017

Führung zur Steilwand in den Isarauen

Clemens Krafft öffnet das Türchen mit der Nr. 157, greift behutsam hinein, und als er seinen Arm wieder herauszieht, hat er eine junge Uferschwalbe in der Hand. Es ist ein Handgriff, den er in jedem Sommer viele Male ausführt. Denn Clemens Krafft ist einer von fünf Freiwilligen, die die Beton-Steilwand in den Isarauen pflegen. In Bayern gibt es keine natürlichen Steilwände an Flussufern, deshalb werden künstliche Möglichkeiten geschaffen, in denen die kleinen flinken Vögel Brutröhren vorfinden, in denen sie ihre Jungen großziehen können.

Eine Führung zu den Uferschwalben im Landkreis Freising stand am 25. Juni im Programm des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). Der strömende Regen hat die 14 Naturbegeisterten - die meisten davon aus Neufahrn und Hallbergmoos, darunter auch einige Kinder - nicht davon abgehalten, gemeinsam mit Clemens Krafft durch die Isarauen zwischen Grüneck und Hallbergmoos in Richtung Kieswerk zu wandern. Ziel war die Steilwand, in der Nistmöglichkeiten für die Uferschwalben geschaffen wurden.

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Bei strömendem Regen fanden sich Neufahrner und Hallbergmooser Vogelfreunde ein, um von dem engagierten Vogelschützer Clemens Krafft (Mitte) Wissenswertes über die Uferschwalben zu erfahren.

1999 erbaut, ist sie ein Bauwerk aus Hohlblocksteinen und Betonfundamenten. Bereits zweimal wurde die Steilwand in den vergangenen Jahren erweitert, 2003 wurden aus vorher 130 dann 303 Röhren, und heuer wurde auf 387 Brutröhren aufgestockt. Die Röhren sind 60 cm lang, der eigentliche Brutkessel misst 25 x 25 cm.

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In der Steilwand nisten zur Zeit rund 340 Uferschwalbenpaare.

Die gesamte Wand hat eine Länge von 18 Metern und ist 3,5 Meter hoch. An der Vorderseite sind die Löcher der Brutröhren zu sehen, die Rückseite ist bewachsen und hat zwei Bunkereingänge, von hier aus sind die einzelnen Röhren zugänglich, von denen jede an der Hinterseite ein Türchen mit einer „Haus-Nummer“ hat. Dieser Zugang ist nötig, denn nur so können die Röhren kontrolliert und sauber gemacht werden. Sobald die Uferschwalben im August die Steilwand verlassen, werden die Röhren gesäubert. Würde dies nicht geschehen, würden die Vögel die Wand im nächsten Jahr nicht mehr annehmen. Außerdem können auf diesem Weg die Jungvögel von einem lästigen Parasiten, der Uferschwalbenzecke, befreit werden, eine aufwendige Arbeit, denn dazu muss jedes der Vögelchen herausgeholt werden.

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Zugang durch die Hintertür. Von hier aus können die Brutröhren kontrolliert und gesäubert werden.

Die Lage der Steilwand ist ideal, in den vielen Altwässern gibt es zahlreiche Kleinfische und Insekten, so dass die Schwalben immer einen gedeckten Tisch vorfinden. Unterstützt wird das Projekt durch Kieswerk und Bayer. Staatsforsten, die z.B. Kies und Sand oder Holzpfosten zum Zaunbau zur Verfügung stellen. Die Kosten für die Steilwand betrugen insgesamt rund 32.000 Euro, die größtenteils durch Spenden aufgebracht wurden.

„Ich bin über die Tier- und Naturliebe meiner Eltern zum Vogelschutz gekommen“ erklärt der 55-jährige Familienvater aus Giggenhausen, der im Alltag als Techn. Sachbearbeiter mit ganz anderen Themen zu tun hat. Gemeinsam in einer Gruppe von bis zu fünf Freiwilligen leistet er im Jahr etwa 1000 Arbeitsstunden, denn nicht nur die Steilwand braucht regelmäßige Pflege, sondern auch das Umfeld soll baumfrei gehalten werden. Außerdem müssen Neophyten, also Pflanzen, die eigentlich bei uns nicht heimisch sind wie z.B. Goldrute und Springkraut, kurz gehalten werden.

In der Regel fliegen die Uferschwalben im Pulk an die Steilwand, um so Schutz vor ihren Fressfeinden Sperber und Falke zu haben. Vor ihrem größten Feind können sie sich allerdings nicht schützen, nämlich dem Menschen. Leider sind sogar in diesem idyllischen Fleckchen Erde die Hinterlassenschaften gedankenloser Spaziergänger nicht zu übersehen.

Der Erfolg beweist, dass sich Arbeits- und finanzieller Aufwand lohnen. Mit großer Zufriedenheit berichtet der engagierte Vogelschützer Krafft, dass „seine“ Uferschwalben die für sie geschaffene Brutmöglichkeit sehr gut annehmen: Waren es im Jahr 2000 insgesamt 89 Brutpaare, so fanden sich 2017 rund 340 Paare zum Brüten in der Steilwand ein. Zudem konnten in 13 Jahren über 10.000 junge Uferschwalben beringt werden, um durch Rückmeldungen Informationen über ihr Schicksal zu erhalten.

Der Landesbund für Vogelschutz Freising bietet während des ganzen Jahres interessante Vorträge, Führungen und Exkursionen an. Viele Infos dazu sind auf der Homepage des LBV www.freising.lbv.de zu finden.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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